Sondermodelle

Sondermodelle aus vier Jahrzehnten

— 05.06.2014

Von weißen Katzen und schwarzer Magie

Sondermodelle haben ihren ganz eigenen Charme. Dabei sind sie nüchtern betrachtet nur Marketing-Maßnahmen, die lahmenden Auto-Gäulen die Sporen geben und Interessenten zum Kauf animieren sollten.

Sie hießen Jeans-Käfer, Opel Manta Black Magic oder VW Scirocco White Cat (womit unsere Überschrift erklärt wäre): Sondermodelle von landläufigen Serien-Autos genießen bis heute einen Nimbus des Besonderen, Edlen. Denn sie grenzen sich schon durch ihren exklusiven Namenszusatz von der scheinbar profanen Normalversion ab. Dazu kommen oft optische Gimmicks, die sie im Straßenbild auffallen lassen. Das kann im einfachsten Fall eine sonst nicht erhältliche Sonderlackierung oder -beschriftung sein, die signalisiert: Seht her, ich bin ein ganz Extravaganter. Die Aura der Exklusivität hält sich meist über die Jahrzehnte, in denen auch die Sympathie für diese automobilen Extrawürste wächst.

Schneekönige ohne Winterschuhe

Der Scirocco White Cat war nicht für die Katz', sondern für trendig-dynamische "Menschen von heute" gedacht.

Dabei stellen viele Sondermodelle nur preislich vorteilhafte Ausstattungspakete dar, die die Hersteller durch den Namenszusatz werbewirksam an den Mann oder die Frau brachten und bringen. So verkaufte Opel im harten Winter 1979 den Kadett unter dem Namen "Schneekönig" mit einem Ausstattungspaket (Details in der Bildergalerie) mit einem Preisvorteil von etwa 500 Mark. Nicht weil Opel Mitleid mit den schneegeplagten deutschen Autofahrern gehabt hätte – die "Schneekönige" hatten nicht einmal Winterreifen an Bord. Nein, die Hessen wollten wenige Monate vor der Ablösung des angejahrten Kadett C nochmal die Absatzzahlen pushen. Auch der Jeans-Käfer war der Versuch, die Talfahrt des Käfer-Absatzes in den siebziger Jahren zu mildern. Knallige Farben wie Signalgelb oder Orange, kombiniert mit Schwarz und ein ebenso flippiges Interieur schafften es tatsächlich, speziell jugendliche Käufer für den (technisch unverändert vorgestrigen) Veteranen aus Wolfsburg zu begeistern.

Sondermodelle

Wie Mercedes zur Be-un-sinnung kam

Nur ein Hersteller lehnte solche Taschenspielertricks lange Zeit ab: Mercedes-Benz. In Stuttgart zählten innere Werte wie Sicherheit und die Zuverlässigkeit einer soliden, ausgereiften Konstruktion mehr als lachhafte Namenszusätze. Dazu kommt: Hätte es Mercedes-Sondermodelle damals schon gegeben, hätten sie analog zu "Jeans-Käfer" oder "Golf Pink Floyd" zielgruppengerecht "Tweed-Zweireiher-Zweihundert" oder "280 SE Hermann Prey" heißen müssen. Umso größer war die Überraschung, als die Schwaben 1992 die Avantgarde-Linie ihres 190 E in den Ausführungen Rosso, Verde und Azzurro lancierte. Letztere gab es nur mit 2.3 Liter-Motor, nur in Blau-Metallic (343) und vor allem nur mit Ledersitzen mit Einlagen in vier verschiedenen Farben. Willkommen in der Welt der Marketing-Marotten, Mercedes!

Staunen Sie oben in der Bildergalerie über Sondermodelle aus vier Jahrzehnten!

Autoren: Malte Büttner, Stefan Roßbach

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