Suzuki LJ

Suzuki LJ80 Suzuki LJ80

Suzuki LJ

— 26.07.2010

Der Jeep zum Schmunzeln

Ein kleines Monster hat sich heimlich, still und leise in unsere Herzen gefahren: Suzuki LJ, eigentlich Eljot. Süß und doch hart im Nehmen. Er fuhr sogar bei der harten Rallye Paris-Dakar mit.

Als dieser knuffige Gelände-Knirps 1979 nach Deutschland kam, führte ihn sein Weg von der Frankfurter IAA geradewegs zum Kadi. Das lag an seinem Namen. "Eljot" sollte der Suzuki heißen. Den Filmemachern von Walt Disney passte das gar nicht. Schließlich gab es schon Elliot, das Schmunzelmonster, das Feuer speien und sich unsichtbar machen konnte. Suzuki lenkte ein, nannte den Wagen LJ 80, wobei LJ für "Light Jeep" steht. Und gesprochen hört sich die Buchstaben-Kombination ja auch nach "Eljot" an. Ganz schön gerissen. Ziemlich viel Aufregung um einen Offroader, der die Eintrittskarte für Suzuki Auto auf dem deutschen Markt werden sollte.

Autos von Åland: Die Insel der alten Japaner

Der Rost ist der ärgste Feind des LJ 80. Ungeschweißte Exemplare gibt es nicht mehr.

Schon seit 1976 verkauften die Japaner hierzulande Motorräder, aber eben keine Autos. Der "Eljot" wurde, obwohl er nicht so heißen durfte, für die Japaner zum großen Wurf. Das liegt an seiner Robustheit, seiner Einfachheit. Zwei solide Starrachsen mit Blattfedern, ein Vierzylinder-Motörchen mit 800 Kubikzentimetern und 41 PS – fertig. Dazu kommt seine Winzigkeit. Der LJ 80 misst nur 3,17 Meter, hat einen Radstand von bescheidenen 1,93 Metern. Werte, die ihn im Gelände zur Bergziege machen. Josef Loder aus Odelzhausen weiß das: Der Bayer fuhr 1982 mit einem LJ 80 bei der Rallye Paris-Dakar mit – und kam an.

Heute sind sie Mauerblümchen: die Klassiker von morgen

Nicht zu vergessen die herbe Schönheit des Nippon-Jeeps. Wer das Verdeck abnimmt, sitzt in einem Offroad-Cabrio. Das macht Eindruck, nicht nur vor dem Eiscafé. 15.800 Exemplare des LJ 80, als Cabrio und als geschlossene Van-Version, verkaufte Suzuki ab 1980. Gerade mal 190 dieser Spaßmobile sind in Deutschland noch zugelassen – Tendenz: nicht steigend. Das liegt am gammeligen Blech. Manche sagen, der LJ 80 rostet schneller als er fährt. Das ist zwar gemein, aber im Ansatz durchaus richtig. Andreas Tross aus Dresden kann das bestätigen. Von einem Kunden kaufte der Inhaber eines Suzuki-Autohauses einen LJ 80 in bedauernswertem Zustand.

Der erste Fun-Offroader

Überall Rost, das Verdeck undicht, die Sitze durchgesessen. Vier Jahre lang restaurierte der 58-Jährige den "Eljot" gemeinsam mit seinem Sohn Mathias (30), immer nach Feierabend. Jetzt steht der khakifarbene Wühler im Showroom des Autohauses, ist natürlich unverkäuflich. Nur manchmal lässt Tross den Mini-Offroader los, fährt mit ihm ins Gelände. Dann kann er nachvollziehen, warum der LJ 80 so beliebt war, schon zu Lebzeiten Kultstatus hatte. Das Fliegengewicht machte klar, dass Geländewagen eben nicht nur für Jäger und Bauern bestimmt sind. So war der LJ 80 nicht nur der Beginn von Suzuki Auto in Deutschland, er war der allererste Fun-Offroader. Und, mal ehrlich: Irgendwie sieht der knuffige Japan-Jeep mit seinen runden Kulleraugen auch wirklich aus wie ein Schmunzelmonster, ein kleines.

