Mit der Kraft der zwölf Töpfe

Spektakuläre Auktion: Ferrari 308 GTS QV

— 15.05.2017

Zwölfzylinder macht Ferrari günstig

Der superseltener Ferrari 308 GTS hat deutlich mehr Power als das Original. Doch was war das? Der V12-Ferrari ging für einen überschaubaren Preis weg! Warum nur?

Es sah aus wie das perfekte Angebot: Silverstone Auctions bot einen superseltenen Ferrari 308 GTS QV im raren Farbton "Metallic Blue Chiaro" an. Noch besser: Der Ferrari vom Typ, wie ihn Privatdetektive Magnum in der gleichnamigen TV-Serie fuhr, bekam schon 1985 einen Zwölfzylinder implantiert! Der 4,8 Liter-V12 stammte aus der damals neuen 400er Serie. Damit baute der Tuner Nigel Manson eine Kleinserie von vier Autos und machte aus dem 223 PS starken 308 eine pfeilschnelle Maschine mit 340 PS und dem Spitznamen "Nigel's Flyer". Nun kam eines der speziellen Fahrzeuge unter den Hammer. Doch anstatt für einen Spitzenpreis wegzugehen, erbrachte der vollrestaurierte Wagen nur 54.000 Pfund (umgerechnet 63.600 Euro). Achtzylinder-GTS QV können in Zustand 2 gut 83.000 Euro erreichen.

Komplett überholt, aber von Ferrari nicht anerkannt

Eine Schönheit in blau, aber vergleichsweise günstig, der Ferrari 308 GTS QV mit Zwölfzylinder, einer von vier!

Dagegen erscheint der Preis des Zwölfzylinder-GTS günstig, Vor allem für einen Ferrari, der zwei Jahre lang restauriert wurde: Motor, Getriebe und Federung wurden komplett zerlegt und überholt. Teile, die nicht mehr in Ordnung waren, wurden ausgetauscht. Lediglich das Interieur wurde auf Wunsch des Besitzers nicht aufgearbeitet. Das Zubehör war vollständig, das Scheckheft sorgfältig abgestempelt und eine Auflistung aller Arbeiten von Nigel Manson ebenfalls vorhanden. Was war da los? Vielleicht dies: Wegen der Umbauten ohne Beteiligung von Ferrari erhielt der V12-GTS nicht die Klassiker-Einstufung des Sportwagenbauers, die Ferrari-Classiche-Bescheinigung. Den Käufer scheint's nicht zu stören.

Gebrauchtwagensuche: Ferrari 308

"Magnum"-Ferrari findet reichen Fan

Typisch 80er-Jahre: Klappscheinwerfer und 14-Zoll-Räder, ein Prachtstück!

"Ferrari 308 GTS Quattrovalvole aus US-TV-Serie zu verkaufen". "Magnum"-Fans lasen diese Verkaufsanzeige sicherlich elektrisiert. Genau, es war das Filmauto, in dem Tom Selleck als Privatdektiv "Magnum" in den 80er-Jahren über deutsche TV-Bildschirme flimmerte. Am 19. Januar 2017 fiel bei Bonhams bei 181.500 Dollar (170.000 Euro) der Hammer für den roten Targa. Normalerweise wechseln 308 GTS für unter 100.000 Euro den Besitzer. Doch der Bieter wollte das originale TV-Auto, mit dem die Serie zwischen 1984 und 1985 gedreht wurde, und legte dafür eine entsprechende Summe auf den Tisch. Der 308 GTS ist in sehr gutem Zustand, hat erst knapp 60.000 Kilometer auf der Uhr und seit seinem letzten Dreh 1985 nur zwei Besitzer vorzuweisen. Im Heck saugt ein 3,0-Liter-V8 mit etwa 240 PS. Einzig der Serienzustand ist nicht zu 100 Prozent gewährleistet. Eine nachträglich eingebaute Abgasanlage von Tubi versteckt sich unterm Blech. Laut Bonhams ist die originale Ferrari-Anlage aber im Preis enthalten. Der US-Schauspieler Tom Selleck ist derzeit in der US-TV-Serie "Blue Bloods" im deutschen Fernsehen zu sehen.

