Sportler der Achtziger: Peugeot 205 GTI

— 23.01.2013

Der gallische Giftzwerg

Einen knackigen Kleinwagen traute man Peugeot vor 1983 nicht zu. Das änderte sich, als die brave Limousinen-Marke mit dem 205 GTI einen Volltreffer landete.



Denken Sie mal an typische Eigenschaften alter französischer Autos. Eben! Weich, wackelig und wahrlich unsportlich. Schwer vorstellbar also, dass ausgerechnet unsere französischen Nachbarn den Titel des besten GTI der 80er holen wollten. Taten sie aber. Und zwar nicht mangels Konkurrenz, denn davon gab es vor 30 Jahren reichlich. Ob in Deutschland, Italien oder Japan – in den 80er-Jahren waren die meisten Hersteller ganz wild darauf, ihren Kleinwagen kräftige Motoren einzupflanzen. Dazu verzierten sie die Karosserien mit Spoilern und klebten komplizierte Typbezeichnungen auf die Heckklappen. Etwa XR2, Turbo i.e. oder CRX.

Ein Cw-Wert von 0,34 ermöglicht locker 200 km/h und mehr. Straffe Fahrwerkabstimmung und solider Geradeauslauf sichern schweißfreie Handflächen.

© C. Bittmann

Peugeot sparte sich die Kreativität bei der Namensfindung und wählte für den 205 einfach die Bezeichnung GTI, die im Zusammenhang mit kräftigen Kompakten erstmals 1976 von Volkswagen verwendet wurde. Damals, als der Golf noch schlank war. Mit der zweiten Generation setzte er 1983 Speck an. Und gleichzeitig kam der Peugeot 205 – ein Kleinwagen mit gutem Platzangebot, ökonomischen Motoren ab 45 PS, erwachsenem Fahrkomfort und gelungenem Design, für das übrigens nicht Pininfarina, sondern die hauseigene Stylingabteilung verantwortlich war. So wurde der 205 vom Start weg ein voller Erfolg – und bewahrte Peugeot vor der drohenden Pleite. Schon während der fünfjährigen Entwicklungszeit des "Projet M24" hatten die Peugeot-Bosse von ihren Ingenieuren die Entwicklung eines sportlichen Ablegers gefordert. Früh genug, um den GTI schon ein Jahr nach dem Debüt der Baureihe von den Bändern in Mulhouse (Elsass) laufen zu lassen. Mit dem Aluminium-Triebwerk, das im Prinzip aus dem biederen 305 stammte, stürmte der flotte Franzose auf den Markt der "Hot Hatches", der heiß gemachten Kompaktwagen. Schon die 105 PS der 1,6-Liter-Variante reichten, um etwa so schnell zu sein wie die schwereren Konkurrenten. Und als sich 1985 der Golf GTI 16V mit dickem Leistungsplus einen Vorteil verschaffte, legte Peugeot den 1.9 mit 128 PS nach.

Windiger Geselle: Peugeot 205 CTI Cabrio

Ist der cool! Niedrige Gürtellinie, breite Spur und die starken C-Säule machen den 205 unverwechselbar.

© C. Bittmann

Beide Hubraumvarianten des 205 GTI liefen fortan parallel – und verkauften sich wie backfrische Baguettes. So wenig Erfahrung Peugeot mit Sportmodellen auch hatte: Von der Presse bekam der GTI beste Kritiken. Nicht nur in Frankreich, wo Patriotismus manchmal wichtiger zu sein scheint als kleinliche Messwerte, auch bei uns und in England, den beiden wichtigsten Exportmärkten. AUTO BILD schrieb, er sei der "unbestritten reizvollste und echteste aller GTI". Das britische Magazin "Car" bescheinigte ihm nicht weniger als das beste Handling in der Klasse der sportlichen Fronttriebler. Auch im Vergleich mit modernen Autos, die mit zackiger Gasannahme, elektronisch geregelten Lenkungen und Turbotechnik antreten, fühlt sich ein 25 Jahre alter 205 GTI sehr vital an. Ab der ersten Zuckung seiner Drehzahlnadel scheint er angespannt zu sein wie ein Radsportler beim Zeitfahren. Das Getriebe ist für sportliche Fahrten über Land optimiert: Bis Tempo 100 muss nur einmal geschaltet werden, die Spreizung der nächsten Gänge ist sehr eng. Der 1.6er glänzt mit Drehfreude, der langhubige 1.9er mit Durchzugsvermögen. Mindestens 90 Prozent des maximalen Drehmoments stehen bei 75 Prozent des nutzbaren Drehzahlbereichs zur Verfügung. Selbst modernsten Vorzeige-Turbos geht die Puste früher aus. Entsprechend souverän lässt sich der Kleine bewegen. Von 60 bis 100 km/h braucht er im fünften Gang nur zehn Sekunden – weniger als ein BMW M3. Der 1.9er mit 128 PS (ab 1988 mit 120 PS) verblüfft auch beim Ampelsprint – er wiegt halt keine 900 Kilo. Vergleichen Sie mal den Beschleunigungswert des Peugeot mit dem des Sport-Mercedes 190 E 2.3-16 ...

