Seat Terra Kombi

Seat Terra Kombi

— 12.11.2010

Seat macht die tolle Kiste zum Container

AUTO BILD Archiv-Artikel 2/1988: Aus kleinen "Kisten" werden große "Kästen", mit denen sich ordentlich was wegschleppen lässt. Die Spanier haben aus dem Ex-Panda einen Spar-Transporter entwickelt.

Marbella, das ist die spanische Ver­sion des Fiat Panda, und Seat, wo die Abart der tollen Kiste weiterge­baut wird, ist inzwischen eine VW‑Tochter – und eine mit Ideen. So haben die Deutsch-Spanier ihr Erbstück zu einem praktischen Großraum-Wagen umgebaut. Sein Name: Terra. Sie bieten ihn als Typ für alle Zwecke an. Ein interessanter spani­scher Cocktail, laut Seat "gleichermaßen ein Pkw, ein Freizeit-, Hobby- und Nutz­fahrzeug". AUTO BILD testete den Seat Terra Kombi mit hinteren Schiebefenstern. Im Angebot ist auch noch ein Lieferwagen ohne Seitenscheiben für 12.275 D-Mark.

Das Original: Der Artikel von 1988 als kostenloser Download

Was der Terra an Raum und Ladevermö­gen bietet, ist schon beeindruckend. 2450 Liter verschwinden hinter den beiden Hecktüren, und der Laderaum bietet so viel Platz in der Höhe, dass selbst ungefügige Brocken bis 1,34 Meter Höhe keine Proble­me bereiten. Die Zuladung bis zu 490 Kilogramm ist für einen Kleinen der Mini-Klasse recht ordentlich. Auf der Frontkabi­ne hat der Terra einen ausgeformten Kunststoff-Gepäckträger mit fünf Haken, an denen man zusätzliches Gepäck fest verzurren kann. Was auf den ersten Blick wie ein seitlicher Karosserieschutz aus Kunststoff aussieht, ist allerdings nur schwarzer Lack.

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Mühsam fummle ich mich hinein in den Seat Terra, indem ich mich intensiv mit dem kleineren der beiden Schlüssel und dem wackeligen Schloss befasse. Dann zwänge ich mich in den Fahrersitz. Hier muss ein Schrumpfgermane Modell geses­sen haben, denn Sitzfläche und -lehne sind zu kurz und zu schmal. Aber immerhin sind die Sitze mit Stoff bezogen und heben sich damit wohltuend vom grauen Kunst­stoffmaterial des übrigen Terra-Innen­raums ab. Ein Zug am Choke, ein Dreh mit dem Zündschlüssel, und der Motor geht unver­züglich an die Arbeit. 40 PS holt der Vierzylinder aus 903 Kubikzentimeter Hub­raum, das lässt keine Temperamentsaus­brüche erwarten.

Durstiger Lärmer

Fast eine halbe Minute vergeht, bis der Terra Tempo 100 erreicht hat, bei 120 km/h ist Schluss. Dann herrscht im Innenraum ein Lärm, dass man sein eige­nes Wort nicht mehr versteht. Der Ter­ra ist eben mehr Transportmittel als ein Stück Individualverkehr. Das darf man nicht vergessen. Die schwache Leistung garantiert nicht etwa Spatzendurst. Auf der Verbrauchs­meßstrecke von AUTO BILD flossen 8,8 Liter Normalbenzin durch den Vergaser. Recht gutmütig benimmt sich das Fahr­werk mit der blattgefederten starren Hin­terachse. Nur auf wirklich holpriger Strecke wird sie unruhig und gerät ins Springen.

Im Innenraum ist Einfachheit Trumpf

Der Terra läuft dank seines Frontantriebs sauber geradeaus, aber wegen seines ho­hen Aufbaus ist er seitenwindempfindlich. Schon leichtere Böen erfordern umsichti­ges Gegenlenken. Seine Ausstattung liegt auf einfachem Niveau. Die Instrumentierung beschränkt sich auf das Allernotwendigste: Tacho, Tankuhr, basta. Nachts leuchten allein diese beiden Instrumente, Schalter kann man nur ertasten. Der Innenspiegel ist nicht abblendbar, die Sonnenblenden las­sen sich nicht seitlich wegklappen. Die Sitzverstellung steckt in einem scharfkantigen, blanken Blechhebel, die Lehnenverstellung in einem dicken Hebel unter dem Sitz.

Antiquitäten inklusive

Und als ich nach der Scheibenwaschanlage suchte, entdeckte ich eine echte Antiquität: die altehrwürdi­ge Gummiballpumpe – es gibt sie wirklich noch. Unter dem Choke des Seat Terra ist sie nicht gut platziert. Gut: das kleine, griffige Lenkrad und die große, tiefe Abla­ge, die sich über die gesamte Breite des Armaturenbretts zieht. 13.645 D-Mark kostet der Seat Terra Kom­bi. Als Pkw ist er in all seiner Kargheit zu teuer, jedoch als Nutzfahrzeug preiswert. Sieht man ihn als Freizeitauto und Wohn­mobil, das sich mit ein paar praktischen Zutaten recht wohnlich gestalten lässt, wird er sogar zum Preisknüller.

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