Rote 07er-Nummer

Youngtimer-Nummer erst ab 30 Jahren

Laut Fahrzeug-Zulassungsverordnung von 2006 erhalten nur noch Autos die rote Nummer, die mindestens 30 Jahre alt sind.
Autos bekommen erst 30 Jahre nach Erstzulassung das rote 07er-Sammelkennzeichen. Am 10. Februar 2006 ging die Verordnung durch den Bundesrat mit der "Bundesratsdrucksache 811/05". 811/05 bezeichnet die "Verordnung zur Neuordnung des Rechts der Zulassung von Fahrzeugen zum Straßenverkehr". Seit 1994 wurde per Ausnahmeverordnung das rote 07er-Kennzeichen zur Pflege kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts erteilt, bis 2006 für Fahrzeuge, die 20 Jahre alt waren. Probefahrten, Überführungen, Reisen zu Treffen – Zulassung unnötig, dafür diente die 07er-Nummer. Für beliebig viele Autos und zum Pauschalsteuersatz von nur 192 Euro pro Jahr. Doch schnell entpuppte sich die windelweich formulierte Verordnung als Nährboden für behördlichen Wildwuchs. In einem Bezirk war ein TÜV-Gutachten nötig, im nächsten reichte es, Fotos der Oldies vorzulegen, der dritte verlangte nicht mehr als einen überzeugenden Vortrag am Schalter. Heute liegt das Mindestalter der Autos generell bei 30.

Doch dann wurde es dem Gesetzgeber zu bunt. Allerdings wurde das Mißbrauchspotential des roten Schildes zu keiner Zeit als Grund für eine Gesetzesänderung angeführt. Aber was dann? Zeit, Fachleute zu fragen, wie es weitergeht.

Massensterben durch Unterhaltskosten

Der erste Anruf geht an den Marktbeobachter Classic Data (www.classicdata.de). "Hier ist die Hölle los", stöhnt Geschäftsführer Jochen Strauch: "Hunderte Anfragen, täglich über 10.000 Klicks im Internet-Forum – die Oldie-Gemeinde ist in heller Aufruhr." Strauch erklärt, was sich bald – vermutlich zum 1. Februar 2007 – ändert: "Die Erteilungsvoraussetzungen der 07er werden denen des H-Kennzeichens angeglichen. Heißt: Mindestalter 30 Jahre. Für Youngtimer zwischen 20 und 30 bleibt nur die normale Zulassung bei voller Steuer: beim Benziner 25,36 Euro, beim Diesel 37,58 pro 100 Kubikzentimeter. Das bedeutet 1127,40 Euro per anno für einen Mercedes 300 D – statt 192 für mehrere Autos." Unglaublich, aber wahr: Die Jahressteuer eines erhaltenswerten Klassikers kann dessen Marktpreis überschreiten!

Strauchs Prognose: Wegen unerschwinglicher Unterhaltskosten wird es zum Massensterben kommen. Damit wird der Oldtimer-Branche, mit 4,8 Milliarden Euro Jahresumsatz ein respektabler Wirtschaftsfaktor, ein Großteil der nachwachsenden Altersklasse entzogen. Ein trauriges, aber realistisches Szenario.

Nächster Adressat: Thomas Schäfer von der Württembergischen Versicherung, die sich für altes Blech gerademacht. Frage: Kommen mit der Steuerkeule auch hohe Haftpflicht- und Kasko-Tarife? Er gibt Entwarnung: "Wir wissen, daß die sehr schadenarme Bilanz der Youngtimer nicht an den Nutzungseinschränkungen der roten Oldie-Nummer hängt. Deshalb bleiben die Prämien auch bei einer Normalzulassung sehr niedrig." Schäfer stellt sogar ein Trostpflaster in Aussicht: "Wir überlegen, für einen geringen Festbetrag mehrere Deckungskarten für Klassiker-Fahrten mit gelbem Kurzzeitkennzeichen auszugeben."

Gegenvorschlag "politisch nicht gewünscht"

Gute Idee. Das war einst auch der Kompromißvorschlag des DEUVET, das Einstiegsalter für 07er- und H-Zulassungen wenigstens auf 25 Jahre festzulegen – eine Variante, die sogar Mitglieder des Verkehrsausschusses im Bundestag, etwa Gero Storjohann (CDU) und Heidi Wright (SPD), unterstützten. Doch jetzt wurde das Parlament durch den Bundesrat, das Gremium der Bundesländer, ausgehebelt – der Gegenvorschlag sei "politisch nicht gewünscht". Wright redet am Telefon Klartext: "Die Kfz-Steuereinnahmen gehen eben an die Länder, nicht an den Bund. Damit dürfte ein wesentlicher Grund für die Neuregelung feststehen." Natürlich, daher weht der Wind.

Das wirft die Frage auf, inwieweit für bereits zugelassene 07er-Youngtimer ein Bestandsschutz gelten wird. Frank Wilke, Jurist und Analyst bei Classic Data: "Das hängt von der Art der Zuteilung ab, die im Bescheid oder im Fahrzeugschein steht. Befristete 07er werden zeitgerecht auslaufen, bei den unbefristeten mit Widerrufsvorbehalt hängt es wohl vom Einsatzwillen der jeweiligen Zulassungsstelle ab. Aber: Beide Versionen können wohl noch bis Anfang 2007 um ein weiteres Jahr verlängert werden. Sicherste, aber rarste Variante: unbefristet und nicht widerrufbar. Die müßte künftig weiterlaufen. Änderungen der Rechtslage sind hier jedenfalls kaum ein K.o.-Kriterium."

Unterm Strich gilt bis Januar 2007 somit für Youngtimer die Parole: Flink eine 07er holen, sofern das Amt mitspielt. Danach ist sie nur noch für Oldtimer zu haben – und nach teuren Eingangsuntersuchungen, die denen der historischen Zulassung entsprechen. Die Nutzungseinschränkungen gelten indes trotzdem. Also greift man gleich zum H-Schild. Mit anderen Worten: Wenn nicht noch ein Wunder passiert und die Bundesminister für Umwelt, Inneres und Verkehr die Vorlage abzeichnen (woran kaum zu rütteln wäre), dann ist das 07er tot. Und damit unzählige Klassiker, die bisher förderungswürdige Kulturgüter waren. 928, 500 SE, 735i: Wir werden euch vermissen.

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