Saab 900 Cabrio

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Saab 900 Cabriolet

— 27.05.2014

Schwedenhappen für Genießer

Vom Hochschulparkplatz auf den Jungfernstieg: Als die Schweden 1987 den Saab 900 aufschneiden, wird Saab fahren plötzlich chic.

Für die Cabrio-Sensation des Sommers 1987 sorgt Saab: Ganz schön cool, das neue Cabrio! Kurz nach seinem USA-Debüt lassen die Schweden auch in der Alten Welt die Hüllen fallen. Und plötzlich sieht man hinterm Lenkrad nicht mehr nur schrullige Professoren im Rollkragenpulli, sondern elegante Blondinen mit toupiertem Haar und Perlenkette. Über Nacht wird Saab salonfähig. Jahrelang parkte die Marke bloß vor Unis und Architekturbüros. Jetzt flaniert sie auch über den Jungfernstieg. Im hanseatisch-unterkühlten Hamburg, trotz notorischen Schietwetters eine der Cabrio-Hauptstädte der Republik, fühlt sich der Saab besonders heimisch.

Markenzeichen des Saab 900 Cabrio sind die umlaufende Spoilerlippe und die durchzugsstarken Vierzylinder-Turbos.

©U. Sonntag

Ist das Saab 900 Cabrio schön? Schwer zu sagen. Die Proportionen stimmen, doch eine Fülle eigenwilliger Details macht es zum Sonderling. Die steile Panoramascheibe etwa, über die der Wind ins Cockpit brist. Und der schwarze Spoilerkragen, der mit großzügigem Schwung das Passagierabteil umarmt. Keine Frage: Auch ohne Dach ist der 900 ein Charakterkopf – wie der geschlossene, von dem er abstammt. Zwar flunkern die Verkaufsbroschüren, er sei von Grund auf als Cabrio konzipiert worden, doch mitnichten ist er das. Es handelt sich um einen Limousinen-Aufschnitt – wenn auch um einen sehr gekonnten. Denn obwohl der im finnischen Exil montierte Schwede nicht die Verwindungssteifigkeit moderner Klassenkameraden besitzt, neigt er für einen Open-Air-Viersitzer seines Jahrgangs doch verblüffend wenig zum Zittern – nicht zuletzt, wo doch sein knorrig-kurvenfestes Fahrwerk relativ viel an Straßenunbilden auf die Karosserie überträgt.
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Am Anfang nur mit Turbo

Auf Knopfdruck verschwindet das Verdeck in zehn Sekunden in einem Staufach hinter der Rückbank, dazu muss die Handbremse gezogen sein.

©U. Sonntag

Qualität können die Kunden auch erwarten, denn der Saab ist teuer. 67.100 Mark kostet er im ersten Jahr, 18.400 mehr als ein 325i Cabrio von BMW – obwohl unter der Haube nicht sechs, sondern nur vier Zylinder stecken. Die allerdings haben es faustdick hinter den Kolben. Im Prä-TDI- und TSI-Zeitalter kommt der herzhafte Schub des 160 PS starken Turbobenziners, anfangs der einzige Motor, trotz des typischen Durchhängers unter 2500 Touren vielen wie der Nachbrenner eines Düsenjets vor. Und auch wenn Saab, ohne das Modewort "Downsizing" zu kennen, den Zweck der Aufladung eher im Spritsparen als im Abledern bayerischer Sechszylinder sieht, dürfte den Schweden ihr (Über-) Flieger-Image recht gewesen sein. Die Abfangjäger für die heimische Luftwaffe werden zwar längst von einer organisatorisch von der Autosparte getrennten Firma gebaut. Trotzdem verweist Saab auch in den 80ern und 90ern noch gern auf seine Tradition als Flugzeugproduzent. Glaubwürdig ist es ja: Der Fahrerplatz wirkt wie ein Cockpit, durch die von dünnen Dachpfosten gerahmte Scheibe hat der Pilot perfekte Aussicht auf den schmalen Bug. Nur nach hinten behindert ein breiter dunkler Streifen seinen Blick. Ein Knopfdruck schafft Abhilfe. Flugs streift der Saab dann seine Stoffkapuze ab und lässt die Sonne rein. Jetzt kann der Sommer kommen!
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Technische Daten

Der Saab-Vierzylinder liegt mit 45 Grad Schlagseite im Motorraum, das Getriebe sitzt vorn untendrunter. Statt mit 0,75 Bar bläst der Softturbo nur mit milden 0,45 Bar.

