Bilder: VW Golf GTI 16V

Sportler der Achtziger: VW Golf GTI 16V

— 23.01.2013

Der Klassensprecher

Der Fortschritt des Golf II war das Handicap des GTI: Die zweite Generation trat ein im wahrsten Sinn schweres Erbe an. Erst als GTI 16V wurde er wieder respektiert.

Er lief. Und lief. Und lief. Doch schon bald sollte er auslaufen. Dieses Mal jedoch planmig. Und viel eher als sein Vorgnger, dessen Nachfolger er dann auch offiziell noch hatte werden drfen der Golf I. Dennoch fast unglaublich, diese Ablsung nach nur zehn Jahren. Ruhten auf dem Golf I 1974 doch smtliche Hoffnungen des schlingernden Volkswagenwerks. Arbeiter, Angestellte bis hin zu Oberlenker Rudolf Leiding chzten unter dem Druck, den der erlahmte Kfer-Absatz und die am Ende ihres Erfolgs stehenden Typen 3 und 4 freisetzten. Der Ur-Golf schien 1983 zwar lngst nicht veraltet, aber wiederum gefhrdet. Durch Nachahmer, die er sich durch seinen Erfolg geschaffen hatte.

Was wir heute eine klare Linie nennen, wirkte in den Achtzigern im Vergleich zum Giugiaro-Vorgnger rund und aufgeblasen.

©S. Krieger

Die Alarmglocke in Wolfsburg schrillte: Macht den Fehler nicht noch mal, Jungs! Taten sie nicht. Ab Mitte der 1970er-Jahre waren die langen Jahre der Nordhoff-Treue Geschichte. Entwicklungsvorstand Ernst Fiala, ein Mann der Hochschulen und Wissenschaft, begann mit zahlreichen Forschungsfahrzeugen und Sicherheits-Prototypen, VW und die Moderne zu vershnen. Dann bremste ihn der Golf II aus. Ja. Aber man muss die ganze Geschichte kennen. Die hat viel zu tun mit dem Konzeptfahrzeug "Auto 2000" von 1981. Ausgestattet mit einem 45-PS-Dreizylinder-Diesel-Direkteinspritzer, einem cW-Wert von 0,25 und einer komplett geschlossenen Front, versetzte das Auto 2000 bei seinen Messe-Auftritten die Konkurrenz in Angst und Schrecken. Besonders geschockt waren sie bei Opel: Rsselsheim soll angesichts der Wolfsburger Studie geschlottert haben, dem angekndigten Golf II gegenberzustehen. Deshalb habe Opel den produktionsreifen E-Kadett noch einmal umgekrempelt, erzhlen Insider. Dann kam der wahre Golf II. So ist es seitdem im Prinzip geblieben. Durchgesetzt hatte sich Vorstandsvorsitzender Dr. Carl H. Hahn.

Erdbeerkrbchen: VW Golf Cabrio 1.8

Nur mhsam gelang es Golf-I-Puristen, sich mit den schielend wirkenden Heckleuchten anzufreunden.

©S. Krieger

Die Leute wollten keinen Kulturschock, sondern einen Golf, der (wieder) wie ein Golf aussehe, meinte Hahn nicht zu Unrecht. Sie wollten den Golf, nur eben gerumiger, grer, komfortabler. Womit wir bei den Vorteilen der zweiten Golf-Generation wren. Und beim zentralen Problem des Golf II GTI. Fett war er geworden, der Zweier. Um nicht noch einmal ein Rost-Desaster wie beim Einser erleben zu mssen, pumpten die Wolfsburger ihren Bestseller Nummer zwei mit Korrosionsschutz voll. Dazu Zentralverriegelung und Servolenkung, zustzlich korrigierte der Katalysator die Leistungsausbeute nach unten. So hatte der GTI II nur noch 107 PS, wog jedoch im Extremfall 150 Kilo mehr als sein Vorgnger und litt beim Sprinten an Atemnot. Denn: Ford schickte den Escort XR3i, Opel den Kadett GSi, Fiat wetzte mit dem Ritmo Abarth die Klinge, bei Lancia donnerte der Delta HF, ein junger Lwe namens Peugeot 205 GTI brllte erfolgreich um Kufergunst. Immerhin war der britische MG Maestro vernachlssigbar. Es verlangte nach neuer Golf-Strke. Und sie kam. Mit dem GTI 16V. Der im Januar 1985 prsentierte Sechzehnventiler schpfte aus beibehaltenem Hubraum 139 PS ohne Kat. Der ging! Endlich wieder. Optisch hatte sich zum Glck nichts gendert: Mit seinem GTI-Ornat aus Marsrot, schwarzen Zierstreifen, Fahrwerkabsenkung um 20 Millimeter, schwarzen Radlaufverbreiterungen, foliertem Heckscheibenrahmen, darber eine schmale Spoilerlippe, sowie GTI-eigenen Polsterstoffen und dem Golfball-Schaltknauf war auch der GTI II ein echter GTI geblieben.

