Suzuki LJ 80 (1980-1983) — 20.08.2002
Dieser Kleine war ein großer Wurf
Erinnern Sie sich noch an diesen schnuckeligen Kleinen? Er kam 1980, hieß Eljot, kostete 12.500 Mark und war das erste 4x4-Funcar. Wir fanden ein Auto im Originalzustand.
Vier Jahre Restaurierungseifer
Zusätzlich gönnte der LJ-Fan seinem Prachtstück einige Zubehörteile aus dem Original-Programm von damals: Weiße Stahl-Sternfelgen, das weiße Verdeck und der weiß beschichtete Stahl-Frontschutzbügel putzen den LJ 80 optisch heraus. Passend dazu erstrahlt der Kühlergrill in Weiß. So entspricht die Optik dem Sondermodell "Eljot" von 1980. Genau diese Farbkombination hat es Michael Schmid angetan. Insgesamt vier Jahre dauerte es, bis der LJ 80 wieder aus der geräumigen Werkstatt in Höhenkirchen bei München ans Tageslicht rollte. Die Wiederzulassung datiert von 1992.
Motorjubel bis 6000 Touren
Zum Fahren kommt Michael Schmid mit seinem Schmuckstück kaum, meist steht es als Deko- Objekt im Schauraum und zieht Nostalgiker und Suzuki-Liebhaber in seinen Bann. Verkaufen will Schmid den Oldie "auf keinen Fall". Ein Gebot über 7500 Euro hat er schon ausgeschlagen – ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken. Der Eljot soll einmal vererbt werden. Schmids 18-jähriger Sohn hat bereits mit leuchtenden Augen Interesse bekundet. Der Vater will seinem Junior aber zuvor das Versprechen abringen, dieses Goldstück in Ehren zu halten und nicht etwa bei nächster Gelegenheit zu versilbern.Bei solchen Torturen zieht der Suzuki knapp zwölf Liter Normalbenzin/100 km durch den japanischen Mikuni-Vergaser. Bei Landstraßenfahrt genügen ihm rund 10 Liter. Wenig ist das nicht, aber schließlich bewegt man den kleinen Suzuki selbst auf der Landstraße nahe der Volllastgrenze. Auch der Fahrer muss einiges ertragen. Der LJ 80 hat so gut wie keine Geräuschdämmung, und so trompetet der quirlige Motor nahezu ungefiltert den Insassen in die Ohren. Man hockt auf winzigen Stühlchen mit Kunstlederbezug und freut sich über auffällig gut gelaunte Passanten.
Blattfedern und Allradantrieb
Wo auch immer man mit dem LJ 80 auftaucht, erblickt man strahlende Gesichter und winkende Hände. Der japanische Oldie stimmt die Mitmenschen freundlich, auch wenn man an einer Steigung mangels Kraft mit Tempo 60 den Kopf der Autoschlange bildet. Im Ortsverkehr hält man dagegen gut mit, solange man flott durch die Gänge schaltet. Das macht durchaus Freude, weil Getriebe und Kupplung dem Fahrer wenig Widerstand entgegensetzen.Sogar die servolose Lenkung fordert zum Glück keinen Super-Bizeps – solange die serienmäßigen 195er-Reifen aufgezogen sind. In den wilden Zeiten der frühen 80er Jahre waren bis zu 275er an manchen LJ 80 zu sehen. Das beschränkte zwar das Höchsttempo auf echte 80 km/h und ruinierte den Geradeauslauf vollständig, sah aber verwegen aus. Die stocksimple Konstruktion des LJ 80 macht den Aufbau übersichtlich. Ein stabiler Leiterrahmen aus Stahlprofilen trägt Motor, Schaltgetriebe, Verteilergetriebe und die beiden brettharten Blattfeder-Starrachsen. Obendrauf ist die Karosserie aus dünnwandigem Stahlblech geschraubt, fertig ist der LJ 80.
