Typen, Trends, Termine

Die starke Julia Die starke Julia

Typen, Trends, Termine

— 16.07.2003

Die starke Julia

Sie liebt alte Autos, den starken Auftritt und wilden Ausritt. Julia: Eine Frau fährt ihren Weg.

Wann genau es angefangen hat, weiß Julia Schoedsack (28) selbst nicht. "Das muss ein Kindheitstrauma sein." Die Hamburger Graphikdesignerin liebt Youngtimer. Damit nicht genug: In ihrer Freizeit schraubt sie mit Hingabe an zwei eigenen Exemplaren: einem Opel Monza A2, Bj. 85 und einem Commodore E, Bj. 77. Der Monza ist seit sechs Jahren ihr "daily driver". Fast jedes Wochenende verbringt sie mit Freunden in einer Schrauberhalle in Hamburg-Wilhelmsburg.

Romantik in der Schrauberhalle

Wenn diese Front im Rückspiegel auftaucht, sitzt kein Opa hinterm Steuer. Sondern die starke Julia mit strammen 240 PS statt 160-Serien-Pferdchen.

Die Location bietet Industrieromantik pur: Alte Bäume beschatten eine Sackgasse mit Kopfsteinpflaster, am Ende einer verwitterten Backstein-Anlage werkeln mehrere Youngtimer-Fans auf einem Hof mit Blick aufs Wasser: den breiten Reiherstieg, einen Hafenkanal. Man trifft sich, klönt, im Sommer wird gegrillt. Heute hat Julia Spezialfächerkrümmer mitgebracht. Damit will sie ihren Commodore antreiben: "Der bringt noch mal zehn PS." Der grasgrüne, metallicfarben schimmernde Opel hatte einst 155 PS, 2,8 Liter. Jetzt mobilisiert er 240 PS, übrigens mit Katalysator. Verbrauch: zehn Liter. Oder mehr.

Bizarre Farben, ungewöhnliches Design

Selten aber fährt sie schneller als 220 km/h. "Ich mag das Rumfahren, das ist wie Meditation." Im Auto steckt noch ein original Vierganggetriebe. Doch: "Sobald ich was Geeignetes gefunden habe, kommt ein Fünfganggetriebe rein." Gut, gebraucht und günstig. Das Suchen ist der halbe Spaß.

Einen anderen Commodore, der mal ihr Winterwagen war, hat sie schon geschlachtet: "Das kostet Überwindung, aber man lernt auch viel dabei." Ihr Freund findet das Hobby "ein bisschen komisch" und schüttelt den Kopf, doch das kann sie nicht abhalten. "Autos beein-flussen mich extrem. Wenn ich in einem schrecklichen Auto sitze, krieg ich schlechte Laune."

Ford Fiesta findet sie schrecklich oder Daihatsu Cuore. "Die Wahrnehmung ändert sich natürlich. Einen Taunus 2 von Anfang der 80-er, so mit Türschoner und Schmutzfänger fand ich vor Jahren schrecklich und heute toll!" Sie mag die bizarren Farbkombinationen von damals, das Flair, das ungewöhnliche Design auch im Innenraum. "In meinem Monza ist innen alles eckig, das ist ja im Moment bei Neuwagen völlig out."

Eine weibliche Schraubergemeinschaft ...

Was Ältere bis ans Ende ihrer Tage als gruselige Spießerautos empfinden ("Jeder Popel fährt Opel"), signalisiert für Youngtimer-Fans zwischen 18 und 39 ein ganz anderes Lebensgefühl: Wilder, intensiver soll’s sein. Sie wollen Spaß, surfen, skaten, Musik von elektronisch bis Rock n’ Roll. Sie wollen sich von Gleichaltrigen unterscheiden, die brav Geld auf die hohe Kante legen und Neuwagen als Statussymbol betrachten. Der Trend ist stark männerlastig. Zumindest, wenn’s unter die Haube geht.

"Ich bin immer so’n bisschen allein damit", sagt Julia Schoedsack. Der harte Kern der Wilhelmsburger Schrauber stammt aus Eckernförde: Jugendfreunde, die sich schon vor Jahren lieber mit ihren Youngtimern am Deich oder zu Parkplatz-Partys trafen. Sie ließen sich sogar als Verein eintragen, "Parkplatzraver", gründeten später in Hamburg eine Zeitschrift und sind jetzt auch im Internet vertreten (www.motoraver.de).

Meist arbeiten sie zu mehreren an einem Auto. Jeder hat seine Stärken. George, der Oberschrauber, studiert Maschinenbau und weiß immer eine Lösung. Aber manchmal erklären die Jungs Julia auch, was sie gar nicht erklärt haben will. "Mehr Frauen", sagt sie, "eine weibliche Schraubergemeinschaft – das wär was Schönes."

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