Sechs Generationen Golf

VW Golf VI VW Golf VI

Sechs Generationen VW Golf

— 02.04.2009

Die Golf-Geschichte

1974 kam der erste VW Golf und mit ihm der durchschlagende Erfolg des Kompaktwagen-Konzeptes. Bis heute setzt der Golf Maßstäbe. AUTO BILD KLASSIK erzählt die Erfolgsgeschichte von sechs Golf-Generationen.

Der VW Golf ist kein gewöhnliches Auto. Als legitimer Nachfolger des VW Käfer überzeugte er von Anfang an mit hohem Nutzwert und Wirtschaftlichkeit. Genau wie der Käfer ist der Golf statusbefreit und klassenlos, wird vom Abiturienten ebenso gefahren wie vom Staatsanwalt. 1974 war Volkswagen auf den Erfolg des Golf angewiesen, denn das Festhalten am Heckmotor-Konzept kam bei den Kunden zunehmend schlechter an. Konkurrenten wie der Simca 1100 oder der Peugeot 104 zeigten, wohin die Richtung ging: Frontantrieb, große Heckklappe und fünf Türen.

Der erste Golf setzt Meilensteine und führt VW in die Gewinnzone

Der Golf I GTI begündete 1975 die Klasse der sportlichen Kompaktwagen.

Der 1974 vorgestellte VW Golf brachte frischen Wind in das VW-Modellprogramm: Das neue Kompaktwagen-Konzept mit wassergekühltem Quermotor vorn, Frontantrieb, großer Heckklappe und schickem Giugiaro-Styling kam so gut an, dass der Golf I schon 1976 den Käfer vom Thron der deutschen Zulassungsstatistik stieß. Schon zwei jahre nach Produktionsstart fertigte VW bereits den einmillionsten Golf.

Der Golf I war nicht nur ein Bestseller, er setzte auch Meilensteine, die bis heute gültig sind: 1975 erschien der Golf GTI, der auf den Autobahnen der 70er Jahre mächtig Eindruck machte. VW rechnete mit maximal 5000 Golf GTI, doch schon im ersten vollen Verkaufsjahr wurden es zehn Mal so viele. 1976 folgte mit dem Golf Diesel das andere Extrem: Der niedrige Verbrauch von rund fünf bis sechs Litern und die hohe Zuverlässigkeit legten den Grundstein für die modernen TDI. Bis 1983 wurden rund sechs Millionen Golf I gebaut, darunter eine Million Golf Diesel, über 350.000 GTI und 80.000 Golf Cabriolet.

Der Dauerläufer: Golf II

1983 trat die zweite Generation des Golf an. VW blieb bei Karosserieform und Technik beim bewährten Konzept, dennoch war der Golf II ein von Grund auf neu konstruiertes Auto. Der längere Radstand und die bauchigere Figur sorgten für deutlich mehr Platz im Innenraum. Ab 1986 war der Golf erstmals mit Allradantrieb zu haben, Leistungshungrige griffen ab 1989 zum 160 PS starken Rallye-Golf. Golf-II-Besitzer profitieren noch heute von seiner legendären Haltbarkeit, 2008 sind immer noch mehr als eine Million Golf II in Deutschland zugelassen. Insgesamt liefen bis 1992 rund 6,3 Millionen Golf der zweiten Generation vom Band.

VR6, syncro, Variant, TDI, Cabrio: Golf III mit großer Modellplalette

Das Langzeitauto: Der Golf II wird seit 1992 nicht mehr gebaut, gehört aber immer noch zum täglichen Straßenbild.

Der Golf III schreibt die Erfolgsgeschichte seiner Vorgänger ab 1991 fort. Die auffälligste Änderung waren die ovalen Scheinwerfer und die bündig verklebten Scheiben, die die Aerodynamik erheblich verbesserten. Ein Paukenschlag in der Kompaktklasse war die Einführung eines Sechszylinders: Ab 1991 bot VW den 174 PS starken Golf VR6 an, dessen Zylinderbänke im extrem engen V-Winkel von 15 Grad ineinander verschränkt waren, um eine möglichst kompakte Bauform zu erreichen. Der größte Verkaufsrenner war jedoch der 1993 eingeführte TDI. Der Golf TDI war der erste Kompaktwagen mit Turbodiesel-Direkteinspritzer. Und verband extreme Sparsamkeit mit sehr guten Fahrleistungen.

Den Golf III gab es erstmals auch als Variant.

