Ski-Dozer BR 1000 Jumbo

Ski-Dozer BR 1000 Jumbo

— 25.01.2011

Der Jumbo auf dem Gletscher

AUTO BILD Archiv-Artikel 04/1987: Der Ski-Dozer ist ein Arbeitstier – er präpariert Skihänge. Testredakteur Horst Vieselmann wollte wissen, wie sich der Pistenpanzer fährt. Er wagte einen Ausflug ins Eis.

Reinhold Messner hätte es wohl ganz kühl gesehen: Vor mir eine weiße Wand, in der sich die Schneeberge fast senkrecht auftürmen. Links und rechts die Sicht durch Felsen versperrt. Und hinten – ich darf mich gar nicht umschauen – ein Abgrund, mindestens 200 Meter tief. Der geringste Ausrutscher, und ich fände sicher irgendwo da unten am Fuße des Kaunertaler Gletschers für immer meine eiskalte letzte Ruhestätte. Mein Beifahrer sieht mir meine Verfassung offenbar an und beruhigt mich: "Keine Aufregung, die Maschine schafft das schon. Nur immer am Gas bleiben." Er muss es wissen, denke ich.

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Rupert Müller ist schließlich Kundendienst-Mann bei Bombardier-Rotax in Wien. Dort wird das derzeit größte "Überschneefahrzeug" der Welt gebaut. So heißen die Skipisten-Präpariergeräte, auch Pistenbullys genannt, im Fachjargon. Der Ski-Dozer BR 1000 Jumbo ist größer als ein Panzer: fünf Meter breit und über acht Meter lang. Und ich sitze am Steuerknüppel dieses Monstrums in über 2700 Meter Höhe. Ob das alles gut geht? Mein Vertrauen in die Technik steigt aber schließlich mit jedem Zentimeter, den sich die beiden je 1,75 Meter breiten Ketten durch den Schnee in Richtung Gletschergrat fräsen.

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Mein Copilot schätzt: "Über 100 Prozent Steigung, das entspricht einem Winkel von gut 50 Grad." Ich sitze nun nicht mehr, ich liege in meinem Schalensitz, halte den Steuerknüppel in der linken Hand so fest, dass die Finger weiß werden. Und jetzt, in dieser Lage, sehe ich nur noch strahlendblauen Himmel. Als Autotester fällt mir auf: Der Geradeauslauf des Ungetüms lässt zu wünschen übrig. Je nachdem, welche der beiden Ketten mehr Traktion auf dem schrägen, vereisten Grund findet, will der Jumbo mal nach links, mal nach rechts abdriften. Ein verdammt mulmiges Gefühl, wenn man weiß, dass die breiten Schaufelketten so gut wie keine Seitenführung besitzen.

Ketten-Reaktion per Stick

So mancher Pistenbully-Pilot, der das vergaß, soll schon seitlich zu Tal gerutscht sein. Ein schnelles Handgelenk ist deshalb gefordert, denn das gut sechs Tonnen schwere Pistenpräpariergerät wird ein zig und allein mit einem 15 Zentimeter langen Handhebel gesteuert. Ob vor oder zurück, links oder rechts – die Linke hat alles im Griff. Selbst die Fahrgeschwindigkeit wird über diesen "Joystick" elektronisch geregelt. Da kann der Fuß ruhig auf dem Gaspedal stehen bleiben: Geht der Handhebel in die Nullstellung zurück, bleibt der Jumbo abrupt stehen.

Rupert Muller erklärt den Sinn dieser Technik: "Falls der Fahrer mal einen Höhenkoller bekommt und die Beherrschung über das Fahrzeug verliert." Bei mir ist es offenbar soweit und das wenige Meter vor dem Gletschergrat: Der Steuerhebel ist ganz nach vorn durchgedrückt, der von Volvo als Schiffsmotor konzipierte Sechszylinder-Turbodiesel hinter mir bringt volle Leistung – 292 PS aus knapp zehn Liter Hubraum – und die Ketten drehen durch. Aber: Der Jumbo rutscht zurück. Die Grenzen der Physik sind offenbar erreicht.

Gefahr durch weiße Löcher

Mein Beifahrer greift ein, reißt den Steuerhebel nach rechts, bremst damit die rechte Kette bis zum Stillstand ab, und innerhalb von Sekundenbruchteilen wird das Stahl-Ungetüm förmlich herumgerissen. Ein Gefühl wie in der Achterbahn. "Von nun an geht's bergab", schießt es mir durch den Kopf. Aber gut zehn Meter tiefer kommt der Koloss zum Stillstand. Sie kommen mir eher wie 100 Meter vor. Noch während der Rutschpartie erzählt mir Rupert Müller ganz gelassen, dass der Jumbo wegen seines niedrigen Schwerpunkts – "nur 75 Zentimeter" – gar nicht umkippen kann und dass es für den Jumbo eigentlich nur eine Gefahr gibt: Gletscherspalten. Dass die Rückfahrt über einige dieser bläulich schimmernden Löcher ging, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht ...

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