US-Import von Gebrauchtwagen und Oldtimern

US-Import von Gebrauchtwagen und Oldtimern

— 02.12.2010

Darauf sollten Sie achten!

Vor dem Kauf eines Autos aus den USA stehen viele Fragezeichen. Das Internet hat vieles einfacher gemacht, aber der Automarkt "drüben" funktioniert anders als in Deutschland. Transport, Zulassung? Was tun? 20 Fragen und Antworten.

Am Anfang steht immer der Wunsch, ein Auto aus den USA zu importieren. Aber für wen lohnt es sich überhaupt, ein Auto in Amerika zu kaufen? Nur für V8-Fans? Ganz klar: nein! Es geht eher um spezielle Modelle oder Ausstattungsvarianten, die in Europa gar nicht oder in den USA erheblich günstiger angeboten werden. So sind ein Automatikgetriebe oder eine Klimaanlage in Europa meist aufpreispflichtig, in den USA aber Standard. Der Kauf eines Gebrauchtwagens lohnt sich besonders, da seit 2007 Neuwagen nicht mehr direkt exportiert werden dürfen und deshalb diverse Zusatzkosten anfallen, zum Beispiel Umsatzsteuer (Sales-Tax), Händler-Gebühren und Zulassung. Bei Gebrauchtwagen sind diese Kosten alle schon eingepreist. Womit wir bei der ersten Frage wären.

1. Selbst kaufen oder importieren lassen?
Grundsätzlich lohnt sich der Selbst-Kauf nur, wenn man den Ärger mit Firmen und Behörden auf sich nehmen möchte und gut englisch sprechen kann. Unterm Strich ist der Kauf bei einem Importeur – abhängig vom Modell – meist nicht viel teurer, in der Regel stressfreier und durch die Händlergarantie immer sicherer, denn für amerikansiche Gebrauchtwagen gibt es in der Regel keine weltweite Herstellergarantie und somit keine Nachbesserung bei Rückrufaktionen. Das kann bei neuen Autos teuer werden.

2. Wie finde ich passende Angebote? Und wo die richtig guten?
Der Automarkt in den USA ist stark von lokalen Angeboten geprägt. Anzeigenblätter wie  "Auto-Trader" oder "Hemmings" sind der erste Anlaufpunkt. Die Anzeigen werden zeitversetzt auch online gestellt (cox-automart.com / hemmings.com ). Spannend könnte auch ein Besuch bei "Craigslist" (craigslist.org ) sein. Für Oldtimer oder spezielle Fahrzeuge sollte man im Internet eine Fan- oder Club-Seite zum gesuchten Modell suchen und die Linkempfehlungen durchgehen. Grundsätzlich sind solche Foren immer die beste Quelle für preiswerte Angebote. Alternative: die "Auto-Flohmärkte" und Treffen, die an vielen Wochenenden stattfinden. Eine der bekanntesten Veranstaltungen an der Westküste ist das Pomona-Swap-Meet in einem Vorort von Los Angeles (pomonaswapmeet.com). Bedingt durch den Bekanntheitsgrad versuchen dort viele Europäer Autos und Teile zu kaufen. Den Preisen tut das nicht gut, sie sind eher hoch.

3. Lieber von privat kaufen oder beim Händler? Oder gleich bei eBay?
Oldtimer kauft man besser von privat. US-Händler sind sehr speziell im Umgang. Das muss man mögen und hart verhandeln können. Aus der Erfahrung heraus sind Angebote auf Ebay tendenziell eher überteuert, da die ganze Welt mitbieten kann. Die Zustandsbeschreibungen sind meist Makulatur.

4. Ein Auto kaufen, ohne es gesehen zu haben: Wie groß ist das Risiko?
Das Risiko steigt mit dem Fahrzeugalter dramatisch. Autos, die älter sind als fünf Jahre, oder sehr teure Wagen würde ich persönlich nicht unbesehen kaufen. "Billige" Autos sollte man nie unbesehen kaufen, denn die haben garantiert einen Haken. Die Frage ist, ob man damit leben kann, oder es bei Oldtimern ohnehin im Rahmen einer Restauration ändern wollte. Amerikaner nutzen ihre Autos als Gebrauchsgegenstand. Kratzer, Dellen oder eine ausgeschlagene Lenkung spielen für sie keine Rolle.

5. In welcher US-Region gibt es rostarme Klassiker?
Noch vor einigen Jahren war das Angebot an guten Autos in den klimatisch begünstigten Regionen besonders hoch, also Süd-Kalifornien, Arizona und Texas. Das wussten nicht nur die Amerikaner, sondern auch Käufer aus Übersee, und so wurden diese Regionen quasi leergekauft. Heute findet man in Kalifornien viele Autos aus anderen Regionen der USA, da heißt es aufpassen.

