Typen, Trends, Termine

Die Guten sterben zu früh

Typen, Trends, Termine

— 03.12.2002

Die Guten sterben zu früh

Wie im richtigen Leben: Klassische Topmodelle ereilt viel zu häufig jäh der frühe Tod. Manchmal auch schleichend.

Das viel zu kurze Leben einer kurzen Flosse: Es gibt Fälle, die tun einfach nur weh. Dieser W 110 zum Beispiel: bis zum Unfall ein Top-Fahrzeug, mit tatsächlich null Rost, im Gegensatz zu 95 Prozent der heute noch existenten Heckflossen. Es gilt eben auch für Autos: Die Guten sterben früh. Das traurige Teil ist krummer, als es das Foto zeigt, da geht nicht mal mehr ein Pole ran. Also: schlachten und sich über zwei glatte Türen ohne Altersspuren freuen. Zeit haben wir jetzt ja. Die Schober und Scheunen sind voll, das Dach zum Glück wieder dicht, und bevor wir in dieser Zeit des knappen Geldes eine neue Liebschaft eingehen, widmen wir uns besser der alten.

Die Guten sterben zu früh

Das viel zu kurze Leben einer kurzen Flosse: Dieser zerknallte Benz ist ansonsten rostfrei!

Mein bester Kumpel hat tatsächlich seinen zwölfzylindrigen Jaguar E auseinander gerissen, der halbe Motor liegt in tausend Teilen auf dem Boden verstreut, nur weil die Karre einen neuen Krümmer braucht. Wie gut, dass meine Marken Mercedes, Opel und VW heißen, da reicht ein Schlüsselsatz und fester Wille. Engländer fass ich nicht an, nicht mal einen Mini, obwohl der natürlich klassisch ist; doch wenn ich mir anschau, wie da schon der Motor drinhängt, mit dem Verteiler voll im spritzwassergefährdeten Bereich, also, nee ...

Üppig eingefettet ins Frühjahr

So’n Neunmalkluger wollte mir neulich erzählen, einjährige Standzeiten blieben ohne Folgen. Absoluter Quatsch. Wer nicht grad eine beheizte Halle hat, werkelt mehr oder weniger jetzt in Feuchtbiotopen, und an den vollmechanischen Typen der 50er bis frühen 80er Jahre geht manchmal schon nach wenigen Monaten alles fest, vom Radbremszylinder bis zum Gasgestänge.

Ich hab in diesem Sommer Fertan und WD-40 gekauft wie ’ne italienische Nudelmama Olivenöl und genauso damit rumgesaut. (Keine Sorge, ihr beamteten Tröpfchenzähler, ist nix in den Boden gedrungen, hat alles der Hund aufgeleckt.) Üppig eingefettet, funktioniert alles auch im Frühjahr wieder, die Teuro-Teile dieses Sommers liegen mir sowieso Monate im Magen. Fehlt nur der Blick in die Tiefen des Tanks; denn dort wartet eine wahrlich explosive Mischung aus Sauerstoff und Schwitzwasser darauf, in Ruhe zu rosten. Also voll mit Sprit füllen – oder lieber voll leer?

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