Die coolsten US-Cars aller Zeiten

US-Cars aus sechs Jahrzehnten

— 28.07.2015

Die coolsten Ami-Schlitten aller Zeiten

Sieben US-Klassiker aus sechzig Jahren, darunter gute und böse Typen. Ein Blick auf die coolsten US-Cars, der manches angestaubtes Ami-Klischee widerlegt.

Sprintduell der Pony-Cars: Chevrolet Camaro gegen Ford Mustang.

Ein cooles US-Car hat acht Zylinder, Hubraum ohne Ende, ausufernde Außenmaße und wiegt einige Tonnen. Soweit herrrscht Übereinstimmung. Die Frage aber nach den coolsten US-Cars  lässt sich nicht so leicht beantworten. Wir machen's trotzdem. Hier gehen sieben US-Cars aus sechs Jahrzehnten an den Start. Eine Auswahl, so bunt wie eine Kiste Hot-Wheels-Spielzeugautos. Für Muttis und Söhne, für Cops und Outlaws. Mit dabei: eine verdammt schnelle Bastelbude, ein Straßenkreuzer, der die Zeitgrenze durchbrechen sollte. Dazu zwei miteinander verfeindete Ponys, ein seltener Riesenkombi, ein irrlichternder Technologieträger, der mit seinen Klappscheinwerfern nach Europa schielte – und schlließlich ein Streifenwagen. Tun wir mal so,als kostete die Gallone Sprit immer noch 31 Cent, wie 1957. Hier kommen die coolsten US-Cars aller Zeiten!

Angriffslustiger Amerikaner

Chevrolet Camaro LT 350 V8 Chevrolet Camaro LT 350 V8 Chevrolet Camaro LT 350 V8

Zwischen Purist und Puritaner: Der Hot Rod

Der modifizierte Ford in voller Fahrt: Festhalten!

Früher war's einfach: Drauftreten, dass die Erde bebt! Ein Old-School-Rod kommt mit möglichst wenig aus: Starrachsen, nacktes Blech (auch die Sitze), wenig Glas, keine Dämmung, dazu Ford-Flathead-V8 oder Chevy Small Block. Ein solches Auto ist roh, ein­fach, sehr persönlich und unvermittelt. Es schenkt einem nichts, aber es öffnet sich auch vorbehaltlos. Es ist nicht unterwürfig wie heutige Autos, sondern fordernd. Und beherrscht damit etwas, was nur wenige Oldtimer hinbekommen: Es führt die Insassen zurück zu der Essenz des Fahrens.

US-Cars zum Abgewöhnen: Die grausigsten Amis

AMC Pacer Pontiac Fiero Ford Mustang III
An diesem Punkt wird es wieder ganz einfach: Jeden Meter Strecke und jede Vibration der Kur­belwelle kann man spüren, Lenkrad und Gang­schaltung müssen gleichermaßen ent­schlossen wie feinfühlig behandelt werden. Der Wind pfeift, die Auspuffrohre noch viel mehr, die kleinen Signale der Ach­sen wollen richtig gedeutet werden. Und wenn es schnell gehen soll, dann heißt es aufpassen – der Rod verlangt die Zuwendung einer Diva, aber er gibt mehr zurück, als un­terwegs verarbeitet werden kann. Das ist echtes Autofahren! Der amerikanische Ur-Hot-Rod ist eine kulturelle Glanzleistung ohne bekannten Erfinder – so wie Schere, Hosenknopf oder Streichholz. Er ist bis heute einflussreich, auch wenn sich sein Einfluss nur unterschwellig zeigt.

Carlos Kella Buchprojekt: US-Cars und heiße Girls

Carlos Kella Buchprojekt: US-Cars und heiße Girls Carlos Kella Buchprojekt: US-Cars und heiße Girls Carlos Kella Buchprojekt: US-Cars und heiße Girls

Plymouth Belvedere – seiner Zeit voraus

Nie wieder schnürt Daddys Straßen­kreuzer modischer durch die Suburbs, als 1956 der Plymouth Belvedere (oben im Bild) kommt. Allein die seitlichen Zierpanels aus eloxiertem Alu sind der Silhouette einer Concorde im Sinkflug nicht unähnlich. Nur, dass es damals die Concorde noch nicht gibt. Wer anständig verdient, kann sich so einen Belvedere leisten: als Sedan (Limousine) mit zwei oder vier Türen, Hardtop-Coupé, als familien­freundlichen Suburban oder als Conver­tible mit elektrischem Verdeck. Gern in Pastelltönen wie "Coral", "Sunflo­wer Yellow" oder "Misty Green" und mit mindestens sechs Zylindern. Wer die Viertelmeile in 16,5 Sekunden pa­cken will, greift ab Januar 1957 zum 290 SAE-PS starken High-Perfor­mance-Submodell namens Fury (bekannt aus dem Film zu Stephen Kings Roman "Christine").

