Saporoshez 965A

— 18.06.2013

Der kleine Zar

Harte Schale, harter Kern: Ein Saporoshez ist robust, sein Fahrer sollte es auch sein. Wenn er sich erholen muss: Nr. 965A besitzt so nette Extras wie Standheizung und echte Schlafbett-Umbaumöglichkeit.



Nennen wir ihn einfach mal Peter der Kleine, denn der Große hat ihn ja nie erleben dürfen. Dabei hat der Saporoshez (Kosename "Sapo") einst Russlands Familien mobil gemacht. Die Betriebsanleitung lobt: "Der Kraftwagen 3A3-965A, der kleinste sowjetische Personenwagen, ist bei den Fahrern sehr beliebt." Was auch sonst? Die Partei hatte es so befohlen, und Autos für private Käufer waren Mangelware. Beliebt oder nicht: Wo heute ein Saporoshez (sprich: Saporosch) auftaucht, stiehlt er allen Konkurrenten die Schau.

Den Saporoshez 965A gab es serienmäßig mit Standheizung. Dazu ein variabler Innenraum und geländetaugliches Fahrwerk.

© U. Sonntag

Auf seinen tundratauglichen 13-Zöllern ruht die vorn einigermaßen ansehnlich geformte Karosserie, deren hintere Kiemen verraten, dass sein Herz im Heck schlägt. Ein luftgekühlter V4 faucht da hinten viertaktend herum. Wie Kenner wissen, wird es ihm schnell zu heiß. Die Abluftklappe unter dem Nummernschild ist ab Werk thermostatisch gesteuert, doch die meisten Besitzer verkeilen sie einfach, um sie immer ganz weit offen zu halten. Weil aber auch das manchmal nicht reicht, drehte der ukrainische Hersteller ZAZ im Nachfolger 968 die Luftführung einfach um, saugte die Luft nun hinten an und blies sie von oben um die Kühlrippen des Motors herum nach unten. Was auf unbefestigten Parkplätzen dazu führt, dass Sapos bei laufendem Motor in einer Staubwolke stehen.

Die heißen Heckschleudern: Klassiker mit Heckmotor

Unter der Haube steckt ein Kühlgebläse wie bei Porsche, die Wechselstrom-Lichtmaschine mittendrin. Links unten die Standheizung.

© U. Sonntag

Nun aber genug der heißen Luft. Fädeln wir uns durch die Selbstmördertüren bequem ins Innere. Viel nacktes Blech, nur unterbrochen von Tacho und allerlei Knöpfen. Deren wichtigster steckt ganz rechts, denn alle V4-Saporoshez besitzen serienmäßig eine benzinbefeuerte Zusatzheizung, was in ihrer Heimat kein Luxus war, sondern eine Notwendigkeit. Mit ein paar Vorglühtricks erwacht sie und macht so auch sibirische Winter erträglich. Es war Sapos Mission, über allerschlechteste Wege robben zu können, am schwammigen Fahrverhalten hat sich keiner gestört. Vorn hat er eine stabile Verbundlenkerachse à la VW Käfer, hinten Querlenker. Eine damals gängige Konstruktion, die aber manchen der kleinen Russen nach gar nicht sehr flott gefahrenen Kurven im Graben landen ließ. Denn die sehr indirekt arbeitende Lenkung macht Rettung durch Korrektur zur Glücksache. Viel mehr Nachsicht war früher angesagt. Kein anderer Wagen hier zeigt das so sehr wie dieser – Peter der Kleine eben.
Fahrzeugdaten Saporoshez 965A
Motor V4
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 887 ccm
Bohrung x Hub 72,0 x 54,4 mm
kW (PS) bei U/min 20 (27)/4000
Nm bei U/min 52/3000
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h
Getriebe Viergang
Antrieb Heck
Bremsen vorn/hinten Trommel/Trommel
Testwagenbereifung 145/80 R 13
Radgröße 5,2 x 13 Zoll
Verbrauch (Werksangabe) 5,5 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 30 l/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 965 kg
Vorbeifahrgeräusch 84 dB (A)
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 130 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-100 km/h nicht messbar
Leergewicht/Zuladung 664/300 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 39/61 %
Wendekreis (links/rechts) 10,9/10,5 m
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 68 Euro
Werkstattintervalle 2000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 50/200 Euro
Zeitwert (Zustand 3, Stand 2013) 2500 Euro

Autor: Diether Rodatz

Fotos: U. Sonntag


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