Rolls-Royce trifft Goggomobil

Rolls-Royce Phantom Coupé und Goggo TS 300 Coupé Rolls-Royce Phantom Coupé und Goggo TS 300 Coupé

Rolls-Royce trifft Goggomobil

— 28.07.2008

Zwei mit viel Stil

Schick sind sie beide – das größte Coupé und das kleinste. Dabei sind das Rolls-Royce Phantom Coupé und das Goggo TS 300 Coupé sogar verwandt: ein Familientreffen der ungewöhnlichen Art.

"Haben Sie mehr als 10.000 Euro bei sich?", fragt der neugierige Herr durch die geöffnete Seitenscheibe. "Bin untröstlich", sage ich, "heute ausnahmsweise nicht." Genauso hätte ich behaupten können, meine Name sei Osama Bin Laden. Gut, der Mann ist Zöllner, ich bin an der Schweizer Grenze, und mein Auto ist ein fahrender Kontoauszug (433.460 Euro). Aber bitte: Würde ich die Barschaft ausgerechnet in einem Rolls-Royce einschleusen? Das Intermezzo kostet Zeit. Dabei ist meine Mission so harmlos: ein Rendezvous. Mit einem entfernten Verwandten, angeheiratet, lange nicht mehr gesehen. Ein armer Schlucker, schon immer, aber reizend. Möchte ihn nicht warten lassen.

Gut, dass der Royce (nicht Rolls, wie der Kenner weiß) für den etwas pressanteren Fahrstil ausgelegt ist. Es handelt sich um das neue Phantom Coupé, die Version für die klammheimliche Freude am Fahren. Nicht, dass der 2,6-Tonner die Insassen mit vulgärer Sportlichkeit behelligen würde. Er ist nur um einen Hauch straffer. Auf der neuen Taste am Lenkrad sollte deshalb auch nicht "Sport" stehen, sondern so was wie "Fun". Oder besser noch: den Knopf einfach weglassen. Bringt nur Stress in die Getriebe und Motorsteuerung. Cool wie George Clooney auf einer Cocktailparty muss er sein, liebe Rolls-Royce-Mutter in München. Da verdienen solche BMW-Gene die erhobene Augenbraue.

Selbstmördertüren: seit Juli 1963 verboten

Begrüßung mit offenen "Selbstmördertüren": Rolls-Royce und Goggomobil –zwei Coupés, eine Familie.

Was mich wieder an meinen Termin erinnert: 1966 heiratete BMW in erster Ehe die Hans Glas GmbH. Zu den Stiefkindern gehörte mein Rendezvous-Partner. Sein Name: Goggomobil. Ja, genau – das Goggo und der Phantom, Geschwister. Oder besser gesagt Mitglieder derselben Patchwork-Familie. Nett, oder? Es gibt sogar noch mehr Gemeinsamkeiten: Das Goggo, mit dem ich mich heute treffe, wird in einem bezaubernden Coupé-Gewand anrollen, wie der Phantom. So schön. Und: Wie das Phantom Coupé wurde es mit hinten angeschlagenen Türen geboren. Zufall? Sicher ist, dass ein Goggo Coupé (1958 bis 1968) die Vorlage für den zweitürigen Phantom lieferte, türtechnisch zumindest. Zugegeben, es gab damals noch zig andere Vertreter dieser Konfiguration, aber entweder waren es keine Coupés oder sie gehören nicht zur Familie.

Selbstmördertüren hieß diese Art des Verschlags damals, weil sie bisweilen vom Fahrtwind aufgerissen wurden, häufig unter Verlust des Beifahrers. Das konnte unabsichtlich passieren oder willentlich, weshalb die Sache zum 1. Juli 1963 per Paragraf 35e der StVZO verboten wurde. Schade, denn gerade in engen Parklücken und überhaupt gelingen Ein- und Ausstieg bei hinten montierten Portalen besser, irgendwie lässiger. Und damit eben auch Rolls-Royce-mäßiger. Stellt sich natürlich die Frage, ob ein Phantom Coupé sakrosankt ist oder zumindest über dem Gesetz steht. Offizielle Antwort: Eine Rolls-Royce-Tür geht nur auf, wenn es der Hersteller gestattet, nämlich im Stand. Und das berechtigt zu einer Ausnahmegenehmigung.

Rolls-Royce-Fahrer sind den Sternen näher

Der nur 1,23 Meter hohe Goggo reicht dem Phantom gerade mal bis an die Scheibenwischer.

Zügig nähert sich die 5,6-Meter-Landjacht nun dem Treffpunkt, während sich zwölf Zylinder im brusthohen Maschinenraum um äußerste Diskretion bemühen. Im schummrigen Fond des Coupés wäre es noch gemütlicher, aber vorn thront es sich besser. Über mir funkeln die Sterne, 1600 von Hand in den Himmel gestöpselte Lichtleiter, dimmbar. Zsa Zsa Gabor ("Niemals hasste ich einen Mann genug, um ihm seine Diamanten zurückzugeben"), berühmt für ihren ausgefallenen Rolls-Royce-Geschmack, wäre begeistert. Kurz vorm Ziel hebt es den Phantom ausnahmsweise aus den Federn – das Goggo womöglich? Könnte es sich im Radkasten verfangen haben? Aber nein, da steht es, fröhlich zweitaktend, ein 300er sogar, die Powerversion mit 14,8 PS. Herzig, mit seinem Pseudogrill im Alfa-Look und im Heckfenster der Satz "die Kraft der zwei Kerzen". Immerhin: In guten Zeiten krakeelte es auf 90 Sachen. Und nun begrüßt es uns mit offenen Türen. Das größte und das kleinste Coupé der Welt, vereint.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König

Prachtvoll, das neue Rolls-Royce Coupé, irre Proportionen und diese Edelstahlhaube, die praktisch mit dem Horizont verschmilzt. Wäre ich Millionär (besser Multi) könnte ich schwach werden. Andererseits: Beim Familientreffen ist es klar das Goggo, das die Blicke auf sich zieht. Da wird es allen warm ums Herz – so klein und schon ein Coupé. Damit zu fahren ist allerdings weniger ratsam. Lieber nimmt man es zwischen zwei Finger und macht Brumm-Brumm.

Autor: Wolfgang König

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