Vergleich: Reihensechser aus vier Jahrzehnten

Sportliche Reihensechser aus vier Jahrzehnten im Test

— 26.02.2015

Sauschnelle Renner mit Reihensechser

Mercedes 300 SL, Jaguar E-Type 3.8 OTS, BMW M1, Nissan Skyline GT-R R32: vier Jahrzehnte, vier Charaktere. Eins eint all diese Sportler: das Baukonzept ihrer Sechszylinder.

Eine Schnauze, die zur Ikone wurde: die SL-Front.

Manchmal leben Totgesagte lnger als gedacht. Doch der Reihensechszylinder steht zum Missvergngen von Motoren-Feinschmeckern auf der "Roten Liste" der bedrohten Arten. 1903 wird er bei Spyker in Holland geboren, um sich danach weltweit zu verbreiten. Er befeuert alles vom Motorrad bis zum Flugzeug. Er erobert den Sportwagenbau und zahllose Herzen. Er gewinnt Grand Prix, mehrfach das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und lebt heute zurckgezogen unter der Haube einiger weniger Volvo und BMW.

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Der M 198 Reihensechszylinder des Mercedes 300 SL neigt sich zur Fahrerseite, dreht kernig und rhrt laut durch die Pilotenkanzel.

In aller Stille scheint er dort darauf zu warten, dass man auch den letzten darauf "downsized", was er ursprnglich gewesen ist: ein Dreizylinder. Oder besser gesagt: zwei davon. Konzeptionell entsteht der Reihensechser aus einem aneinandergekoppelten Dreizylinder-Duo, was nicht nur mathematisch Sinn ergibt, sondern auch den physikalischen Vorteil vllig ausgeglichener Schwungmassen mit sich bringt. Durch seine angeborene Vibrationsfreiheit wird der Reihensechszylinder zum Symbol der hohen Ingenieurkunst, eine Art Welterbe der Laufkultur, Sinnbild der Ruhe oder auch zum Pulsbeschleuniger, wenn er seine lang gestreckte Bank durch vier Jahrhundert-Sportwagen spannt. Mercedes 300 SL, Jaguar E-Type, BMW M1 und Nissan Skyline GT-R sind Hhepunkte seines erfllten Lebens und zeigen, wie vielseitig ein Einreiher sein kann.

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Ende Legende? Zu frh geheult!

Anders als viele Motorkollegen artet der Reihensechser leistungsmig niemals aus. 300 SL und GT-R trennen 34 Jahre, aber nur 65 PS, 2014 sind 431 sein Maximum.

Am Ende stehen die vier Meilensteine nicht nur am Kai in Bremerhaven, sondern vor allem stellvertretend fr die glanzvollen Jahrzehnte des Reihensechszylinders und dessen Facetten. Fr seine technische Pionierarbeit im direkteinspritzenden 300 SL. Fr die Bestndigkeit, mit der er der rote Faden im Zickzack der Jaguar-Historie geworden ist. Denn der E-Type ist nicht nur der Auto gewordene Swing der Sixties, sondern wohl auch das Modell, dem die gesamte Marke zu verdanken hat, dass sie trotz diverser Selbstmordversuche immer noch am Leben ist. Der Reihensechser im BMW steht fr die rumliche Flexibilitt, als er dem Bayern zwischen Kofferkabuschen und Sitzlehnen kroch. Und fr seine enge Verbindung zum Rennsport, den er in allen vieren auf die Strae bringt, am eindrucksvollsten jedoch im Nissan offenbart.

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Vier Reihensechser aus vier Jahrzehnten einer wilder als der andere.

Enden msste die Geschichte 1989 nicht. Mercedes 190 EVO II, Volvo V70 T6 R, BMW M3 CSL sie alle wrden erzhlen, wie seine Performance-Evolution weitergeht, htten den Zeitstrahl aber zu weit ber dieses Format gedehnt. Immerhin schimmert allmhlich wieder Hoffnung, dass das Sextett in Zukunft nicht ausschlielich im klassischen Rahmen auftreten muss. Erst vor Kurzem hat sich BMW mit dem neuen M3 und dessen Coupversion namens M4 zu seiner motorischen Tradition bekannt und einen Dreiliter mit doppelter Aufladung mal eben zum strksten Inliner aller Zeiten gekrnt. Und wie es aktuell aussieht, besinnt man sich auch bei Mercedes in nherer Zukunft auf alte Werte und lsst seine Sechszylinder wieder in Reih und Glied antreten. Also doch: Totgesagte leben manchmal wirklich lnger.
Gesamtwertung Mercedes 300 SL BMW M1 Jaguar E-Type 3.8 OTS Nissan Skyline GT-R R32
Spassfaktor
Temperament 7 9 6 9
Sound 10 8 9 5
Handling 6 8 6 10
Zwischenergebnis 23 25 21 24
Kuschelfaktor
Sitze 4 7 3 9
Federung 6 5 6 2
Platzangebot/Variabilität 3 4 2 7
Zwischenergebnis 13 16 11 18
Neidfaktor
Qualität 10 7 6 5
Design 10 7 9 4
Image 10 8 8 2
Zwischenergebnis 30 22 23 11
Gesamtergebnis 66 63 55 53

Vergleich: Sportliche Reihensechser aus vier Jahrzehnten

Autor:

Stefan Helmreich

Fazit

Ein wenig eng ist das Wertungsschema um Sportwagen aus vier Jahrzehnten zu umspannen. Am Ende kristallisiert sich aber der 300 SL als klarer Sieger heraus. Der Flgeltrer brilliert akustisch sowie in allen anderen Disziplinen. Wie der etwas hibbelige, wegen des flachen Fubodens unergonomische E-Type ist der Mercedes am Limit aber nicht ganz ohne, was einerseit mit Punktabzug geahndet wird, fahrerisch aber umso mehr herausfordert. Wirklich querdynamisch wird es ab dem M1, der phasenweise sogar dem rennsportlichen, aber emotional blassen Nissan Skyline einheizen kann.

Fotos: C. Bittmann

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