Ab 1992 bot VW gegen Aufpreis erstmals Airbags an, 1993 machte der Golf Variant dem erfolgreichen Opel Astra Caravan Konkurrenz. Zwischen 1993 und 1995 fertigte VW den Golf Ecomatic, ausgestattet mit einem 64-PS-Wirbelkammer-Diesel, Schwung-Nutz-Automatik und Start-Stop-Vorrichtung. Wenn der Motor im Schiebebetrieb nicht benötigt wurde, schaltete er sich ab und bei Bedarf wieder ein. Verbrauchswerte unter fünf Litern Diesel waren mit dieser Technik problemlos realisierbar. Die Kundschaft begeisterte sich jedoch nicht für den mindestens 26.430 D-Mark teuren Golf Ecomatic, 1995 verschwand er – heute kaum nachvollziehbar – aus dem Modellangebot. Dem Erfolg des Golf III tat dies keinen Abbruch, bis zum Modellwechsel 1997 wurden über 4,8 Millionen Fahrzeuge gebaut.

Der Golf IV bringt Audi-Qualität in die Kompaktklasse

Auf der Überholspur: Der Golf R32 übertraf die Verkaufsprognosen von VW bei weitem.

Das Design des 1997 vorgestellten Golf IV greift die Form seines Vorgängers wieder auf, jedoch wirkt die vollverzinkte Karosserie des Golf IV glattflächiger und schnörkelloser. Ein großer Fortschritt des Golf IV war die deutlich verbesserte Haptik und Optik im Innenraum: Polsterstoffe, Armaturentafel, Lenkrad und Schalter boten eine in der Kompaktklasse bislang unbekannte Qualität. Ein ungewöhnliches Detail war die blaue Hintergrundbeleuchtung der Instrumente. ABS und Airbags waren von Anfang an bei allen Versionen Serie, ESP gehörte ab 1999 zur Serienausstattung.

Ebenfalls 1999 präsentierte VW den Pumpe-Düse-TDI mit 115 PS, der mittels eines Einspritzdrucks von 2000 bar den Kraftstoff fein zerstäubte und für sehr niedrige Verbrauchswerte sorgte. Das Highlight der Baureihe war der Golf R32 mit 241 PS: Anfangs plante Volkswagen – ähnlich wie beim Golf I GTI – die Fertigung einer 5000 Exemplare umfassenden Sonderserie. Der große Erfolg des Golf R32 vor allem in den USA führte jedoch zu einer Serienproduktion von 35.000 Fahrzeugen. Insgesamt verließen 4,1 Millionen Golf IV die VW-Fertigungshallen.

Mit dem Golf V wird der Mythos GTI wiederbelebt

Der Golf V trägt das Kürzel GTI zu Recht: 235 km/h Spitze, 0 auf 100 km/h in 7,3 Sekunden.

Der Golf V erfüllte bei seinem Start 2003 nicht die Erwartungen von VW, die Kunden hielten sich anfangs zurück, teils weil die heute nicht mehr wegzudenkende Klimaanlage extra berechnet wurde. Dabei überzeugte der Golf V technisch wie qualitativ von Anfang an. 2005 besann sich VW auf die alte GTI-Tradition und stellt mit dem Golf V GTI einen legitimen Erbe des kernigen Golf I GTI vor. In den 90er Jahren ist das GTI-Kürzel zu einer reinen Ausstattungsvariante verkommen, der sportliche Charakter blieb auf der Strecke. Im Unterschied zu seinen letzten Vorläufern steckt im neuen GTI ein Zweiliter-Turbo-Triebwerk unter der Haube, das dem honorigen Kürzel alle Ehre macht. Der lasziv-heisere Sound, das wuchtige Drehmoment von 280 Nm und 200 PS begeistern den Sportfahrer, mit einem Leistungsgewicht von nur 6,64 Kilogramm pro PS übertrifft er sogar den Golf I GTI.

Ein Glanzlicht ist auch der 2006 erschienene 1,4-Liter-TSI-Motor. Sein per Kompressor und Turbo doppelt aufgeladener Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzer sorgt für ein üppiges Drehmoment von 240 Nm und geringen Verbrauch. Der kleine 1,4-Liter-Motor wirkt dabei so kraftvoll wie ein hubraumstärkeres Aggregat, verbraucht jedoch weniger. In Kombination mit dem innovativen Direktschaltgetriebe DSG bietet der Golf einen sehr attraktiven Antrieb. Für Kunden mit erhöhtem Platzbedarf bietet VW seit 2005 den Golf Plus an, der auf der Plattform des Golf V basiert. Gegenüber dem Standard-Golf ist er in der Höhe gewachsen, bietet eine höhere Sitzposition und mehr Platz im Fond. Seit 2007 liefert VW auch wieder einen Golf Variant, der auf dem Jetta basiert und circa 30 Zentimeter ist länger als die Golf-Limousine. Nachdem Volkswagen 2007 die Fertigung des 25-millionsten Golf feierte, läuft seit August 2008 die Produktion des neuen Golf VI in Wolfsburg.

Autor: Lars Busemann

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