Die französische Heckflosse: Peugeot 404

Ein neues, besseres Armaturenbrett steigerte ab 1987 die Attraktivität. Das Fünfganggetriebe ist sportlich übersetzt, aber etwas hakelig.

© C. Bittmann

Doch so richtig kommt die Leichtigkeit des 205 erst beim Kurvenfahren zur Geltung. Spätestens dann erfahren ehrgeizige Piloten, was den 205 GTI von anderen Kraftzwergen unterscheidet: Er ist kein Blender, der seine Herkunft als Muttis Einkaufstasche verrät, wenn er an einen engagierten Fahrer gerät. Nein, je schärfer man fährt, desto deutlicher kommt die querdynamische Kompetenz zur Geltung. Er scheint den Fahrer geradezu aufzufordern, den Grenzbereich zu erkunden und seine Lieblingskurven immer noch schneller zu durchfahren. Fuß auf dem Gas lassen, und er zieht neutral durch Kurven, ohne sicherheitsbetontes Untersteuern. Die Hinterachse erlaubt stattdessen leichtes Rutschen – Könner nutzen das bei Richtungswechseln, Dilettanten peilen die Fahrtrichtung überrascht durchs Seitenfenster an. Lenkung und Fahrwerk geben kundigen Fahrern die richtige Wohlfühl-Rückmeldung – auch heute noch. Und damals sprachen sich die Talente des 205 GTI schnell herum. So schnell, dass sich der französische GTI besser verkaufte als der Ur-GTI aus Wolfsburg. Erst 1995 verschwand der scharfe 205 aus dem Peugeot-Programm. Wer hätte das von einem Hersteller weicher, wackliger und wahrlich unsportlicher Autos gedacht?

Technische Daten

128 PS gab es bei uns nur bis 1987. Danach büßte der GTI durch niedrigere Verdichtung und Katalysator 8 PS ein.

© C. Bittmann

Peugeot 205 GTI 1.9 Motor: Reihenvierzylinder, vorn quer, Block und Zylinderkopf aus Aluminium • eine obenliegende Nockenwelle, über Zahnriemen angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Verdichtung 9,6:1, elektronische Einspritzung • Hubraum 1905 ccm, Bohrung x Hub 83 mm x 88 mm • Leistung 94 kW (128 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 161 Nm bei 4750/min • Antrieb/ Fahrwerk: Fünfgang-Schaltgetriebe • Vorderradantrieb • Einzelradaufhängung, vorn an McPherson-Federbeinen mit Dreiecksquerlenkern, hinten Längslenker mit Drehstabfedern, Stabilisatoren vorn und hinten • Scheibenbremsen rundum (vorn belüftet) • Reifen 185/55 R 15 • Maße: Radstand 2420 mm • L/B/H 3705/1589/1355 mm • Leergewicht 875 kg Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 7,8 s • Spitze 206 km/h • Testverbrauch 10,2 l S pro 100 km • Neupreis: 25.425 Mark (1988). 

