Mercedes 300 SL Cabrio

Test: Mercedes 300 SL Cabrio

— 20.12.2010

Ein Mercedes klappert nicht...

AUTO BILD Archiv-Artikel 20/1986: ...auch nicht als Cabrio. Mercedes fahren hat immer einen besonderen Reiz. Vor mir der Stern, neben mir neidische Blicke und über mir? Diesmal nichts, denn ich sitze im offenen Mercedes 300 SL.

AUTO BILD wollte wissen, ob die sprichwörtliche Mercedes-Qualität auch für das Cabrio gilt. Darf man auch im offenen Benz sicher sein: Nichts klappert - und sei die Straße noch so schlecht? Der Name flößt Ehrfurcht ein: 300 SL. Der legendäre Flügeltürer hieß genauso. Aber auch der Neue ist schon ein Klassiker. Das Cabrio wird bereits seit 1971 gebaut. Nur der Motor ist frisch. Es ist der feine Sechszylinder aus der Mittelklasse-Limousine 300 E. Ein solider Mercedes ohne festes Dach? Geht das gut? - Es geht, und das sogar sehr gut. Alles ist Merce­des-typisch sauber verarbeitet, der Arbeitsplatz aufgeräumt. Allenfalls etwas mehr Holz und die räumliche Enge unterscheiden den SL von den Limousinen.

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Die Uhren stammen aus der alten S-Klasse, die Schei­benwischer sind nicht modisch mattschwarz, sondern silbern. Das ist aber nicht der Grund, weshalb ich mich im SL sofort wohl fühle. Dafür sorgt die Sitzposition - sie passt auf Anhieb. Cabrio fahren, das heißt: Mög­lichst schnell runter mit dem Dach, wenn die Sonne sich mal zeigt. Es funktioniert perfekt. Zwei Schrau­ben über dem vorderen Fensterrah­men gelöst, die Klappe vor dem Kof­ferraum geöffnet, und dann das ganze Dach reingestopft - fertig. Dauert genau eine Minute. Auf der Strecke merke ich sofort: Der SL ist doch ein anderes Auto als die bequemen Limousinen. Im SL spüre ich zumindest bei herunterge­klapptem Dach alles intensiver: die Dichte und Risiken des Verkehrs genauso wie die Schönheiten der Natur.

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Jedes Mal wenn ich Gas gebe, dringt der Auspuff-Sound an mein Ohr. Dumpfes Brabbeln oder schrilles Trompeten. Bis 100 km/h spielt der Wind nur mit meinen Haaren. Doch darüber wird's stürmisch. Dann empfiehlt es sich, das Verdeck zu schließen, das bei solchen Geschwindigkeiten sei­ne solide Verarbeitung beweist. Der SL ist allerdings insgesamt kein Auto zum Rasen. Denn auf schlech­ten Straßen verwindet sich die Ka­rosserie, und wird eine Kurve zu schnell gefahren, bricht er sehr schnell mit dem Heck aus. Der Motor passt zu diesem so bullig wirkenden Auto. Kräftig tritt er bei niedrigen Drehzahlen an, dreht klaglos bis 6300/min, wo ihm der Drehzahlbegrenzer ein Ende setzt. Worin liegt nun der Reiz des offenen Mercedes? Im Fahrgefühl eines Roadsters, gepaart mit der Perfektion eines Daimler-Benz. Lei­der hat dieser Spaß einen hohen Preis: 64.581 Mark.

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Autor: Andreas Borchmann

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