©U. Sonntag

Saab 900 S Cabriolet Motor: Reihenvierzylinder, vorn längs, Turbolader • zwei obenliegende Nockenwellen, über Kette angetrieben, vier Ventile pro Zylinder, elektronische Benzineinspritzung • Hubraum 1985 ccm • Leistung 104 kW (141 PS) bei 5600/min • max. Drehmoment 202 Nm bei 3800/min Antrieb/ Fahrwerk: Fünfgang-Schaltgetriebe • Vorderradantrieb • Einzelradaufhängung, vorn an Doppelquerlenkern und Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, hinten Starrachse mit Längslenkern u. Panhardstab, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer • Reifen 185/65 R 15 87H • Maße: Radstand 2517 mm • L/B/H 4680/1690/ 1400 mm • Leergewicht 1310 kg • Kofferraum 346 Liter • Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 11,0 s • Spitze 190 km/h • Verbrauch (Drittelmix) 9,9 l S pro 100 km • Tank 68 Liter • Neupreis: 60.400 Mark (1992).

Historie

1981, zwei Jahre nach dem Debüt des Saab 900, regt Bob Sinclair, der Chef von Saab America, den Bau eines Cabrios für den US-Markt an. Zwei Prototypen entstehen. Leif Mellberg, der später noch eine zweite Studie namens Speedster entwirft, verwandelt im schwedischen Nyköping ein Fließheckcoupé in einen Targa. Der US-Verdeckspezialist ASC (American Sunroof Company) realisiert ein Vollcabrio auf Basis der zweitürigen Stufenhecklimousine 900 Sedan. Dieses findet 1983 auf der IAA so großen Anklang, dass Saab die Serienproduktion beschließt. Sie beginnt 1986 bei Zulieferer Valmet im finnischen Uusikaupunki. 1987 erhalten alle 900 eine abgeschrägte Front mit fünf Prozent weniger Luftwiderstand. Von 1991 an gibt es das Cabrio auch mit 141-PS-Softturbo und als 900i-16 mit Zweiliter-Sauger (126 PS). Die 136-PS-Version (2,1 Liter) bleibt nur ein Jahr im Programm. 1994 endet die Produktion nach 48.894 Exemplaren. Im Mai geht der von Saabs neuer Mutter General Motors entwickelte Nachfolger an den Start. Seine Plattform stammt vom Opel Vectra.

Plus/Minus

Für maximales Saab-Gefühl sollte man einen Vollturbo nehmen. Wenn Power nicht so wichtig ist und es vor allem auf Robustheit ankommt, tut es auch der „i“.

©U. Sonntag

Auch Schwedenstahl rostet, zum Beispiel im Bereich der Batterie im Motorraum und entlang der Türkanten unter den Gummidichtungen. Meist ist die Korrosion aber nur oberflächlich und erfordert keine Schweißarbeiten. Bei vernachlässigten Cabrios kann auch der Scheibenrahmen vorn betroffen sein. Die Motoren erreichen biblische Laufleistungen, jedoch sind die mechanisch beanspruchten Bauteile des Antriebsstrangs, vor allem die Getriebe, bei den Turbos unterdimensioniert und unterliegen erhöhtem Verschleiß. Das dick gefütterte Verdeck bietet gute Wärmeisolation, die starke Heizung qualifiziert den Saab als Ganzjahrescabrio. Wer das Gaspedal nicht mit einer Fußluftpumpe verwechselt, fährt zudem verblüffend sparsam: Im AUTO BILD Klassik-Verbrauchsreport kam ein 900 S Cabrio auf 8,0 Liter/100 km!

Ersatzteile

Nach der Saab-Pleite hat der schwedische Staat die Ersatzteilsparte übernommen. Sie firmiert seit November 2013 unter dem Namen Orio AB und sichert den Nachschub. Anlaufstelle für 900-Besitzer sind Spezialisten wie www.schwedenteile.de. Dort gibt es neben den oft teuren Originalteilen auch Günstiges vom Nachrüstmarkt. Für die Technik ist noch fast alles verfügbar, nur Austauschgetriebe liegen nicht mehr im Regal. Schwedenteile.de hat aber einen Überholsatz in Vorbereitung. Schwierig wird es bei Zierleisten und Innenausstattungsteilen: Hier ist Ebay oft die letzte Rettung.

Marktlage

Gute Autos bewegen sich zwischen 8000 und 15.000 Euro. Bei Billig-Offerten drohen Extrem-Kilometerstände und/oder Reparaturstau. 900 i-16 und 900 S notieren 15 bis 20 Prozent niedriger als Vollturbos, die im Topzustand bis 20.000 Euro kosten. Nach Steigerungen in den letzten Jahren stagnieren die Preise zurzeit.

Empfehlung

Für maximales Saab-Gefühl nehmen Sie einen Vollturbo. Wenn Ihnen Power nicht so wichtig ist und es vor allem auf Robustheit ankommt, tut es auch der "i". Für den Softturbo spricht wenig. Er fährt nur unwesentlich flotter als der Sauger und hat wegen des kürzeren Getriebes im Vergleich zum Vollturbo keinen Verbrauchsvorteil. Wichtig: Keinen 900 mit Automatik kaufen! Das Dreistufengetriebe passt nicht zur Motorcharakteristik.

Autor: Martin G. Puthz

Fotos: U. Sonntag

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