So fährt sich der Ferrari 308 GTSi

Magnums Kennzeichen: Der rote Ferrari 308 GTS gehörte zum Fernsehdetektiv wie Schnauzer und Brusthaar.

Mag es auf der Stoppuhr noch so sehr nach gemütlichem Trab aussehen – gefühlt schießt die Nebennierenrinde beim Beschleunigen ähnlich viel Adrenalin in die Blutbahn wie die K-Jetronic Sprit in die Brennräume des Achtzylinders. Heiser steigert sich die Arie des 308 zum furiosen Crescendo, unterbrochen vom metallischen "Klack-klack" des Schaltknaufs, der mit Nachdruck durch die offene Kulisse geschoben werden will. Kurven seziert der Ferrari neutral bis untersteuernd, saugt sich dabei förmlich an der Straße fest.

Ein Ferrari für trainierte Männer

Eine Schönheit in blau, aber vergleichsweise günstig, der Ferrari 308 GTS QV mit Zwölfzylinder, einer von vier!

Das "cavallino" will mit harter Hand gezügelt werden. Die Kupplung verlangt stramme Waden, die servofreie Lenkung einen gut trainierten Bizeps. Männerauto nannte man das damals. Im 308 GTSi fährt stets ein Hauch von 24-Stunden-Rennen mit. Heute, im reifen Alter, mag man dem Roten den Ritt auf der Rasierklinge nicht mehr zumuten – auch, weil Ausflüge ans Limit wegen des giftigen Mittelmotor-Charakters rasch in Überholmanövern des eigenen Hecks und damit im Graben enden können. Lieber genießt man das detailverliebte Pininfarina-Design, cruist mit offenem Dach und Adriano Celentano im Kassettendeck Richtung Gelato-Diele oder macht bei einer Feierabendrunde die L 324 zwischen Obersteimel und Dreschhausen im Kopf-Kino zur Küstenstraße von Oahu.

Ferrari-Neuheiten bis 2020

Ferrari California II Illustration Ferrari GTC4Lusso II Illustration Ferrari F12 Illustration

Technische Daten des Ferrari 308 GTSi und Historie

Der italienische Klassiker galt in den 80ern als Auto für harte Männer. Heute macht er auch mal eine entspannte Feierabendrunde mit.

Der 1975 zunächst als geschlossener GTB vorgestellte Ferrari 308 basiert auf dem für die neue Pininfarina-Karosserie modifizierten Gitterohrrahmen-Fahrgestell des 308 GT4. Dessen 2+2-Sitzer-Konzept gab Ferrari auf, sodass der Radstand wieder auf die 2340 Millimeter des Vorgängers Dino 246 schrumpfen konnte. 1977 gab die Targa-Version GTS auf der IAA ihr Debüt. Markenzeichen sind die unter schwarzen Lamellen verborgenen hinteren Dreieckfenster. Im Gegensatz zum anfangs aus Fiberglas ("Resina") gefertigten GTB besitzen alle GTS eine Stahlkarosserie – auch weil viele in die USA gingen, wo die Kunststoffbauweise an Sicherheitsvorschriften scheiterte. 1980 endete die Vergaser-Ära. Statt 255 PS leisten die von einer Bosch-K-Jetronic versorgten Einspritzer nun nur noch 215 PS. Für Italien gab es einen hubraumreduzierten 208 als Tribut an die dortigen Steuergesetze. 1984 erstarkte der 308 dank Vierventiltechnik ("Quattrovalvole") wieder auf 240 PS, erreichte sein ursprüngliches Leistungsniveau aber bis zur Übergabe an den formal sehr ähnlichen, aber weniger filigranen 328 nicht mehr. Von den insgesamt 12.149 bis 1985 gebauten 308 besaßen 4968 den GTS-Aufbau.

Auktion: Ferrari 308 GTS Zwölfzylinder

Autoren: Martin G. Puthz, Christoph Richter

Stichworte:

Auktion Sportwagen

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