Saab 900 Cabrio

— 17.06.2011

Ein Beau wird 25

Vor 25 Jahren erschien der Saab 900 Cabrio. Ein individueller Schönling, der sofort die Herzen anspruchsvoller Open-Air-Fans eroberte. Inzwischen ist der coole Schwede zum verlässlichen, niemals alternden Kumpel fürs Leben gereift.
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Von J. H. Muche Längst ist der schöne Schwede zur Cabrio-Legende mit eingeschworener Fangemeinde geworden, die ihn oft liebevoll "Saabrio" nennt. Als zeitloses Lifestyle-Statement steht er auf einer Stufe mit Ikonen wie dem Mercedes SL R 107 . Wer denkt ein Vierteljahrhundert nach dem Debut noch an die wirren Anfänge zurück? Denn es grenzte an ein Wunder, dass das Saab 900 Cabrio überhaupt Realität wurde. Da beauftragten die Schweden ein paar Amis mit der Entwicklung eines Cabrios, und am Ende bauten es die Finnen. Und das kam so: Zuerst gab es den 1978 eingeführten Saab 900 nur als "Combi-Coupé", ab 1980 auch als Stufenheck "Sedan". Das diente schließlich dem Cabrio als Basis.
Geschlossen und aufgeladen: Saab 900 Turbo
Auf und zu: Das Verdeck öffnet und schließt bequem auf Knopfdruck.
Auf und zu: Das Verdeck öffnet und schließt bequem auf Knopfdruck.
Perlweiß mit roten Ledersitzen erschien der IAA-Prototyp von 1983, die American Sunroof Corporation (ASC) aus Kalifornien leisteten den im Cabrio-Bau unerfahrenen Skandinaviern Entwicklungshilfe, als produzierender Subunternehmer fand sich der finnische Zulieferer Valmet. Nur die USA sollten beliefert werden, 400 Cabrio-Einheiten planten die völlig ahnungslosen Marketing-Experten ein. Der Erfolg überrollte die Schweden, Ende 1986 war die Produktion bis 1989 ausverkauft. Das Cabrio passte perfekt ins Beuteschema intellektueller Wohlstandsbürger. Als Woody Allen und Bette Midler im Film "Ein ganz normaler Hochzeitstag" ein neurotisches Psychologen-Paar spielten, fuhren sie Saab 900 Cabrio – jeder sein eigenes. Rund 7000 Neukunden orderten jährlich den schönen Saab. Sagenhafte 67.100 Mark wurden für die Einsteiger-Version berechnet, ein BMW 325i Cabrio kam bald 20.000 D-Mark billiger.
Die Alternativen: 20 coole Cabrios
Als 1993 der letzte von 48.888 Saab 900 der ersten Modellreihe gebaut wurde, war es natürlich ein Cabrio. Der Ruf, ein echter Klassiker für Sommer wie Winter zu sein, erschallt seither immer lauter. Wer ein veritables Vollcabriolet pilotieren will, muss den Saab in die engste Wahl ziehen. Panorama-Scheibe, Ledersitze, ein elektrohydraulisches Verdeck mit heizbarer Heckscheibe sowie ein echter Kofferraum sorgen für Alltagstauglichkeit auf exklusivem Niveau. Das dicke Stoffverdeck ist über jeden Zweifel erhaben, und die Karosserie zeigt sich selbst nach 250.000 Kilometern noch solide. Zwei beziehungsweise 2,1 Liter groß waren die Vierzylinder, im Cabrio gab es ausschließlich die DOHC-16V-Versionen.
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Die Krönung: der Turbo
Und natürlich verzehren sich Saab-Puristen nach den Turbo-Modellen. 175 PS leistete der Top-Turbo 16 S mit elektronischer Ladedruckregelung APC, die eine höhere Verdichtung ermöglicht. Darunter rangierte der ohne APC und Ladeluftkühlung ausgerüstete Softturbo 900 S mit 141 PS. Der Sauger 900i mit 126 PS (zwei Liter) oder 136 PS (2,1 Liter) gibt sich eher zäh, beansprucht Getriebe und Antriebswellen aber auch nicht so stark wie die hart rangenommenen Turbos. Ob es ein frühes oder spätes Modell ist, sieht man erst bei näherem Hingucken. Wahrnehmbare Änderungen nahm Saab an seinem Cabrio nie vor. Es war eben ein Klassiker von Anfang an.
Historie
1986 kommt das Saab 900 Cabrio auf den Markt, zuerst nur in den USA. Neben einem Fünfgangschaltgetriebe gibt es eine Dreistufenautomatik. Die DOHC-16V-Motoren leisten zwischen 126 und 175 PS. 1987 folgt das erste Facelift mit flacher angeordneter Fahrzeugfront. Turbo-Look-Sonderausstattungen wie das sportliche Aero-Kit gab es nicht auf allen Märkten, es war in Deutschland nur nachrüstbar. ABS war ab 1991 serienmäßig. 1993 wurde die Produktion eingestellt.
Technische Daten
Saab 900 Cabrio
Vier Zylinder, Reihe • zwei oben liegende Nockenwellen • Turbolader • 129 kW (175 PS) bei 5300/min • maximales Drehmoment 273 Nm bei 3000/min • Fünfganggetriebe • Vorderradantrieb • L/B/H 4680/1690/1400 mm • Leergewicht 1315 kg • Reifen 195/60 VR 15 • Scheibenbremsen vorn und hinten • ab 1991 ABS serienmäßig • vorn Einzelradaufhängung, hinten Starrachse • Spitze 205 km/h • Beschleunigung 0–100 km/h in 8,7 Sekunden • Verbrauch um 13 l Super/100 km • Neupreis 1987 67.100 D-Mark
