Tempo Rapid

Tempo Rapid

— 23.01.2012

Der macht richtig Tempo

Genau ein halbes Jahrhundert hat dieser Rapid auf seiner Holzpritsche. Innen und außen original, so wie er das Fließband in Hamburg-Harburg 1961 verließ. Glaubwürdiger lässt sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen.

Der Name ist keine Übertreibung, sondern der Stolz auf das Erreichte: 32 PS stemmt der Tempo Rapid, sein kleiner Bruder Wiking ächzte noch mit 20 Zweitakt-PS durch die Lande – und war nicht der lahmste Transporter im Land. Woher der neue Viertakter kam? Von Austin! Ein damaliger Tempo-Werbetext strotzt vor Stärke: "Austin-Motoren haben beigetragen, dass Austin und die British Motor Corporation in der Kraftfahrzeugproduktion hinter den Großen Drei aus Amerika [Ford, GM und Chrysler] an vierter Stelle der Welt stehen." Tja, BMC war einmal. Und leider hat auch Tempo-Hersteller Vidal & Sohn irgendwann den Anschluss verpasst. Der Rapid vermittelt bestens das Gefühl, wie es sich einst durch unser Wirtschaftswunderland fuhr. Taufrische 26.000 Kilometer zeigt sein Tacho.

Der Rapid ist ein Direktimport aus dem  Wirtschaftswunderland.

©U. Sonntag

Vorm Start erst mal die durchgehende Sitzlehne mit einem 14er-Maulschlüssel auf passende Neigung gebracht. Die Drei-Personen-Bank sitzt allerdings bombenfest. Dennoch ergibt sich eine erstaunlich behagliche Position. Rechts vom Armaturenblech passt der Schlüssel rein, aber nicht drehen – dann geht nur das Licht an. Der Anlasser reagiert auf den Startknopf links. Das Schema der "Frontschaltung" neben dem Lenkrad entspricht dem bekannten H, allerdings um 90 Grad verdreht. Nach einiger Übung kommt man gut in die Gänge des Getrag-Getriebes, die prima bis zum Dritten passen. Darüber macht der Tempo kaum noch Tempo. Die versprochenen 87 Spitze will auch keiner wirklich fahren, denn da gibt es mächtig was in die Ohren. Hart im Geben ist auch das Fahrwerk. Bodenwellen stoßen ins Hinterteil, Längsrillen bestimmen die Richtung, wenn der Fahrer nicht beherzt ins Lenkrad greift.

Rückblick: Autos der 50er-Jahre

Von Servohilfen und präzise laufenden Gürtelreifen sind wir weit entfernt. Fast alle Nutzfahrzeuge benahmen sich so – Ford und VW ausgenommen. Einen Rekord kann Tempo heute halten: Kein anderer Hersteller bot so viele Varianten an. Vom Abschlepper über den Möbelpacker bis zum Niederflur-Hubwagen konnten die Harburger selbst ausgefallene Sonderwünsche erfüllen – bis zum Ende 1966. Hanomag-Henschel und Mercedes heißen die Testamentsvollstrecker.
Fahrzeugdaten Tempo
Motor Vierzylinder, Reihe
Hubraum 948 ccm
Bohrung x Hub 62,9 x 76,2 mm
kW (PS) bei U/min 24 (32)/4100
Nm bei U/min 64/2100
Höchstgeschwindigkeit 87 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Vorderrad
Bremsen vorn/hinten Trommel/Trommel
Testwagenbereifung 6.40-13
Verbrauch (Werksangabe) 8,5 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 40 l/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 1840 kg
Achslast vorn/hinten 920/920 kg
Neupreis 6450 Mark (1961)
Messwerte
Leergewicht/Zuladung 1005/835 kg
Wendekreis (links/rechts) 16,6/13,8 m
Innengeräusch bei 50 km/h 80 dB (A)
Testverbrauch 8,9 l
Reichweite 450 km
Kosten
Steuern pro Jahr 112 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 68 Euro
Werkstattintervalle 2.500 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 120/400 Euro
Zeitwert* (Zustand 2, Stand 01/2012) circa 8.000 Euro
* Schätzwert der Experten von "Historischer Kraftverkehr"

Autor: Diether Rodatz

Fotos: U. Sonntag

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