Die coolsten US-Cars der sechziger Jahre

Chevrolet Corvette Sting Ray Buick Riviera Shelby Cobra 427
Amerikas Benzinblüter lieben den 5,2-Liter-Gusseisen-V8, schärfen ihn tau­sendfach nach. Faire 146 Dollar Auf­preis kostet der Fury-V-800-Motor samt "Super-Pak": Carter-Vier­fachvergaser, Hochleistungsnocken­welle, Doppelauspuff, 250 SAE-PS.Zusammen mit neu konstruierten Blattfedern der hinteren Starrachse be­schert "Torsion-Aire" den Chrysler-Mar­ken einen Handling-Vorsprung, den der kleinste der "Big Three" bis weit in die 1970er-Jahre verteidigen kann. Die Zeitschrift "Motor Trend" feiert den Plymouth da­mals als das Auto mit dem landesbesten Fahrverhalten. Warum, lässt sich heute noch spüren: Bei erhöhter Spritzufuhr geht das rote Cabrio sanft in die Hocke, neigt sich kaum in Kurven. Scharf gebremst, tau­chen die Vorderräder niemals ge­fährlich ein – ein Riesenfortschritt in einer Zeit, als die US-Autoindustrie knieweiche Fahr­werke zum Standard und Atomantrieb zum Zukunftstraum erklärt. Dann doch lieber Benzin verbren­nen, wenn es auch mal 20 Liter sind: 461 Newtonmeter stemmt der Rote bei lässigen 2800 Touren auf die Kurbel­welle. Die Servolenkung (77 Dollar) arbeitet so exakt, dass es genügt, wenn der Fahrer mit der Linken sachte das rot-weiße Lenkrad wiegt. Rock'n'Roll ist im Belvedere Serie.

Pferdewagen: Ford Mustang gegen Chevrolet Camaro

Der Pony-Car-Krieg beginnt am 28. Juni 1966, als General Motors das Geheimnis um den Namen des Autos mit dem Code XP-836, das dem Mustang Paroli bieten soll. Das Auto soll "Camaro" heißen. Als einer der Journalisten fragt, was denn ein Camaro sei, lautet die Ant­wort der Produktmanager: "Ein kleines, böses Tier, das Mustangs frisst." Tatsäch­lich stammt der Name aus dem Fran­zösischen und bedeutet so viel wie "Freund" oder "Kamerad". Hinterm Lenkrad des Mustang nimmt der Fahrer wie von selbst eine lässige Hal­tung ein. Die Kupplung greift spät, was bei der Power nicht stört – bereits bei 3200 Touren liegen grizzlybärige 579 Newton­meter an. Dass unterm Blech der ordinäre Falcon steckt, ist dem Kampf­preis geschuldet. Wie das ein oder andere Spaltmaß. Das Big-Block-Brabbeln macht es wett. Und wehe, wenn diesen 320-PS-Gaul der Hafer sticht: 7,4 Sekunden dauert es von null auf 96 km/h. Was der Stang nicht mag, sind enge Kurvenradien. In die muss der Fahrer ihn hineinquälen. Und höllisch aufpassen, dass ihn beim ersten Gasstoß nicht die trampelnde Starrachse überholt. Die Alternative: wie Lieutenant Frank Bullitt durch die Kurve driften.