Technische Daten

Suzuki LJ 80
Vierzylinder-Reihenmotor • oben liegende Nockenwelle • Hubraum 797 ccm • 30 kW (41 PS) bei 5500 U/min • max. Drehmoment 61 Nm bei 3500 U/min • Vierganggetriebe mit Geländereduktion • Hinterradantrieb, Vorderradantrieb zuschaltbar • Trommelbremsen vorn und hinten • Reifen 6,00 x 16 oder 195 x 15” • L/B/H 3195/1395/1845 mm • Radstand 1930 mm • Starrachse an Blattfedern vorn und hinten • Leergewicht 800 kg • Beschleunigung 0–90 km/h in 36,6 s • Spitze 107 km/h • Verbrauch 8,5 l Normal/100 km • Neupreis (1980) 12.500 D-Mark

Historie

Aller Anfang der 4x4-Funcars von Suzuki war der Hope Star. 1968 kam der 359 ccm starke Zweizylinder auf den Markt – soll aber nur 50-mal gebaut worden sein. Es folgten von 1970 bis 1972 der LJ 10, ab 1972 der LJ 20. Beide hatten einen Zweizylindermotor. Der LJ 50 wurde ab 1974 von einem Dreizylinder mit 35 PS befeuert und 1977 vom LJ 80 abgelöst. Erst drei Jahre später bot Suzuki den kleinen Offroader in Europa an. LJ steht übrigens für "Light Jeep".

Plus/Minus

Keine Elektronik, kein überflüssiger Schnickschnack, solide Mechanik mit Starrachsen und Blattfedern. Dazu Motor und Getriebe, die außer Öl kaum Liebe brauchen. Was für den LJ 80 spricht, ist seine einfache Technik. Motto: Was nicht eingebaut ist, kann auch nicht kaputtgehen, alles andere hält. Was gegen den Offroad-Klassiker spricht, ist der starke Rostbefall. Ungeschweißte Exemplare gibt es längst nicht mehr. Wahre Fans stört das nicht. Sie lieben den LJ 80, weil er bei Trials und Offroad-Veranstaltungen viele andere in Grund und Boden fährt. Und weil seine Form zeitlos ist. Und weil der LJ 80, wenn er erst einmal gut in Schuss ist, wenig Unterhaltskosten verschlingt.

Marktlage

Unverbastelte Suzuki LJ 80 gibt es mit ein paar Monaten TÜV schon für 1500 Euro. Meist handelt es sich um stark restaurierungsbedürftige Vehikel, die jeder Menge Zuwendung und Geld bedürfen. Wer einen guten LJ 80 sucht, muss mit Preisen von 10.000 Euro und mehr rechnen. Das sind dann allerdings liebevoll restaurierte Exemplare mit sandgestrahltem und feuerverzinktem Rahmen, überholtem Motor, perfekter Innenausstattung, gutem Verdeck und neuer Bereifung. Vor allem gilt: Gute LJ 80 sind echte Mangelware, nach ihnen muss man lange suchen.

Ersatzteile

Die Teileversorgung ist punktuell problematisch. Zwar gibt es noch alle Blechteile, meistens aber nicht in Erstausrüsterqualität. Entsprechend unterschiedlich sind dann die Spaltmaße. Auch Sitze sind Mangelware. Aber LJ-80-Schrauber können sich einer regen Fangemeinde sicher sein, gebrauchte Teile gibt es über das Internet. Trotzdem: Bei der Restaurierung dieses Kult-Offroaders muss in aller Regel ein zweiter als Teilespender herhalten.

Empfehlung

Wenn der Traumwagen irgendwo am anderen Ende der Republik steht – hinfahren, gute LJ 80 sind rar. Wer vor den hohen Kaufpreisen zurückschreckt und auch kein Bastler ist, sollte sich nach den Nachfolgern SJ 410, 413 oder Samurai umschauen. Ab 2500 Euro gibt es 20 Jahre alte SJ mit zwei Jahren TÜV, manchmal sogar aus erster Hand. Im Gegensatz zum LJ 80 ist dieser Gelände-Suzuki zwar kein Klassiker, aber auf dem besten Weg dahin.

Autor: Andreas May

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