Toyota Crown 2600 Hardtop

Toyota Crown 2600 Hardtop

Toyota Crown 2600

— 11.07.2013

Krone für Kleingeld

Sie dringen aus jeder Fuge des Toyota Crown – der Stolz und Ehrgeiz, mit dem es Japan vom Kriegsverlierer zur Auto-Weltmacht brachte. Dabei ist das barocke Oberklassemodell nicht nur billig, sondern auch ganz schön chillig.

Die wahre Krönung des Toyota Crown ist seine Lässigkeit. Fühlen wir uns also blaublütig, sobald wir in das goldene Coupé eingestiegen sind. Ihre Majestät erwartet ein 2,6-Liter-Sechszylinder und leichter Seegang, mit dem der Crown über kurvige Landstraßen segelt. Zu hören ist dagegen nicht viel. Vor allem das Zischen der Reifen auf dem nassen Asphalt dringt ins Ohr. Denn seine Stimme erhebt das Hardtop Coupé nur für den Moment, in dem die träge Toyoglide-Automatik vergisst, dem Reihensechser das Drehen zu verbieten. 

Toyota war seit Frühjahr 1971 in Deutschland aktiv, ließ aber das Sechszylinder-Topmodell des Crown nicht in die Schauräume.

©A. Emmerling

Majestät nimmt’s gelassen. Entspannt wie nach drei Gläschen Sake thront der Fahrer auf knautschigem Vinyl, umgeben von den kostbarsten Schätzen Ostasiens: in Chrom gerahmtes Plastik, drumherum viel Blech, in edlem Metallicton lackiert, und statt des Zepters einen dünnen Kranz aus unechtem Holz in den Händen. Die Fahrt im einstigen Glamour-Modell des Hauses Toyota führt zurück in eine nahe und doch vergessene Zeit. Die frühen 70er: Roher Fisch in Seetang ist noch kein Mode-Fastfood, und in den Jugendzimmern dreht sich "Made in Japan" von Deep Purple immer öfter auf Plattenspielern, die aus genau diesem Land kommen. Mit dem klaren Sound eines Pioneer-Verstärkers kann das Mittelwellenradio des Crown nicht mithalten, zumal die Erstbesitzer auf den optionalen Achtspur-Kassettenspieler verzichtet haben. Vorn summt der Sechszylinder seine monotonen Entspannungsmelodien, dazu surren – nur von hinten, wie irre – die elektrischen Fensterheber. In der Bundesrepublik hörte noch keiner zu. Dabei war Toyota seit Frühjahr 1971 in Deutschland aktiv, ließ aber das Sechszylinder-Topmodell nicht in unsere Schauräume. In der Schweiz, in Belgien und Holland war das anders – dort, wo es keine einheimischen Oberklasse-Autos gab.

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Der Toyota Crown war immer ein Exot, erst recht als Hardtop ohne B-Säule.

©A. Emmerling

Hätte sich der Kleinstadt-Bäckermeister tatsächlich einen flaschengrünen Crown Kombi statt eines Ford Granada Turnier in die Waschbeton-Einfahrt gestellt? Nur dann, wenn das Toyota-Autohaus dafür täglich die Frühstücksbrötchen der gesamten Belegschaft bestellt hätte. An der Verarbeitungsqualität des großen Toyota kann es nicht gelegen haben: Weichere Kunststoffe, knappere Spaltmaße oder komfortablere Sitze haben sie damals auch in Köln und Rüsselsheim nicht gehabt. Aber schon präzisere Lenkungen, wachere Automatikgetriebe und straffere Fahrwerke. Und eine Schamgrenze beim Verteilen von Zierrat. Erst heute wirkt so viel Schwulst grandios. Schon mal Krönchen gezählt? Sie sind überall: am Kühlermaul, seitlich an den vorderen Positionsleuchten, weiter hinten an den Flanken und zwischen den Heckleuchten auf der Tankklappe. Und das, obwohl der Crown nicht die höchste Zierde des Hauses war: Daheim hatten sie ja auch noch den Präsidentenwagen Century. Unser Foto-Coupé gab es übrigens nur drei Jahre lang, von 1971 bis 1974. Den Nachnachfolge-Crown hat Toyota ab 1980 dann doch bei uns verkauft, bestärkt wohl von den paar exaltierten Rentnern, die einen Datsun Laurel bestellt hatten.

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Weichere Kunststoffe und komfortablere Sitze haben sie damals auch in Köln und Rüsselsheim nicht gehabt.

©A. Emmerling

Toyota ließ es schnell wieder sein und hielt sich an Camry, Corolla und Celica. Der nächste Versuch hieß dann schon Lexus. Es hört auf zu regnen, wir fahren rechts ran, schieben den Wählhebel auf P und drücken "Push" auf dem Zündschloss, damit es den Schlüssel freigibt. Und fragen uns, auf welcher Nebenstrecke das Goldstück in die Schmuckmetropole Pforzheim geraten ist. "Ohne Plan und Vorsatz", sagt Peter Müllers, der mit einem feuerroten Datsun Cherry ins Klassiker-Hobby cruiste. "Ich habe den Crown gesehen und musste ihn haben. Obwohl ich mich schon kurz gefragt habe, ob ich dieses Auto meiner Frau zumuten kann." Am Ende schenkte er ihr den Datsun und argumentierte mit dem günstigen Preis des Kronen-Coupés: 10.000 Euro für ein Auto, das niederländische Vorbesitzer in Jahreswagen-Zustand hinterließen. Das kleine Königreich hatte eben schon immer ein Herz für gekrönte Häupter. Selbst dann, wenn es Könige des Kitschs sind, die aus dem fernen Japan herüberkommen.

