Toyota-Technik im Muscle Car: Pontiac Le Supra

— 18.02.2008

Ein Typ aus zwei Welten

Ferrari Enzo oder Maybach 62? Hat jeder Scheich. Ein Muscle Car mit Toyota-Technik gibt es aber nur einmal. In Hamburg, in der Garage unseres Kollegen Ralf Becker. Bis zur endgültigen TÜV-Abnahme waren 500 Arbeitsstunden fällig. Arbeit, die lohnte.
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Von Nikolaus Eickmann Ralf Becker ist das größte Kind von autobild.de. Sein Job ist sein Hobby, eigentlich sollte man dem Produktmanager kein Geld bezahlen. Autos und Internet, die Welt von Becker. Welche Autos? Seine Vorlieben sind etwas ... speziell. Ralf mag Muscle Cars älterer amerikanischer Bauart. Und, jetzt kommt wieder der Produktmanager an die Oberfläche, er schätzt auch hoffnungslose Projekte. Eines Tages quälte er die Kantinenrunde mit dem Plan, einen japanischen Motor in einen alten Pontiac Le Mans zu schrauben. Gähn! Klingt wie die Phantasie eines Zehnjährigen, wie gesagt: Becker ist ein großes Kind. Entsprechend egal war mir sein Plan, daraus wird ja sowieso nie etwas. Dachte ich.
Sohn Carl weinte, wenn er den Blechhaufen hörte
Schönheit liegt stets im Auge des Betrachters. Einzigartig ist der Pontiac jedenfalls, bis er so aussah waren 500 Arbeitsstunden erforderlich.
Schönheit liegt stets im Auge des Betrachters. Einzigartig ist der Pontiac jedenfalls, bis er so aussah waren 500 Arbeitsstunden erforderlich.
Zum 72er Pontiac Le Mans kam Ralf mehr durch Zufall. Eigentlich hätte das schwarze Monster verlost werden sollen, doch der verfallene Zustand war keinem Gewinner zumutbar. Der Sponsor, ein Anbieter von Videospielen mit Weltmarktbedeutung, war nach einer Zustandsbewertung sauer auf die Karre, und so wanderte sie zu Becker. Er fand das schwarze Monster ganz großartig. Sein Sohn Carl weinte, wenn er den mattschwarzen Blechhaufen röhren hörte; hoffentlich wird der Knabe niemals einem Therapeuten von diesem Auto erzählen müssen. Ständig war irgendwas kaputt, eine komplette Restauration unumgänglich. Ralf, stets abartige Randgruppenthemen im Kopf, philosophierte über Remix-Versionen aus der Musikwelt und meinte, dass ein japanischer Motor im Ami-Maschinenraum wohl das Selbstverständlichste auf der Welt sei.

Ab Fließband bemühte sich ein Sechszylinder um artgerechte Forbewegung des Pontiac, doch eigentlich war das Auto nicht mehr als ein rollender Pflegefall. Nebenbei war das Coupé unglaublich lahm, jeder gut gelaunte Musterschwiegersohn im VW Polo zeigte Becker die Heckleuchten. Da der Sechser auch nicht gerade als vollgasfest galt, wurde aus dem Plan harte Realität: Raus mit dem alten Motor, rein mit Japan-Technik!

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Wenn Becker nicht schraubt, setzt er auf Erwachsenenbildung. Etwa den Kultfilm "The Fast And The Furious Tokyo Drift", hier macht ein Mustang mit Nissan Skylinemotor auf sich aufmerksam. Irgendwie kam er auch an Michael Wolf von West Coast Resto, eine Ikone der Fraktion "Schrauber ohne Grenzen". Skyline fand sich keiner, dafür ein Toyota Supra. Baujahr 1991, 3.0 Liter 24V Turbo mit Ladeluftkühler. Ganz fit war leider auch dieser Motor nicht, vielmehr zeigte er einen kapitalen Motorschaden. Gerissenes Pleuel, verbogene Ventile. Gut, dass Ralf Becker sein Büro mit Jens-Peter Wilde teilt. Ebenso Produktmanager, ebenso autoverrückt. Wilde kennt Ersatzteilhändler in nahezu jedem amerikanischen Kuhdorf. Gut so, denn die Wunschliste von Becker war reichlich gefüllt. Eagle Rods, JE Pistons, Haltech ECU, Blowoff Valve, Wastegate, Turbolader. Der Zylinderkopf und die Kurbelwelle wanderten ungefragt zum Neuaufbau in die Motoren-Instandsetzung.
Der Motor kam in Begleitung eines Getriebes, das nicht passte
Die Felgen von AEZ passen auf den LeSupra wie Al Bundy in seinen Schuhladen. Die Spurverbreiterung stammt von Eibach.
Die Felgen von AEZ passen auf den LeSupra wie Al Bundy in seinen Schuhladen. Die Spurverbreiterung stammt von Eibach.
Der Motor hielt nicht alleine Einzug in den Pontiac, er nahm auch ein Getriebe mit. Klar, dass das nicht passte. Denn der Ami wurde mit einer Lenkradschaltung ausgeliefert, der Toyota erspart seinem Fahrer derartige Überraschungen und wurde konventionell über Tunnelschaltung in Richtung Getriebe dirigiert. Für den Schrauber bedeutet das nicht weniger als Tunnel spreizen, Getriebetraversen anpassen, Kardan anflanschen und die Pedalerie um ein Kupplungspedal erweitern. Was den gelernten Deutschen wundert: Zu diesem Zeitpunkt gab bereits der TÜV seinen ersten Segen. Power braucht auch Bremskraft, die entsprechende Anlage spendierte ein Chevrolet Camaro. Den Innenraum ziert ein Überrollkäfig mit der Ausstrahlung eines Baukrans, alles selbst auf Maß geschweißt.

Nicht nur grobe Arbeiten machten das Projekt komplett, auch Tüfteleien waren gefragt. Die Toyota-Motorsteuerung machte einem frei programmierbaren Motormanagement von Haltech Platz, Becker kann nun per Notebook sein Auto bei Laune halten. Welch Freude für einen Computerfreak! Die größte Überraschung ist aber nicht, dass der Wagen sich aus freien Stücken bewegt. Sondern die TÜV-Eintragungen, alles, wirklich alles ging beim Prüfer durch.

Becker muss sich nun im Alltag immer wieder interessierten Fragen stellen. Darf man das? Muss das sein? Nicht alle in der Szene finden den Pontiac LeSupra gut. Unklug, freut sich doch auch Bruder Baum über das plötzlich abgasarme Verhalten, der Eingriff diente also durchaus auch dem Klimaschutz. Das freut die Eisbären am Pol. Becker freut sich gleichermaßen über die Nemesis-Felgen von AEZ und die Spurverbreiterung von Eibach.

Mehr als 500 Stunden Arbeit investierten die Hardcore-Schrauber. Freud und Leid, Glück und Tränen – dieses Projekt kannte alle Phasen. Möge der mattschwarze Blech-Dino noch lange und vor allem problemfrei durch den Verkehr pflügen.
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