Historie

Juli 1978: Start der Entwicklungsphase des Projet M24 und späteren 205. Februar 1983: Vorstellung des 205, zunächst nur als Fünftürer. März 1984: Vorstellung des 1.6 GTI, des ersten Dreitürers der 205-Reihe. März 1986: Der erste Kat-gereinigte GTI mit 102 PS und 1,9-Liter-Motor (nur für Deutschland und die Schweiz) bleibt ein Ladenhüter. In anderen Ländern bekommt der 1.6 GTI einen modifizierten Zylinderkopf und damit eine Leistungssteigerung um 10 auf 115 PS. September 1986: Der stärkste GTI kommt mit ungereinigtem 1,9-Liter-Motor und 128 PS auf den Markt. Juli 1987: große Modellpflege mit neuem Armaturenbrett. 1988: 128-PS-GTI in Deutschland aus dem Programm genommen und durch Kat-Variante mit 120 PS ersetzt. Der 205 Rallye mit 102-PS Motor und spartanischer Ausstattung wird mit Blick auf den Breitensport angeboten. Juli 1990: zweite Modellpflege mit klaren Blinkleuchten, geänderten Rückleuchten und dunklen Kunststoffen innen und außen. Sondermodelle wie Griffe (1991) und Gentry (1992) mit umfangreicher Ausstattung (ABS, Leder, Servolenkung). 1995: Nach 330 000 Exemplaren endet die GTI-Produktion. Der 205 bleibt bis 1996 in Peugeots Deutschland-Programm.

Plus/Minus

So eine vollständige Instrumentenkombi mit Öldruck- und Öltemperaturanzeige suchen wir heute bei den meisten Neuwagen vergebens.

© C. Bittmann

Die Karosserie ist gründlich gegen Rost geschützt und meist gut erhalten. Prüfende Blicke auf die Übergänge vom Schweller zum Seitenteil, unter die Rücksitzbank, auf Türböden und Heckklappe sind dennoch ratsam. Weitaus größeren Ärger kann die Mechanik bereiten. Ölverlust, verschlissene Lenkungs- und Achskomponenten und Defekte an der Bremsanlage sind bei ungepflegten GTI die Regel. Reparaturen an der Hinterachse (bei Quietschen durch defekte Nadelrollenlager), Austausch einer verbrannten Zylinderkopfdichtung (Ölschlamm am Öldeckel?) und ausgehärteter Ventilschaftdichtungen belasten das Konto stärker. Akkurat gewartete GTI-Motoren laufen durchaus eine Viertelmillion Kilometer und mehr. Bei so hoher Laufleistung ist meist das Interieur verschlissen, Dichtungen an Schiebedach, Türen und Heckklappe erfüllen ihren Zweck nicht mehr, Nässe im Innenraum ist die Folge. Ein Check des Dachhimmels, Fuß- und Kofferraums ist ratsam.

Ersatzteile

Verschleißteile, Leuchten und Verglasung sind im freien Ersatzteilhandel, meist auch an der Peugeot-Teiletheke verfügbar. Problematisch wird es bei Zierteilen und Innenraumkomponenten. Typenschilder, Aluräder, umlaufende Stoßleisten und Sitzbezüge werden von Peugeot nicht mehr angeboten. Auch rostgefährdete Blechteile (Heckklappe, Türen) und diverse Dichtungen sind nicht lieferbar. Auf Peugeot-Klassiker spezialisierte Teilehändler können mit Restbeständen helfen.

Marktlage

Das Angebot an originalen Fahrzeugen in gutem Zustand ist in den letzten Jahren dünn geworden. Top-Exemplare sind meist in fester Hand, entsprechend verläuft die Preiskurve nach oben. Eine größere Auswahl als hierzulande gibt es im Mutterland des 205, in Italien und Belgien – billiger sind die GTI aber auch dort nicht.

Empfehlung

Spaß macht der 205 GTI mit jedem Motor, doch entscheiden muss der Gesamtzustand – Restaurierungen oder auch umfangreiche Optimierungen des kleinen Peugeot übersteigen vorerst noch den Marktwert. Wer auf das letzte Quäntchen Fahrdynamik verzichten kann, findet in der Cabrio-Version CTI (102 PS) eine besser verfügbare und – Überraschung! – günstigere Alternative zum geschlossenen GTI.

Autor: Mario Puksec

Fotos: C. Bittmann

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