Technische Daten

Ein 2,6-Liter-Eisenmotor mit sechs Zylindern hintereinander war auch bei Europäern der frühen 70er-Jahre kein ungewohnter Anblick.

©A. Emmerling

Toyota Crown 2600 Hardtop Motor: Reihensechszylinder, vorn längs • obenliegende Nockenwelle, über Kette angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, Register-Fallstromvergaser mit mechanischem Choke • Hubraum 2563 ccm • Leistung 150 SAE-PS bei 5400/min • max. Drehmoment 245 Nm bei 3800/min • Antrieb/Fahrwerk: Dreistufenautomatik (Serie vollsynchronisiertes Viergang-Schaltgetriebe) • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung mit Schraubenfedern, Querlenkern, Stabilisator, Teleskopstoßdämpfern, hinten Starrachse mit Doppellängslenkern, Querlenker, Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern • Reifen 175 SR-14 • Maße: Radstand 2690 mm • L/B/H 4680/1690/1420 mm • Leergewicht 1430 kg • Fahrleistungen/Verbrauch: Spitze 160 km/h (Viergang 170 km/h) • Verbrauch 13 l S/100 km • Neupreis: 20.900 Schweizer Franken (1973).

Historie

Auf dem Pariser Salon 1959 beginnt mit der Europa-Premiere des Toyopet Crown der Aufstieg Toyotas in unseren Breiten. Kurz vorher hat sich der Autogigant schon in die USA gewagt, wo die 48-PS-Limousine mit 2187 Dollar so teuer ist wie ein Chevrolet Bel Air — ein grandioser Flop, wer hätte es geahnt. Weiß die Kundschaft auf den japanischen Inseln stets Robustheit und Komfort des Gekrönten zu schätzen, fehlt es dem Oberklassemodell auf den Märkten der restlichen Welt stets an Image und Prestige. Die vierte Crown-Generation kostet als 2600 Hardtop in Frankreich stolze 29.990 Francs und ist damit nicht viel billiger als ein Ford Granada 2600 GXL oder ein Citroën DS 23 Pallas. Ab 1980 wagt sich Toyota mit der sechsten Generation (intern: S110) erstmals auf den deutschen Markt. Obwohl Toyota zum Grundpreis von 23.495 Mark mit einer umfangreichen Basisausstattung lockt, stehen sich die wuchtigen Sechszylinder-Modelle in den Schaufenstern die Reifen platt. Inzwischen ist Lexus für den Mercedes unter den Toyota zuständig, den Crown gibt es aber noch, wenn auch nur in Japan. Die 13. Generation kommt 2007 auf den Markt.

Plus/Minus

Heute wirkt so viel Schwulst wie am Toyota Crown grandios. Schon mal Krönchen gezählt? Sie sind überall!

©A. Emmerling

Dieses seltene Barockmöbel steht für viele Japan-Klassiker der 70er-Jahre: Es gibt keine große Szene, kaum einer hat sie auf dem Suchzettel, doch die Leute, die so was finden, werden oft damit glücklich. Das liegt daran, dass so ein Crown und seine Kollegen nicht zu technischen Problemen neigen, meist halbwegs maßvoll mit Kraftstoff umgehen und recht einfach zu warten sind. Das ungelenke Design und die oftmals nonchalanten Materialien muss man ebenso mögen wie die generelle Dynamikverweigerung der meisten japanischen Großserienmodelle: Die Heimat und Amerika waren die größten Absatzmärkte, knausrige Bürger die anvisierten Käufer, schnelles Kurvenkratzen und Freiräumen der linken Autobahn-Spuren keine Entwicklungsziele. Wer alte Amis mag, aber deren Durst und Größe fürchtet, ist bei den Japanern der 70er-Jahre richtig.

Ersatzteile

Hier sieht’s nicht günstig aus, denn Toyota hatte in den 70ern genug damit zu tun, über den gesamten Globus zu expandieren. Beim Hersteller und seinen Händlern ist also nichts zu holen, auch weil sich viele Modelle bei uns noch zögerlich verkauften – dafür aber bei privaten Liebhabern in der Schweiz, in den Benelux-Staaten und Skandinavien, wo immer wieder günstige Teile aus Schlachtungen auftauchen. Gute Kontakte knüpfen Neueinsteiger am besten im realen Leben, nicht im Internet. Dafür lohnt sich der Weg zu den Treffen klassischer Japaner in Alten-Buseck (bei Gießen) oder Hartkirchen (bei Passau).

Marktlage

Die Preiskurve für Nippon-Klassiker hängt hierzulande so tief wie der Smog über dem Tokio der 70er. Ein Crown Hardtop Coupé kostet auch im Topzustand kaum mehr als 10.000 Euro, Limousinen sind ein gutes Stück günstiger. Aber erst mal eine finden!

Empfehlung

Nicht festlegen! Erst recht nicht auf einen Crown der frühen 70er. Besser ist das Angebot beim Modell S110, das sich zu Beginn der 80er ins deutsche Toyota-Sortiment verirrte – ein paar dieser Plüschbomber sind immer zu haben (Classic-Data-Preis im Zustand 3: um 3500 Euro). Aber auch jeder Wettbewerber von damals ist eine Überlegung wert. Daher: Nicht lange zögern, wenn irgendwo noch ein Datsun Laurel 200/240, ein Datsun 240 K-GT oder ein früher Mazda 929 aus pflegender Opahand auftauchen sollte!

Autor: Lukas Hambrecht

Fotos: A. Emmerling

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