Rover 3500 Vanden Plas

Rover 3500 Vanden Plas Rover 3500 Vanden Plas

Schrägheck-Limousine Rover 3500 Vanden Plas

— 23.10.2008

Ein schräger Typ von der Insel

Der Rover SD1 kam 1976 modern und unbritisch daher. Maserati- und Ferrari-Anklänge kombiniert mit einem Fließheck und V8 ergeben eine skurrile Mischung. Stephan Goertz sicherte sich einen seltenen Rover 3500 Vanden Plas.

Einen Oldtimer wollte Stephan Goertz (38) aus Köln – nein, besser noch, einen Youngtimer. Ein Auto zum Spaß, für die entspannten Momente der Woche. Viele, die ähnlich fühlen, greifen da, einem Bedürfnis nach Sicherheit folgend, zu Mercedes W123 Coupé, BMW-6er oder auch mal zu Porsche. Nicht Goertz, den eine Vorliebe für schräge Vögel umtrieb. "VW 411 und 412 kamen in die engere Wahl. Ein Renault 30 hätte mir auch gefallen. Einer dieser Wagen, die nicht jeder fährt, aber die alle von früher kennen." Die Suche fand ihr Ziel mit Stil. Direkt in der eigenen Vergangenheit, in Erinnerungen an den väterlichen Fuhrpark Mitte der 80er-Jahre: im Rover 3500 Vanden Plas.

Der SD1 war der erste und letzte große Rover von British Leyland

3700 Euro für den Rover aus Liebhaber-Hand: Stephan und sein Vanden Plas

Als der Rover neu war, kämpfte er einen aussichtslosen Krieg gegen seine rufmordende Herkunft. Der Rover 3500 SD1 war das erste Kind der bei British Leyland neu formierten Specialist Cars Division (SD). Er folgte 1976 auf den herrschaftlichen P5, einer Art Billig-Bentley, und den skurril-modernen P6. Der SD1 wurde der letzte große Rover, der diesen Namen verdiente. Leider balgten sich in der Leyland-Oberklassensparte auch Triumph und Jaguar um Zuwendung und Marktanteile. Zwänge und Eifersüchteleien, Kompetenzgerangel und Zwist mit der Gewerkschaft, eben das System "Britisch Elend", führten zu oft unterirdischer Fertigungs-Qualität, zickigen Vier- und Sechszylindermotoren und überforderten Triumph-Getrieben.

Das kam alles aber erst raus, als der SD1 schon den Titel "Auto des Jahres 1977" mit sich herumtrug. Die Auszeichnung bekam er, weil er radikal anders, modern und so unbritisch gezeichnet war, wie es niemand von der stockkonservativen Firma Rover je erwartet hätte. Ein bisschen Ferrari vorn, eine Prise Maserati hinten, mit Heckklappe und V8, den Rover einst Buick abgekauft hatte. Erst 1981 sorgte die große Modellpflege endlich für Ordnung, es folgten sportlich gekleidete Vitesse-Typen, EFI-Versionen mit elektronischer Einspritzung und sogar Turbo-Diesel. 1986 wurde der SD1 durch den von Honda abstammenden Rover 800 ersetzt – das war der Anfang vom Ende.

In Deutschland blieb ein Rover 3500 SD1 immer ein Fall für Individualisten. Für Typen, die sich von den schlimmen Geschichten über englische Autos nicht schrecken ließen. So wie Stephan Goertz' Vater. "Er hatte auch einen Rover 3500 Vanden Plas, sogar in der gleichen Farbe", sagt Goertz. Vanden Plas, da schwingt alter Adel mit. Einst fertigten die Karosseriebauer aus London-Kingsbury für Bentley, wurden von Austin geschluckt und bezeichneten schließlich die Luxus-Ausführungen in der British Leyland-Modellpalette. Ein elektrisches Stahlschiebedach und feine, knöcheltiefe Teppiche gehörten beim Rover 3500 dazu, auch Colorglas, Niveauregulierung und so fort. Leder, Metalliclack, Tempomat und Klimaanlage waren die Extras – dieser Rover aus dem letzten Baujahr besitzt sie alle. Und das zurückhaltende Moonraker-Blau passt wie ein Maßanzug vom Londoner Konfektionär.

Kurioser Materialmix im Innenraum: edles Leder trifft billigstes Plastik

Das Cockpit bemüht sich, futuristisch zu wirken. In erster Linie ist es vor allem eins: billig.

Das Beste am Rover 3500 SD1: Er fährt, wie er aussieht – würdevoll, stramm antretend, ein wenig steif vielleicht. 157 PS leistet der 3528 ccm große Leichtmetall-V8 und 280 Nm bei 2600 U/min. Dunkle Töne, dicke Auslegeware bis in den Kofferraum, schönes Leder, niveauvolles Fahrgefühl: Das klingt alles sehr englisch, fast wie ein Vorurteil. Und das bei dieser Karosserieform. Streng dem Keil verpflichtet, warfen die Rover-Stylisten alle Traditionen über Bord. Leider liegt die Ladekante fast auf Schulterhöhe – aber bei umgelegter Rückbank streckt sich der Laderaum auf über 1,80 Meter Länge. Dagegen fällt der Rest des Innenraums ab. In ihrer Gier nach Avantgarde nagelten die Designer lieblos Plastikflächen und -würfel aneinander, die Armaturen und Instrumententafel ergeben sollten. Plastik, nicht Kunststoff! Billig sieht es aus und leider nicht futuristisch. Aber alles funktioniert, sogar die Elektrik, und auch der Bord-Computer übermittelt realistische Daten.

Den V8 aus den 60er Jahren kaufte Rover von Buick zu. Der Leichtmetall-V8 leistet 157 PS.

Zwölf bis 15 Liter Super saugen die SU-Vergaser, mehr geht immer, aber Stephan Goertz lässt es ruhig angehen. In Strickjacke und mit Vorliebe für gedeckte Farben passt er gut hinter das ovale Lenkrad, nur die Kfz-Steuer von 847 Euro ärgert ihn. Aber alles ist relativ. Ganze 3700 Euro zahlte Stephan Goertz für den Rover aus Liebhaber-Hand mit 83.000 Kilometern auf dem Plastik-Tacho. Wo gibt es so viel V8 für so wenig Geld?

Technische Daten Rover 3500 Vanden Plas (1986) • Achtzylinder, V-Form, vorn längs • zentrale Nockenwelle • Hubraum 3528 ccm • Leistung 157 PS bei 5250 U/min • maxi males Drehmoment 280 Nm bei 2600 U/min • Fünfganggetriebe • Hinterradantrieb • L/B/H 4698/1768/ 1354 mm • Leergewicht 1475 kg • Einzelradaufhängung vorn, Starrachse hinten • Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten • Höchstgeschwindigkeit 196 km/h • Beschleunigung 0–100 km/h 11,9 s • 15,2 l S/100 km • Preis 32.495 D-Mark (1981)

Weitere Schrägheck-Limousinen:

Audi 100 Avant

Renault 20

Autor: Jan-Henrik Muche

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