Typen, Trends, Termine — 23.01.2003

Die Opel-Schatzkiste von Hannover

Ein Händler gibt auf. Sogar sein Hobby: alte Opel. Gesammelt in Jahrzehnten; geliebt, gehütet in einer konstant beheizten Halle ...

Von Karl Auto Moin, ihr Jäger und Sammler, nix los zurzeit. Die Schnäppchen aus der dritten Reihe beim Gemischtwarenhändler sind vieler Orten eingefroren oder unter einer Schneedecke anonymisiert, der Libanese am Hafen hat auf langweilige frühneunziger Japan-Ware umgestellt, und bei Ebay steht unter "Oldtimer" nur Schrott. Jedenfalls in den kleinpreisigen Kategorien. Also machen wir unser eigenes Programm. Ein Stück aus dem Leben. Es spielt in Hannover, genauer gesagt in Badenstedt, und stimmt leider auch ein bisschen traurig. Dazu gleich mehr.

Ein Geschenk von Ford Deutschland

Mit Thermometer als Kühlerfigur: Chenard-Walcker von 1925, das kostbarste Stück der Sammlung. Unikat. Komplett neu aufgebaut, Preis auf Anfrage.

Vorher noch was Launiges: Kommt tatsächlich der Chefredakteur dieses hochverehrlichten Blattes zu mir, obwohl er doch mit dem Thema Klassik eher weniger am Hut hat. Und was hält er in der Hand? Einen klassischen Ka. Ford Ka. Ausgerechnet. Schüttel. Eigentlich hatte ich die Karre schon vollkommen verdrängt, mindestens sechs Wochen nicht mehr erwähnt, weil sie nun wirklich nicht wichtig ist in meinem Leben. Und dann das: "Ein Geschenk von Ford Deutschland." Ein, zugegeben, gut gemachtes Minichamps-Modell in 1:43.

Mit den besten Empfehlungen vom Chef an Karl Auto. Grins. Nicht schlecht, solch eine Reaktion. Souverän. Danke, Herr Ford, der eigentlich Herr Matthes heißt und wirklich ein netter Kerl ist. Ein Profi sowieso. Außerdem bin ich bestechlich, zumindest durch solche Gesten, und es gibt ja schließlich reichlich andere Scheußlichkeiten der automobilen Moderne. Die Krönung: Toyota Yaris Verso, ein Auto wie ein rollendes Hundeklo. Aber jetzt bitte nicht noch ein Modell.

Exklusiv wie das Mondauto

Rutschen wir lieber nach Hannover und wenden uns dem Modellfall eines engagierten Opel-Händlers zu. Walter Grabert heißt er, seit 1969 kümmert er sich um Opel-Fahrzeuge, vom Ascona A bis zum Zafira OPC. Zum Schluss: "80- Stunden-Woche", ruinöser Wettbewerb, Druck aus der Konzernzentrale, A-Status als Händler perdu, schließlich nur noch 35 Einheiten/Jahr und Abstufung zum Servicebetrieb, also Verkauf.

Geblieben: die Liebe zum Blitz. Neun Mal hat es besonders gefunkt. In der benachbarten und ausreichend temperierten Halle parken sie einträchtig nebeneinander, so unterschiedlich sie auch sind: Kadett A, Laubfrosch, Bitter CD, Olympia 48, Kapitän 56, P2, GT, Manta B und Rekord C. Hinzu kommt ein blaulilafarbener Chenard-Walcker von 1925. Ein Chenard ... was? Auf jeden Fall ein Franzose. Grabert: "Vom Chenard wurden höchstens 20.000 Autos gebaut, 1929 ging die Firma Pleite." Na ja, 20.000? Wohl eher 2000, das war damals schon viel.

Wie auch immer: Gegenwärtig soll nur noch ein einziges weiteres Exemplar dieses schnuckeligen Vierzylinders in der Schweiz existieren. Exklusiver ist wohl nur noch das Mondauto von 1971. Und was muss sie bringen, die kleine zweitürige Limousine mit dem Thermometer als Kühlerfigur? Ja, ja, schon gut: Es gibt keinen Markt, also auch keinen Preis. Auf jeden Fall ist er mindestens so hoch, dass man dafür auch den Rest der Sammlung – exklusive Laubfrosch, der kostet schließlich seine 20.000 Euro – komplett kaufen könnte.

Ein interessantes Angebot mit Olymat

Das, wie ich finde, interessanteste Angebot ist der graue Rekord P2. Ein Auto aus erster Hand mit original Pappdeckelbrief und schöner Patina. "Zirka 3000 Euro" soll der Rekord-Klassiker kosten. Einschließlich Halbautomatik Olymat (kein Kupplungspedal). Und vor allem: Er ist öfter mal bewegt worden, was das Thema Standschäden überschaubar macht. Tja: hinfahren, handeln, aber erst abholen, wenn das Salz von der Straße weggespült worden ist.

Allemal besser als der Klick-Trick mit der Maus im Internet. Das Auktionsfieber hat schon so manchen Käufer erst zum Kochen und danach zum Erbrechen gebracht. Preis-Rekorde sollen die anderen einfahren, hier gibt's saubere Ware zum fairen Kurs: Walter Grabert, Tel. 0 51 03/ 36 33 oder 01 60/ 820 83 87. Viel Erfolg, Euer Karl Auto

Fragen oder Anregungen aus der Szene? Schreiben Sie an: Karl Auto, Redaktion AUTO BILD, Axel-Springer-Platz 1, 20355 Hamburg. Oder: redaktion@autobild.de, Stichwort: Karl Auto

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