Rote 07er-Nummer

Porsche-Chef kämpft für Youngtimer Porsche-Chef kämpft für Youngtimer

Rote 07er-Nummer

— 19.04.2006

Porsche-Chef kämpft für Youngtimer

Ab 2007 droht vielen Jung-Klassikern das Aus. Grund: die Neuregelung der 07er-Zulassung. Jetzt regt sich mächtiger Widerstand – allen voran der Porsche-Chef.

Oldtimer-Branche geht der Nachwuchs aus

"Das 07er-Sammelkennzeichen für Oldies ist in bisheriger Form am Ende – zumindest so gut wie", schrieben wir in Heft 9/2006. Doch jetzt, fünf vor zwölf, keimt neue Hoffnung. Denn die Regelung, 07er-Wechselnummern künftig nur noch für mindestens 30 Jahre alte Fahrzeuge auszugeben, ist erst dann endgültig unter Dach und Fach, wenn sie von den zuständigen Bundesministern abgezeichnet wird. Das ist nach wie vor nicht geschehen.

Somit besteht noch die kleine Chance, etwa Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee umzustimmen. Nicht per Druck auf die Tränendrüsen der Youngtimer-Besitzer, die ums Überleben ihrer Schätze bangen. Sondern durch nüchterne finanzpolitische Argumente.

Rückblende. Seit 1994 gibt es das rote Wechselkennzeichen zur eingeschränkten Zulassung beliebig vieler Liebhaberfahrzeuge – die 07er-Nummer zum pauschalen Jahressteuersatz von 191 Euro. Damals entschieden sich die meisten Verwaltungsbezirke für ein Eintrittsalter der Klassiker von 20 Jahren. Mittlerweile sind etwa 40.000 dieser Sammelnummern ausgegeben – für geschätzte 120.000 Autos.

Damit soll künftig Schluß sein. Am 10. Februar 2006 beschloß der Bundesrat, das Mindestalter der 07er-Kandidaten auf 30 Jahre festzusetzen. Was die Vertretung der Länder bewogen hat, so zu entscheiden, kann nur vermutet werden. Womöglich die Hoffnung, daß die Kat-losen Fast-Oldtimer der Altersklasse 20 bis 30 künftig regulär angemeldet werden – zu irrwitzig hohen Steuersätzen. Und diese Einnahmen gehen ... klar: an die Länder.

Die Rechnung hat jedoch einen Haken. Den prophezeit die Szene der Betroffenen so: Die Halter werden ihre meist wertarmen Karossen verkaufen, die Preise fallen ins Bodenlose, am Ende steht die massenhafte Entsorgung. Also wird nicht nur der erhoffte Geldregen in die Länderkassen ausbleiben – sie müssen auch auf die Steuern aus den bisherigen 07er-Zulassungen verzichten. Darüber hinaus wird der deutschen Oldtimer-Branche – rund 1200 Unternehmen mit insgesamt 4,8 Milliarden Euro Jahresumsatz – mittelfristig ein Großteil des Nachwuchses fehlen, was anderweitige Steuereinnahmen ebenfalls erheblich reduziert. Kann das gewollt sein? Wohl kaum.

Warum Wendelin Wiedeking so wichtig ist

Deshalb warb AUTO BILD um Unterstützung für eine Initiative, um die 07er-Neuregelung zu verhindern – mit großem Erfolg. So setzt sich Porsche-Chef Dr. Wendelin Wiedeking persönlich dafür ein, daß der Gesetzesentwurf noch einmal intensiv geprüft und überdacht wird: "Die bestehende Regelung für 07-Kennzeichen hat sich bewährt und mit dazu beigetragen, daß in Deutschland viele Oldtimer gut erhalten geblieben sind."

Warum Wiedeking wichtig ist? Weil er eine besondere Beziehung zum heutigen Bundesverkehrsminister hat. Zur Erinnerung: Der erfolgreiche Konzernlenker (und oberste Bauherr des Porsche-Werks Leipzig) unterstützte Wolfgang Tiefensee 1998 bei dessen Wahl zum Oberbürgermeister der Sachsen-Metropole.

Aber auch andere namhafte Adressen konnten wir für unseren Vorstoß gewinnen: Volkswagen, Mercedes-Benz, Opel, BMW, Ford, Audi, Citroën, Fiat/Alfa Romeo/Lancia, Honda, Jaguar, Land Rover, Mazda, Nissan, Peugeot, Renault, Toyota, Volvo – praktisch alle Hersteller und Importeure der betroffenen Modelle. Außerdem Gero Storjohann (CDU), Heidi Wright (SPD) und Horst Friedrich (FDP) vom Verkehrsausschuß des Bundestags. Und nicht zuletzt den AvD, den BVOF (Bundesverband der Oldtimer-Fachbetriebe), das Meilenwerk Berlin sowie den DEUVET.

Zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Motorveteranen-Clubs sammelt AUTO BILD jetzt Unterschriften gegen die gesetzliche 07-Neuregelung, die wir Tiefensee übergeben werden. Eine gemeinsame Aktion zur Rettung unserer Oldtimer von morgen. Und eine Riesen-Chance mit historischem Beispiel: 1996 wirkte der DEUVET auf Verkehrsminister Wissmann ein, das H-Kennzeichen für Fahrzeuge ab 30 Jahre einzuführen – der Gesetzesentwurf hatte 35 vorgesehen.

Auch Sie, liebe Leser, konnten die Aktion unterstützen. Die gewaltige Zahl von rund 44.000 Unterschriften ist zusammengekommen, doch leider war der Widerstand umsonst. Still und heimlich wurde am 25. April 2006 die Gesetzesvorlage zur neuen Fahrzeugzulassungsverordnung abgezeichnet.

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