Der Mehrheits-Dreitrer: VW Golf I

Alles am Golf II ist verschachtelt, vom Grundentwurf bis hin zu den Bedienungs- und Funktionskltzchen des Innenraums.

©S. Krieger

Anders hingegen waren neben der verdoppelten Ventilanzahl der Doppelauspuff ab Endtopf und so schn simpel waren die 80er die schrg gestellte Dachantenne. Die Stahlfelgen hatten sie dem GTI belassen. So geht Wiedererkennung. Auch mit Werten wie 8,5 Sekunden von null auf 100 und einer Spitze von 208 km/h war der 16V wieder ein GTI. Den Rest besorgten Tuner die dem Auto oft den Rest gaben. Weshalb heute kaum mehr originale Zweier-GTI existieren. Ach, ja: heute. Schn? Knackig? Ikone? Hm. Auf jeden Fall ein Sammlerstck ist der GTI II vor allem als 16V. Dass da aber schnell noch mehr kommen musste in den 80ern, untermauern die eilig realisierten Vollgas-Brder Golf G60, Limited, Rallye Golf. Sptestens mit dem Golf IV R32 war aus dem sportlichen Auto ein Sportwagen geworden. Zudem erschienen lange Zeit Golf I und IV unter formalem Aspekt als einzig ernst zu nehmende Aspiranten auf sptere Klassiker-Weihen. Wie man sich doch tuschen kann. Apropos Irrtmer: Im Jahr 2000 restaurierte ein junger Braunschweiger seinen Einser-GTI originalgetreu und wurde deshalb ausgelacht. Er steht heute im Museum, dreht ab und zu drauen schnelle Runden. Nein, nicht der junge Mann. Der GTI. Ewig jung, der Typ: auch als ewiger Zweier.

Technische Daten

Mit Werten wie 8,5 Sekunden von null auf 100 und einer Spitze von 208 km/h war der 16V wieder ein GTI.

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Golf GTI 16V Motor: Reihenvierzylinder, vorn quer zwei obenliegende Nockenwellen, ber Zahnriemen angetrieben, 4 Ventile pro Zylinder, Hydrostel, mechanische Einspritzung Bosch K-Jetronic Hubraum 1781 ccm Verdichtung 10,0:1 Leistung 102 kW (139 PS) bei 6100/min max. Drehmoment 168 Newtonmeter bei 4600/min Antrieb/Fahrwerk: Fnfgang-Schaltgetriebe Vorderradantrieb Einzelradaufhngung, vorn an McPherson-Federbeinen, hinten Verbundlenkerachse, Stabilisator Scheibenbremsen rundum Reifen 185/60 R 14 Mae: Radstand 2475 mm L/B/H 3985/ 1680/1395 mm Leergewicht Drei-/Fnftrer 960/980 kg Fahrleistungen/Verbrauch: 0100 km/h in 8,5 s Spitze 208 km/h Verbrauch 8.5 l Super pro 100 km Neupreis: Drei-/Fnftrer 26.825/27.625 Mark (1987).

