Restauration

Restauration von Oldtimern

— 07.09.2010

Das rostigste Hobby

AUTO BILD-Archiv-Artikel 35/1986: Das Automobil wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Nicht erst seitdem grassiert in eini­gen Garagen das Oldtimer-Fieber. Oft fängt es ganz harmlos an.

Da steht eines Tages an der Ecke bei der Tankstelle ein et­was ältliches Auto. Im Vorbeifahren wird man quasi von dem Oldtimer-Virus infi­ziert. Verkauft werden soll die automobile Antiquität für nur ein paar tausend Mark. Schließlich ist der Wagen schon eine kleine Rarität. Und ob nun das Geld auf der Bank liegt oder in Form eines alten Autos in der Garage steht – wo ist der Unter­schied? Ein Oldtimer als Geldanlage – wem leuchtet das nicht ein! Also wird die etwas angegammelte Rari­tät kurzerhand gekauft. Der vor sechs Wochen gelieferte Neuwagen aus der Ga­rage verbannt und abends unter die Later­ne gestellt. Was soll dem Auto im Sommer unter freiem Himmel schon passieren. Ab jetzt geht's in jeder freien Minute in die Garage.

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Dort wird der Oldie nach einer gründlichen Wäsche erstmal in all seine Einzelteile zerlegt. Abmontierter Chrom­zierrat wird gleich poliert und nach der Ba­stelei säuberlich unters Ehebett gescho­ben. So dauert es nicht lange, dann steht das seltene Stück total auseinanderge­rupft auf Ziegelsteinen. Und im Keller und in der Wohnung sieht's aus wie beim Schrotthändler. Zwischen Einmachglä­sern die Armaturen, im Küchenbufett die Typenschilder, auf dem Schlafzimmer­schrank die Stoßstangen, in den Nachttischkommoden die Schalter und Schei­benwischerblätter, hinter dem Wohnzim­merschrank die Bodenteppiche.

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Aber nicht nur das: Aggressive Scheuer­mittel haben die Handflächen aufgeraut. Montagmorgens versteckt man vor seinem Chef die abgebrochenen und dreckigen Fingernägel. Geradezu rührselig erkundi­gen sich die Arbeitskollegen mit Blick auf die verpflasterten Hände, wie weit denn das Werk gediehen sei. Da bleibt einem dann gar nichts weiter übrig, als sich immer wieder einzureden: Da muss ich jetzt durch, egal wie. Den werd' ich es schon zeigen. Wenn ich den Wagen dann fertig hab', dann werden die vor Neid erblassen. Doch wie heißt es im Volksmund so tref­fend: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Denn nicht selten en­det der Traum vom Oldtimer ganz anders.

Vom Traum zum Trauma

Nämlich so: Mercedes 170, Baujahr 1951, teilrestauriert, total zerlegt, umständehal­ber an Selbstabholer abzugeben. Keine Sorge: Natürlich findet sich ein vom Oldtimer-Virus infizierter Interessent. Nur beginnt in der Regel jetzt das ganze Drama wieder von vorn – nur in einer ande­ren Garage. Denn spätestens der neue Käufer will alles noch viel besser machen. Dazu zerlegt er noch die letzten Reste des Fragments. Bis auch er einige Zeit später den "teilrestaurierten Oldtimer" per Klein­anzeige weiter verkauft. Bei dem vielen Hin und Her bleibt nicht aus, dass hier und dort das eine oder andere abgeschraubte Teil verloren geht. Eines Tages lässt sich der Wagen dann nur noch als Ersatzteil-Träger veräußern.

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