Die geringen Außenabmessungen und das niedrige Gewicht ergeben trotz simpler Technik sehr gute Geländeeigenschaften. Kein Wunder, denn die Bodenfreiheit ist ordentlich und der zuschaltbare Allradantrieb sehr wirksam. Außerdem steht für Notfälle eine mechanische 100-Prozent-Hinterachssperre zur Verfügung. Die ist nicht zum Geländefahren gedacht, sondern dient zur Einhaltung einer deutschen TÜV-Vorschrift, in der es um die Wirksamkeit der Handbremse geht. Aber die Differenzialsperre ist nun mal da und hilft in schwierigem Gelände weiter. Allerdings sollte man vorsichtig mit ihr umgehen, weil sie schwächlich ausgelegt ist. Andernfalls geht die Hinterachse zu Bruch. Suzuki hatte reichlich Ärger mit der seilzugbetätigten Sperre, weil viele Kunden vergaßen, sie rechtzeitig wieder auszuschalten.
Historie und Technische Daten
Historie Die Geschichte des LJ ist viel länger als seine kurze Deutschland-Karriere. Bei uns wurde er 1979 auf der IAA in Frankfurt präsentiert und ab Februar 1980 von den deutschen Suzuki-Händlern verkauft. Aber schon seit 1970 konnten die japanischen Kunden einen LJ kaufen; bis 1977 aber ausschließlich mit kleinen Zweitakt-Motörchen mit maximal 550 Kubik und höchstens 26 PS Leistung. So gesehen sind die 40 PS des viertaktenden LJ 80 schon richtig mächtig. 12.500 Mark rufen die deutschen Suzuki-Händler 1980 als Basispreis auf. Nicht viel in einer Geländewagen-Welt, in der man einen Daihatsu Wildcat 1.0 für 15.650 Mark bekommt, einen Jeep CJ7 4.2 für 20.568 Mark, einen Toyota Land-Cruiser BJ 40 3.0D für 27.995 Mark und einen Range Rover 3.5 V8 für 35.795 Mark.Aber Suzuki Deutschland verlangt weitere 330 Mark für das Planenverdeck und 150 Mark für die Türen. Die serienmäßige Ausstattung umfasst nur einen zweistufigen Scheibenwischer und eine Heizung mit Gebläse und Umluft-Umschaltung. Doch der LJ 80 wird ein Erfolg – und macht bei den Suzuki-Fahrern Hunger auf mehr Leistung, mehr Komfort, mehr Raum. Deshalb kommt 1981 der größere SJ 410 heraus: 10 Zentimeter mehr Radstand, 27 Zentimeter mehr Gesamtlänge, eine glattflächigere Karosserieform und ein Einliter mit 45 PS bringen den epochalen Neustart bei Suzuki. Der LJ 80 stirbt 1983 für die Händler – für Liebhaber wie Michael Schmid jedoch nie.
Technische Daten 4-Zylinder-Reihen-Otto-Viertaktmotor • oben liegende Nockenwelle (Zahnriemenantrieb) • ein Horizontal-Vergaser mit Choke • Hubraum 797 cm3 • Leistung 29 kW (40 PS) bei 5500/min • Drehmoment 60 Nm bei 3500/min • 4-Gang-Schaltgetriebe mit Geländereduktion • zuschaltbarer Allradantrieb (während der Fahrt) • max. Gesamtuntersetzung in I/G 44,9:1 • Steigfähigkeit 72 Prozent • vorn und hinten Starrachse, Blattfedern, Trommelbremsen • Länge x Breite x Höhe 3170 x 1395 x 1845 mm • Radstand 1930 mm • Spur v/h 1190/1200 mm • Bodenfreiheit 230 mm • Leergewicht 825 kg • Zuladung 315 kg • Anhängelast 600 kg • Reifen 195 R 15 oder 6.00 – 16 • Tankinhalt 40 Liter • Durchschnittsverbrauch 10l/100 km Normalbenzin • Höchstgeschwindigkeit 107 km/h • Neupreis ab 12.500 DM
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