Musclecars: V8-Kracher im Überblick

Ford Mustang Saleen Chevrolet Camaro
Und der Camaro? Kaum zu fassen, dass Styling-Chef Bill Mitchell ihn nicht mochte: aggressive Front, muskulöse Haube mit Lufteinlässen, "Bumblebee"-Rennstreifen, flaches Dach, knackiger Hintern – das ist einfach sexy. Vor allem als Camaro SS 396 mit RS-Option und  nachgeschärftem 6,5-Liter-Turbojet samt Holley-Vierfachvergaser und Edelbrock-Nockenwelle bringt der Camaro jede Reifensorte zum Schmelzen. 375 PS drücken die Insassen in den Pepita-Stoff der Bucket Seats. Im Leerlauf bullert der Chevy wie eine Hafenbarkasse, dreht dann entschlossen hoch wie ein NASCAR-Ren­ner. Noch brutaler als der Ford: 6,8 Sekun­den von null auf 96 km/h, gefühlt sind es dreieinhalb. Die Schaltung arbeitet einen Tick präziser als die Mustang-Box, das här­tere Fahrwerk der Super-Sport-Option macht den Camaro zum Fahrerauto. Mustang gegen Camaro – eigentlich Feinde fürs Leben. Bis zum Jahr 2014, als der Camaro artig mit einer Zeitungsannonce zum 50. Geburtstag des Mustang gratuliert.

Angriffslustiger Amerikaner

Chevrolet Camaro LT 350 V8 Chevrolet Camaro LT 350 V8 Chevrolet Camaro LT 350 V8

Ein Schiff wird kommen: Chrysler Town & Country

Wahre Größe: Der Chrysler Town & Country mit geöffneter Heckklappe.

1974. Chrysler stellt seinen neuen Town & Country vor, im Grunde die Kombiversion des New Yorker. 5,77 Meter lang, zwei Meter breit, 1,50 Meter hoch, leer 2,3 Tonnen schwer, 7,2-Liter-Big-Block-V8 unter der Haube. 6244 Dollar kostet der Riese, nach damaligem Kurs rund 15.400 Mark. Ungefähr so teuer ist in Deutsch­land der Opel Rekord Caravan L 2000 S, das Top-Kombimodell der Baureihe. Nur dass der Opel im Vergleich zum Chrysler so winzig wirkt wie Sammy Davis jr. neben einem Basketballspieler. Genauer hingeschaut: Von außen betrachtet ist ist das Schiff schlicht Ehrfurcht gebietend. Allein die Plas­tikholz-Folie auf den Flanken reicht gefühlt aus, um mindestens drei Klein­wagen komplett einzuwickeln. Die massive Kofferraumtür hängt schwer wie eine Tresortür in den Angeln und schwingt weit nach links auf. Genial ist die Variabilität: Auf der dritten Sitzbank finden drei Personen Platz. Versenkt man sie im Ladeboden und legt auch noch die Lehne der mittleren Bank um, wird der Town & Country-Laderaum zum Grand Canyon. Wenige Handgriffe und ein ge­nialer Faltmechanismus genügen, und das Gepäckabteil misst der Länge nach knapp 2,50 ebene Meter. Ein echter Lademeister! Auch der Spritverbrauch liegt auf Lastwagenniveau.

Ein europäischer Sportwagen aus den USA: Chevrolet Corvette C4

Ein Hauch von Testarossa: Die flache Front der Corvette C4.

Der Kreis an Liebhabern ist überschaubar, die Zahl an guten Originalfahrzeugen mitt­lerweile ebenfalls, das Preisniveau düm­pelt seit Jahren im Keller. Man könnte meinen, die Rede ist vom Opel Manta. Dabei geht es um die Corvette C4 – sie hätte mehr Wertschätzung verdient. Nicht nur weil sie die erste Corvette war, die – auch mit europäischen Augen betrachtet – als kompetenter Sportwagen durchging. Sondern auch weil sie innerhalb der Bau­reihe den größten Technologiesprung ver­körpert. Mit der C4 wagt General Motors 1984 einen bizarren Spagat zwischen techni­schem Altertum und automobiler Zukunft. Querblattfedern vorn und hinten irritieren Europäer, Schmiernippel an der Vorderachse verlangen regelmäßig nach der Fettpresse. Auch der V8 mit seiner tief im Herzen seines gusseisernen Blocks rotierenden Nockenwelle ist ein Stück antiker Maschinenbau. Doch unter der Kunststoff-Karosserie treibt eine Vielzahl elektronischer Steuergeräte ihr Unwesen.

Unter Wert gehandelte Klassiker: Achtung, Schnäppchen-Alarm!