Plus/Minus
Bei entsprechender Wartung sind die offenen Schweden äußerst haltbar, gute Exemplare sind deshalb eine Wertanlage. Das dicke Verdeck gehört mit zum Besten, was seinerzeit Cabrios wetterfest machte. Seine Mechanik arbeitet bei entsprechender Pflege weitgehend problemlos. Rost findet sich in erster Linie an Motorhaube, Türunterkanten, Scheibenrahmen sowie den Öffnungen im Vorderwagen, wo die Antriebswellen rotieren. Nachteilig ist das sehr hohe Preisniveau der Ersatzteile, vor allem Ersatz für Verdeck und die Turbomotoren geht ins Geld. Bei hart rangenommenen Autos sind Getriebeschäden durch Ölmangel nicht selten.
Marktlage
Das Saab 900 Cabrio war immer ein Liebhaberauto und Sommer-Zweitwagen, dementsprechend sind viele Fahrzeuge auch sehr gepflegt. Das Angebot ist recht groß, die Laufleistungen sind oft gigantisch, die Preise trotzdem gesalzen. Gepflegte Exemplare mit Saugmotor können um 10.000 bis 12.000 Euro bringen, Zustand 3 um 9000. Turbos sind am gesuchtesten und kosten Aufschlag. Der jüngere Nachfolger Saab 900 II mit Opel-Genen wird billiger gehandelt.
Ersatzteile
Keine Sorge: Wegen fehlender Teile bleibt ein Saab 900 nicht liegen. Was es nicht mehr direkt von Saab gibt, besorgen Spezialisten. Auch in diesem Punkt hilft der Kultstatus des Schweden, die Szene ist rührig. Adressen-Auswahl: www.forum-auto.de, Bahnhofstr. 18, 97234 Reichenberg, Tel. 0931-661342, www.skanimport.de, Märkische Str. 18, 42281 Wuppertal, Tel. 02 02-2 83 68 80. www.schwedenteile.de, Burgstr. 65, 45289 Essen, Fax 02 01-5 45 79 39.
Empfehlung
Wagen mit alter, gerade stehender Front sind selten, Turbomodelle kosten je nach Leistung Aufschlag, wurden aber oft stärker belastet. Wer auf Dampf verzichten kann, sollte ein Modell mit Saugmotor, niedriger Laufleistung und – wie immer – lückenlos nachvollziehbarer Historie wählen. Den echten klassischen Auftritt und das solide Saab-Image haben alle 900 Cabrios gemeinsam, da kann der Nachfolger nicht mithalten. Jetzt kaufen, denn billiger werden gepflegte, urige Cabrios sicher nicht.
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Svenske,
26.06.2011 12:08Uhr
Allein von einer limitierten Sonderedition dieses Saab würde Saab mehr Modelle in 3 Monaten verkaufen, als Alfa Romeo vom Giulietta in einem Jahr verschenken, verlosen, verschrotten und an seine armen Händler zum Beschönigen der trostlosen Zulassungszahlen abdrücken kann (Merke: Schlechte italienische Qualität wird vom Kunden nicht honoriert - und das ist gut so! :-D) Eintrag melden
udo latex,
22.06.2011 11:45Uhr
hässlich die karre Eintrag melden
Joachim,
18.06.2011 19:43Uhr
Also mein 1992er Sauger mit 136 PS in ein amerikanisches Modell und ist trotz seiner 151.000 Meilen (rund 240.000km) top in Schuß. Selbst die Sitze könnten als neu durchgehen wenn man weiß mit dem Wagen umzugehen. Und, ich habe bewusst, aus dem im Artikel ersichtlichen Gründen, einen Sauger und keinen Turbo gewählt. Ich will Cruisen und dazu reichen mir 136PS völlig. Es gibt einfach nichts kultigeres und elitäreres als ein altes 900er Classic Cabrio. Ich könnte nur damit fahren und hoffe, dass Saab mit Ihrer neu gewonnenen Eigenständigkeit wieder dorthin zurückkehren wo sie einmal waren... Eintrag melden
Elektra,
15.07.2010 10:11Uhr
Die Geschichte von Saab (oder Mercedes/Chrysler) zeigt sehr gut, wie schlecht es ist, wenn man mit den Amerikanern gemeine Geschäfte machen möchte. Früher, als Saab noch ein eigenständiges Unternehmen war und noch nicht vom Land der "Minderwertigkeiten" diktiert wurde, sprühte das Unternehmen vor innovativen Ideen; dann verwandelten die amerikanischen Manager des schlechten Geschmacks den Saab in einen biederen Opel und nahmen dieser Marke das Besondere. Ich hoffe, dass Spyker bald den gesamten "Ami-Dreck" aus der Marke gespült hat und den Saab wieder mit schwedischer Mentalität belebt. Eintrag melden
Velocity,
10.07.2010 10:11Uhr
Dass der zuletzt produzierte bzw. verkaufte Saab 900 ein Cabrio war ist selbstredend, da die Limo bereits ein Jahr davor eingestellt wurde.

Ansonsten war Saab einfach genial anders und etwas ganz besonderes.

Die Geschichte zeigt aber leider auch, dass die Übernahme eines Individualisten durch einen Global Player nicht die Rettung, sondern der langsame und schmerzhafte Tod der Marke ist.

Ich hoffe, dass Spyker den Karren wieder auf Kurs bekommt.
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