Unfallrisiko bei Oldtimern

Mercedes 230 SL Pagode nach Auffahrunfall. Mercedes 230 SL Pagode nach Seitenaufprall.

Unfallrisiken bei Oldtimern

— 10.06.2009

Kulturgut als Killer

Bei einem Unfall in einem Oldtimer ist das Todes- und Verletzungsrisiko 30 Prozent höher als in einem modernen Auto. Das haben Unfallforscher in der weltweit ersten Studie zu Oldtimerunfällen herausgefunden.

Kulturgut Auto: Zunehmend wird den Menschen bewusst, dass Oldtimer ein Stück Geschichte sind, die zu erhalten sinnvoll ist. Doch Erhaltung heißt auch, sie zu fahren – im Straßenverkehr der Gegenwart, der auf die Klassiker wenig Rücksicht nimmt. Das heißt: Wer korrekt Abstand hält, muss oft erleben, dass sich andere Autofahrer hemmungslos in die Lücke drängeln. Oder sie überholen auf riskante Weise, weil sie das Beschleunigungsvermögen des Klassikers falsch einschätzen. Doch bisher blieb weitgehend unbekannt, wie gefährlich die Oldie-Tour im Verhältnis zum Fahren mit einem modernen Pkw ist. Die Unfallforschung der Allianz Versicherung AG hat nun in einer Studie erstmals das Unfallrisiko am Steuer von Oldtimern untersucht. 450 Schadenfälle bei Klassikern wurden in die Erhebung aufgenommen, die Unfallforscher des Allianz Zentrum für Technik (AZT) untersuchten jedes Vorkommnis akribisch.

Verletzungsrisiko im Oldtimer viel höher

Beim Fahrsicherheitstraining für Oldtimer kann man den Ernstfall mit proben.

Dabei kam als wichtigstes Ergebnis heraus: Wer am Steuer eines Oldtimers sitzt, hat – rein statistisch gesehen – ein elfmal geringeres Risiko, in einen tödlichen Unfall verwickelt zu werden, als am Steuer eines modernen Pkw. Das liegt zum einen an der Sorgfalt vieler Klassikerfans, die ihre Fahrzeuge relativ vorsichtig durch den Straßenverkehr bewegen. Auch sind Oldtimerfahrer im Durchschnitt älter als Autofahrer, haben allgemein also mehr Erfahrung. Regelmäßig zeigen Statistiken der Versicherer, dass die meisten Unfallrisiken von jungen Autofahrern ausgehen. Allerdings steigt das Risiko deutlich, setzt man die Unfallzahlen mit den jährlichen Kilometerleistungen ins Verhältnis: Würden Oldtimerfreunde mit ihren Blechlieblingen jährlich zehntausende Kilometer fahren, wäre ihr Unfallrisiko kaum niedriger. Doch die meisten legen nur durchschnittlich 1500 Kilometer pro Jahr zurück, noch dazu vorwiegend im Sommer.

Wenig Unfälle dank geringer Fahrleistung

Viele Klassiker-Crashs sind Auffahrunfälle. Hier erwischte es einen Mercedes 230 SL (Foto: Allianz).

Kommt es allerdings zu einem Unfall, bieten Oldtimer sehr schlechten Schutz: Aufgrund der veralteten Technik und des Fehlens moderner Sicherheitseinrichtungen wie ABS, Airbag oder ESP sind Oldtimerfahrer beim Crash einem um 30 Prozent höheren Todes- oder Verletzungsrisiko ausgesetzt. In der Realität kommt es jedoch selten zum Schlimmsten; so gab es 2005 und 2006 nur fünf Tote bei Klassiker-Crashs. Viel häufiger ereignen sich Remplern beim Rangieren und Rückwärtsfahren, weil die Abmessungen des Fahrzeuges ungewohnt sind – das zeigt, dass Probleme zumeist davon herrühren, dass es an Fahrpraxis mit den Schätzchen mangelt.

Bremswege erheblich länger

Schwere Schäden ereignen sich nach Erkenntnis der Allianz-Unfallforscher vorwiegend bei Auffahrunfällen, die oft eine Folge der schlechteren Bremsen sind. Ein Auto, das in den 60er-Jahren gebaut wurde, hat aus 80 km/h bis zum Stillstand einen fast doppelt so weiten Bremsweg wie ein moderner Wagen. Bei Vorkriegsmodellen kann die Strecke von Tempo 80 bis zum Stopp sogar viermal länger sein. Sogar in den 70er-Jahren wurden noch vielfach Trommelbremsen ohne jegliche Servo-Unterstützung verbaut. Hinzu kommt mitunter auch übergroße Vorsicht des Chauffeurs: Aus Sorge, die diffizile Technik zu beschädigen, werde mitunter zu vorsichtig gebremst; das führt dann oft erst zum Auffahrunfall. Hier kann ein spezielles Fahrsicherheitstraining helfen. Auch technische Mängel sind häufige Unfallursachen. Im Vergleich zum Pkw-Unfall ist ein technischer Defekt zehnmal so häufig ursächlich für einen Oldtimer-Unfall. Regelmäßige Kontrollen sind also gerade beim automobilen Kulturgut lebenswichtig.

Autor: Roland Wildberg

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