Sensationeller Scheunenfund — 01.01.2009
Bugatti wachgeküsst
Ans Licht der Welt: Fast 50 Jahre hat ein Edel-Sportwagen in England im Dunkeln einer alten Garage ausgeharrt, jetzt fand die Familie des verstorbenen Besitzers das sehr seltene Stück. Der Erlös könnte sie zu mehrfachen Millionären machen.
Wenige wussten von dem Schatz
Jedenfalls geriet das herrliche Automobil, von dem die legendäre Manufaktur Ettore Bugattis nur 17 Stück gebaut hatte, in Vergessenheit. Die Zeit strich drüber hin, Ölkrise, Kriege, Geburten und Todesfälle fanden ganz weit weg draußen vor der Tür statt, drinnen stand der 57 S mit Atalante-Aufbau sich die Pneus platt und staubte ein bisschen ein, während das Benzin im Tank sich verflüchtigte. Mehr geschah nicht. Als Carr 2007 verstarb, wussten nur wenige vom Schatz in seiner Garage. Als die Familie das seltene Sportcoupé entdeckte, war das Hallo groß. Nun soll der 57 S verkauft werden. Natürlich kann der neue Eigentümer, der das Bugatti-Schätzchen am 7. Februar auf der "Automobiles d'Exception à Retromobile" in Paris ersteigert, nicht sofort damit losfahren. Doch die Substanz ist in so gutem Zustand, dass eine Restaurierung – kein Neuaufbau – sich lohnt. Sagt zumindest das honorige Auktionshaus Bonhams, immerhin seit 1793 im Geschäft."Das ist in der Tat einer der letzten großen Scheunenfunde", sagt James Knight, Leiter der Auto-Abteilung des Auktionshauses. Die gesamte Lebensgeschichte des Wagens ist dokumentiert , inklusive der relativ kurzen aktiven Jahre. Das Faszinierende: Keiner der vier Eigner hat das Fahrzeug wesentlich verändert. So besitzt der Bugatti mit dem seltenen Atalante-Aufbau noch heute das Gepäckgitter, das weiland Earl Howe an seinem Schätzchen montieren ließ. Auch eigene Stoßstangen und zwei Außenspiegel an den A-Säulen ließ der autoverrückte Adelige, erster Präsident des British Racing Driver's Club (BRDC), anbringen.
Das Sportcoupé mit der Chassis-Nr. 57502, ausgeliefert im Juni 1937, trägt sie noch heute. 1947 verkaufte Curzon den Wagen an einen anderen Rennsportfan, J.P. Tingay, der das Fahrzeug mangels verfügbarer Bugatti-Teile so kurz nach dem Krieg mit einem Marshall K200 Kompressor (englisch "Supercharger") aufrüstete und damit Rennen fuhr. Offenbar genügte das erzielte Ergebnis nicht lange den Ansprüchen Tingays, denn schon 1950 stieß er den Zweisitzer wieder ab. Doch auch in dritter Hand verblieb er nicht lange – als Teil der Sammlung von Lord Ridley erlebte der Bugatti 57S eine Art Vorruhestand. Schon ein Jahr darauf kaufte ihn der Mediziner Dr. Harold Carr. Auch er fuhr nicht lange damit herum; zum Glück für die Nachwelt.
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