Sechszylinder von 1960

— 12.02.2013

Die bessere Gesellschaft

Wer es um 1960 zu Wohlstand gebracht hatte, der zeigte das auch gern. Ein Sechszylinder von Mercedes, Borgward, Opel oder Fiat gehörte dazu. In unserem Vergleichstest mussten vier Veteranen noch einmal zeigen, was sie können.



Vor dem Atlantic Hotel in Bremerhaven glänzen von links nach rechts: Borgward P 100, Mercedes 220 b, Opel Kapitän P 2.6 und Fiat 2100 Special.

© T. Bader

Einen eigenen Wagen haben! Nie mehr auf den Bus warten, nie mehr auf dem Motorrad nass werden. Davon träumten vor gut 50 Jahren fast alle Deutschen. Erst (oder schon?) jeder Dreizehnte saß in seinem eigenen Auto, heute besitzt jeder Zweite eins. Doch große und kleine Chefs gab es auch damals. Und eine bessere Gesellschaft, die am liebsten Mercedes fuhr. Günstigster Sechszylinder mit Stern war der 220 b mit 95 PS, doch besser verkaufte sich 1960 der Opel Kapitän (90 PS). Technisch ganz, ganz vorn: Der Borgward P 100 (100 PS), der als erstes deutsches Auto eine serienmäßige Luftfederung hatte. Und auch für die große Italien-Sehnsucht der Deutschen gab es ein Oberklasse-Automobil, den chromprotzenden Fiat 2100 Special (86 PS), erkennbar an seinen Doppelscheinwerfern. Vier Chefwagen, die noch immer zum Träumen einladen. Auch beim Fahren? Steigen wir ein. Die ausführlichen Einzeltests der Sechszylinder aus den 60er-Jahren finden Sie hier:

Sechszylinder von 1960 im Vergleichstest: In der Endabrechnung schneidet der Mercedes am besten ab, aber der Borgward macht einen guten zweiten Platz.

© T. Bader

Wohlstand für alle! Deutschland schuftete sich nach oben, die Ansprüche stiegen. Sechszylinder waren begehrt, allerdings lassen wir hier zwei außen vor: Den BMW 501 gab es nur bis 1958, und der Mercedes 300 d war eine volle Klasse höher angesiedelt als die hier gefahrenen Typen. Heute machen uns alle vier nachdenklich. Schauen wir uns mal die Karosserien an: hohe Sitzposition, Übersicht ohne Ende. Dazu große Glasflächen, Peilkanten rundum. Hätten wir damals modische Parksensoren gebraucht? Mit den Kanten der Flossenzeit kommt jeder Anfänger in enge Lücken. Oder die Bodenfreiheit: Für so was kaufen Leute heute einen SUV. Gewiss, im Winter musste damals ordentlich Ballast in den Kofferraum, damit die Antriebsräder nicht durchdrehen. Na und? War immer noch billiger, als einen Geländewagen anzuschaffen. Der Fortschritt zeigt sich heute bei Verarbeitung, Rostvorsorge und Komfort. Unsere verwöhnten Ohren mögen es kaum glauben, wie die alten Reihensechser lärmen. Am angenehmsten klingt der Mercedes 220 b, am leisesten läuft der Opel Kapitän, doch von neuzeitlicher Oberklasse-Akustik sind sie alle weit entfernt. Borgward P 100 und Fiat 2100 wollten dynamisch sein, das hieß damals: gut zu hören. Und auch das Handling der großen Wagen zeigt, wo die Zeit geblieben ist: Schwergängige und indirekte Lenkungen fordern die erhöhte Aufmerksamkeit des Fahrers – ausgenommen der Fiat, der sich schon fast mit neuzeitlicher Präzision lenkt. Unbewertbar ist der spezielle Charakter aller vier Testkandidaten. Nicht nur ihr Design macht sie unverwechselbar, sondern auch ihre Eigenheiten, ihr Sound, das Fahrverhalten. Das macht jeden von ihnen begehrenswert – egal wie viele Punkte er kassiert.

Begleiten Sie unseren Vergleichstest oben in der Bildergalerie!
Die Punktewertung Mercedes 220 b Borgward P 100 Fiat 2100 Special Opel Kapitän P
Spaßfaktor
Temperament 8 8 7 7
Sound 8 5 7 6
Handling 8 7 6 6
Zwischenergebnis 24 20 20 19
Kuschelfaktor
Sitze 5 6 7 5
Federung 7 8 6 6
Platzangebot/Variabilität 6 7 6 7
Zwischenergebnis 18 21 19 18
Neidfaktor
Qualität 8 7 5 6
Design 7 8 7 7
Image 9 8 5 6
Zwischenergebnis 24 23 17 19
Gesamtergebnis 66 64 56 56

Diether Rodatz

Diether Rodatz

Fazit

Mercedes hat die Nase vorn. Danach folgt aber gleich der ingeniöse Borgward. Alle Achtung: Was wäre heute, wenn Borgward nicht die Luft ausgegangen wäre? Der Kapitän auf Platz Drei erinnert an die erfolgreichen Zeiten von Rüsselsheim und daran, dass sich Opel mit Ami-Charme einst souverän in der Oberklasse bewegte. Gleichauf der Fiat, ein Dynamiker von damals – reizvoll zu fahren und heute leider rarer als alle anderen.

Fotos: T. Bader


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