Corvette C4 Cabrio Corvette C4 Cabrio Corvette C4 Cabrio
Erstmals war damit eine Corvette nicht nur geradeaus oder in den Nudeltöpfen der Rennserie NASCAR schnell, sondern konnte auch durch Kurven pfeffern wie ein Porsche – was man in ihrer Heimat euphorisch und in der Alten Welt mit einer Mischung aus Überra­schung und Bewunderung registrierte. Das damals schnellste Auto Ame­rikas verkraftete mit 0,9 g eine Querbeschleunigung, die europäische Kon­struktionen übertraf. Dass hier ein echter Konkurrent für das Establish­ment herangewachsen war, konnten nun selbst anspruchsvolle deut­sche Tester nicht mehr leugnen. Allerdings schleppte die C4 auch Hypotheken mit: eine Verarbeitungsqualität, die keinen gesteigerten Drang zur Perfektion erken­nen lässt. Und einen bei schwerem Gasfuß dramatisch hochschnellenden Spritver­brauch. Kommt man beim Cruisen – besonders mit dem ab 1990 angebotenen Sechsgangschalter – problemlos auf Werte mit einer Elf vorm Komma, düst bei beherzter Gangart auch schon mal das Doppelte durch die "Tuned Port In­jection".

Vieltopf-Klassiker: Schnäppchen mit V8-Motor

BMW 540i (E34) Chevrolet Camaro LT 350 V8 Rover Vitesse SD1

Cab oder Cop? Chevrolet Caprice

Keine Chance für böse Buben: Chevrolet Caprice C91.

Wie die Gondeln zu Venedig gehörten die Chevrolet Caprice "Yellow Cabs" in den Neunzigern zu New York. Im Gedränge zwischen Bronx und Staten Island reicht der Fünf­liter-V8 mit 170 PS völlig aus, denn er läuft zur Not auch ein paar Tage ohne Öl und Was­ser. Die zerstörerischen Kräfte maroder Straßen versacken im Heavy-Duty-Fahr­werk und der schweren Rahmenkonstruk­tion des 5,43 Meter langen Chevy. Auch die Cops fahren Caprice. Im Schleichgang durch dunkle Viertel, auf leisen Sohlen um den Block, auf Verfolgungsjagd über den Highway. Der Caprice der Jahre 1991 bis 1996 ist der Letzte sei­ner Art, das Ende einer Epoche. Nüchtern betrachtet ist er aber schon als Neuwagen ein Anachronismus. Das liegt an seiner Uralt-Konstruktion: Die Karosserie sitzt auf einem separaten Leiterrahmen, unterm Heck rollt eine angetriebene Starrachse, und unter der Haube arbeiten V8. Mit der Zeit wurde der Caprice vom Top-of-the-Line-Modell der GM-Einsteigermarke Chevrolet zum Konsum­gut, das im Vorbeigehen gekauft wird. Ein großer Wagen zum ver­nünftigen Preis. Typen wie Opel Rekord, Ford Taunus und VW Passat sind ihm we­sensverwandt, aber deutlich moderner.

Amerikanisches Chrom-Geflügel

Cadillac Eldorado Biarritz ('59) Cadillac Eldorado Biarritz ('59) Custom 1957 Oldsmobile
In Amerika standen Caprice lange in jeder Straße und vor jedem zweiten Motel. Von der viertürigen Hardtop-Limousine bis zum Cabriolet reichte einmal das Angebot. 1991, zum Start der vierten Ge­neration, sind noch Limousine und Kombi übrig. Autos für Normalkunden werden bei 175 km/h abgeregelt, nur die Polizei im 9C1-Caprice fährt 230 Sachen. Ein Overdrive-Getriebe gehört dazu, damit dreht der 5,7-Liter-Motor bei Höchstgeschwindigkeit nur knapp 2400 mal pro Minute und spart so ordentlich Sprit. Gäbe es keine XXL-Fernsehsessel-Sitze und große Cupholder im Hartplastik der Armaturen­landschaft, die letzten Vorurteile von der Ami-Schaukel wären dahin. Es gibt US-Car-Fans, die wollen keinen Caprice mit LT1-Motor oder Impala SS, obwohl er ein 9C1 in Zivil ist. Sie suchen das Cop Car, weil der fette B-Body-Caprice eines der letzten Abenteuer der US-Auto­industrie darstellt, ein Muscle Car in Uniform. Das ist wohl die Suche nach einem Überbleibsel der Vergangenheit. Zum Taxidienst in New York treten mittlerweile Nissan-Vans an.

Die coolsten US-Cars aller Zeiten

Autoren: Lukas Hambrecht, Peter Michaely, Martin G. Puthz, Jan-Henrik Muche, Till Schauen

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.