Historie

Exakt zwlf Monate nach dem Debt des Golf II GTI prsentiert VW im Januar 1985 den GTI 16V. Slogan: "Die neue Kraft". Halb neu wre richtig, denn angetrieben wird der GTI 16V durch den bewhrten 1781-ccm-Motor, ergnzt um einen Vierventilkopf. Der wahlweise angebotene Dreiwege-Katalysator raubt 10 PS, es sind 129 statt 139. Zum Modelljahr 1986 erhlt auch der 16V das Facelift der schwcheren Modelle (Grill geliftet, Entfall der vorderen Dreiecksfenster, neue Auenspiegel, Heckabschlussblech mit zentralem groem VW-Emblem). lundichtigkeiten am Zylinderkopf der Modelle von 1986 bis 1988 beschftigen Kunden und den Kundendienst. Zum Modelljahr 1988 erhlt der 16V neben GTI und GL voluminse Stofnger an Front und Heck. Auf Wunsch sitzen im vorderen Stofnger Nebelscheinwerfer. Serienmig fhrt der 16V auf Stahlscheibenrdern mit Tiefbettfelgen vor, als Extra beliebt sind die BBS-Kreuzspeichenfelgen. Sondermodelle "Edition One" (1989), "Edition Blue" (1991) und die "Wolfsburg Edition" sind reichhaltig ausgestattet. Selten ist der "GTI Special" (1988/89). Im Sommer 1991 baut VW die letzten Golf II GTI 16V.

Plus/Minus

Schn? Knackig? Ikone? Auf jeden Fall ist der VW Golf GTI II ein Sammlerstck vor allem als 16V.

©S. Krieger

Was soll man sagen? Es ist ein Golf II haltbar, zeit- und klassenlos. Aber halt: Es ist ein GTI! Klingt schon anders, oder? Und genau das ist der Punkt: Zwischen einem Golf II GL mit 75 PS und umhkelter Klorolle auf der Hutablage und einem marsroten GTI liegen Welten. Zumindest swingt der GTI nicht nur auf der Strae anders, es fhrt auch ein komplett anderes Image mit. Und natrlich die berhmte Zuverlssigkeit eines Golf II: gebaut im Prinzip fr die Ewigkeit. Bese er bereits wie sein formal fragwrdiger Nachfolger ABS und Airbags, heutige Neuwagen-Verkufer htten es noch schwerer. Minimale Pflege vorausgesetzt, berlebt der bestens hohlraumkonservierte Golf II GTI 16V bis zum jngsten Tag. Seine Mechanik ist robust, Teile sind en masse verfgbar, alltagstauglich ist er auch und heute schon ein Klassiker.

Ersatzteile

Machen Sie sich keinen Zylinderkopf um mangelnde Ersatzteile: Es gibt fast alles. Wirklich alles geben die Teileregale von Zubehr- und freien Hndlern als auch von Spezialisten wie dem Volkswagen Classic Parts Center in Sachen Fahrwerk, Motor, Getriebe her. Auch beim Blech besteht kein Anlass zu Hamsterkufen. Speziell wird es bei einigen spezifischen GTI-Ausstattungsdetails. Das gilt, Kenner wissen es lngst, wie beim Einser-GTI fr Zierrat wie GTI-Schriftzge und Embleme, besonders jedoch fr Polsterstoffe. Doch auch hier tut sich etwas, alte Lagerbestnde werden mittlerweile professionell nach vorhandenem Material durchforstet.

Marktlage

Es gibt nichts, was es nicht gibt: Vom runtergerittenen, effektlackierten Tuningmonster im Endzustand bis hin zum originalen Oma-Exemplar ist der Golf II GTI 16V verfgbar. Allerdings sind Originale (Preisspanne 5000 bis 10.000 Euro) bereits jetzt selten und ziehen ebenso unauffllig an, wie das Auto generell daherkommt.

Empfehlung

Kaufen. Jetzt. Ob Vorfacelift-Exemplare mit Dreiecksfenstern oder Wagen nach der "groen Produktaufwertung" (offizielle VW-Sprachregelung) ab Modelljahr 1989, ob mit oder ohne Katalysator sie knnen nur noch seltener werden, die Spamacher unter den Zweier-Glfen. Heute werden, im Gegensatz zu damaligen Neufahrzeugen, Zweitrer hher gehandelt als "unsportive" Viertrer. Komisch.

Autor: Knut Simon

Fotos: S. Krieger

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