Toyota-Technik im Muscle Car: Pontiac Le Supra — 18.02.2008
Ein Typ aus zwei Welten
Ferrari Enzo oder Maybach 62? Hat jeder Scheich. Ein Muscle Car mit Toyota-Technik gibt es aber nur einmal. In Hamburg, in der Garage unseres Kollegen Ralf Becker. Bis zur endgültigen TÜV-Abnahme waren 500 Arbeitsstunden fällig. Arbeit, die lohnte.
Sohn Carl weinte, wenn er den Blechhaufen hörte
Ab Fließband bemühte sich ein Sechszylinder um artgerechte Forbewegung des Pontiac, doch eigentlich war das Auto nicht mehr als ein rollender Pflegefall. Nebenbei war das Coupé unglaublich lahm, jeder gut gelaunte Musterschwiegersohn im VW Polo zeigte Becker die Heckleuchten. Da der Sechser auch nicht gerade als vollgasfest galt, wurde aus dem Plan harte Realität: Raus mit dem alten Motor, rein mit Japan-Technik!
Wenn Becker nicht schraubt, setzt er auf Erwachsenenbildung. Etwa den Kultfilm "The Fast And The Furious Tokyo Drift", hier macht ein Mustang mit Nissan Skylinemotor auf sich aufmerksam. Irgendwie kam er auch an Michael Wolf von West Coast Resto, eine Ikone der Fraktion "Schrauber ohne Grenzen". Skyline fand sich keiner, dafür ein Toyota Supra. Baujahr 1991, 3.0 Liter 24V Turbo mit Ladeluftkühler. Ganz fit war leider auch dieser Motor nicht, vielmehr zeigte er einen kapitalen Motorschaden. Gerissenes Pleuel, verbogene Ventile. Gut, dass Ralf Becker sein Büro mit Jens-Peter Wilde teilt. Ebenso Produktmanager, ebenso autoverrückt. Wilde kennt Ersatzteilhändler in nahezu jedem amerikanischen Kuhdorf. Gut so, denn die Wunschliste von Becker war reichlich gefüllt. Eagle Rods, JE Pistons, Haltech ECU, Blowoff Valve, Wastegate, Turbolader. Der Zylinderkopf und die Kurbelwelle wanderten ungefragt zum Neuaufbau in die Motoren-Instandsetzung.
Der Motor kam in Begleitung eines Getriebes, das nicht passte
Nicht nur grobe Arbeiten machten das Projekt komplett, auch Tüfteleien waren gefragt. Die Toyota-Motorsteuerung machte einem frei programmierbaren Motormanagement von Haltech Platz, Becker kann nun per Notebook sein Auto bei Laune halten. Welch Freude für einen Computerfreak! Die größte Überraschung ist aber nicht, dass der Wagen sich aus freien Stücken bewegt. Sondern die TÜV-Eintragungen, alles, wirklich alles ging beim Prüfer durch.
Becker muss sich nun im Alltag immer wieder interessierten Fragen stellen. Darf man das? Muss das sein? Nicht alle in der Szene finden den Pontiac LeSupra gut. Unklug, freut sich doch auch Bruder Baum über das plötzlich abgasarme Verhalten, der Eingriff diente also durchaus auch dem Klimaschutz. Das freut die Eisbären am Pol. Becker freut sich gleichermaßen über die Nemesis-Felgen von AEZ und die Spurverbreiterung von Eibach.
Mehr als 500 Stunden Arbeit investierten die Hardcore-Schrauber. Freud und Leid, Glück und Tränen – dieses Projekt kannte alle Phasen. Möge der mattschwarze Blech-Dino noch lange und vor allem problemfrei durch den Verkehr pflügen.
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