6. Was ist ein Carfax-Report? Warum ist er unverzichtbar und wo bekommt man ihn?
Hat das gewünschte Fahrzeug eine 17-stellige Fahrgestellnummer (ab ca. 1981), dann kann man über die Webseite von Carfax Europe einen Carfax-Report anfordern, der aus über 20.000 Quellen in den USA Informationen zu dem Fahrzeug zusammenträgt. Dazu gehören neben der Überprüfung der Unfallfreiheit auch Reparaturen, Abgasuntersuchungen, Halterwechsel, Umzüge, etc. Meist lässt sich damit auch der Meilenstand grob nachvollziehen. Die 25 Euro lohnen sich eigentlich immer und geben ein wenig vom Leben des Fahrzeuges preis.

7. Wie viel Zeit braucht man für die Suche?
Neuere Autos gibt es wie Sand am Meer. Da findet man sicherlich etwas passendes in drei bis vier Tagen. Für Youngtimer und Oldtimer muss man sich länger Zeit nehmen. Eine Woche reicht da meist nicht aus. Mindestens zehn Tage sollte man da schon einkalkulieren, damit man an zwei Wochenenden suchen kann. Merke: Die Anzeigenblätter kommen fast immer freitags oder samstags raus, und die Treffen/Märkte finden meist am Sonntag statt.

8. Bargeld, US-Konto oder Reisescheck: Wie bezahle ich ich am besten?
Am besten natürlich mit Bargeld, aber Vorsicht, denn Beträge über 10.000 Dollar müssen beim Zoll angemeldet werden. Um ein US-Bankkonto zu eröffnen, muss man eine Adresse vor Ort haben, also einen zuverlässigen Bekannten oder Verwandte. Die Einrichtung und der Transfer des ersten Geldes dauern ein paar Tage, so gesehen ist das also eher eine Lösung für den nächsten Urlaub oder das zweite Auto. Von Reisechecks in großen Mengen ist abzuraten. Viele Händler, aber auch Privatleute lassen sich auf eine Bar-Anzahlung (bis zehn Prozent) ein, das restliche Geld schickt man dann per Blitzüberweisung direkt auf deren Bankkonto. Dieses Vorgehen sollte vorher aber mit der eigenen Bank geklärt werden.

9. Welche Papiere muss der Verkäufer aushändigen?
Eigentlich nur den US-Title, ein farbiges Blatt Papier. Immer darauf achten, dass links unten keine "lien-holder" eingetragen sind, also der Wagen frei von Besitzrechten Dritter ist und alle eingetragenen Halter (bei Ehepartnern stehen häufig beide im Title) dem Verkauf zustimmen (1. Unterschrift). Ebenfalls nötig: Kilometerstand eintragen (bzw. "unbekannt" angekreuzen) und bestätigen (2. Unterschrift), sowie rechts unten der Übertragung zustimmen (3. Unterschrift).


10. Wie finde ich eine passende Spedition oder einen Abwickler vor Ort?
Es gibt in Deutschland diverse Speditionen und Agenturen, die ihre Dienste anbieten. Die meisten inserieren in einschlägigen US-Car-Magazinen (z.B. Chrom & Flammen). Übers Internet findet man diverse ausgewanderte Deutsche, die ihre Hilfe vor Ort anbieten und dann auch eine Spedition mit im Paket haben. Sind diese vertrauenswürdiger? Am besten im Internet nach Erfahrungen fahnden, aber nicht gleich von negativen Beiträgen abschrecken lassen. Machen Sie sich ein eigenes Bild, und schätzen das Risiko ein. Mein Tipp: Den Abwickler vor Ort als "Fremdenführer" buchen und gemeinsam suchen. Das Geld ist gut investiert.

11. Ro-Ro-Transport oder Container?
Roll-on-roll-off-Transporte sollte man nur mit neueren, zuverlässig fahrenden Fahrzeugen in Betracht ziehen, denn die Wagen werden auf die Schiffe gefahren und wieder herunter. Dass mit den Fahrzeugen nicht immer zimperlich umgegangen wird, können Sie sich vorstellen. Bei älteren Fahrzeugen bietet sich ein Container-Transport an. Da gibt es die "Luxusvariante", wo in einen 40-Fuss-Container (ca. 12 Meter lang) nur zwei Fahrzeuge verstaut werden. Beim "Holztransport" werden Holzrampen in den Container eingebaut und bis zu vier Fahrzeuge transportiert. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit von Transportschäden natürlich größer.

12. Wie teuer ist der Transport vom Kaufort an die Küste?
Durch die auch in den USA gestiegenen Sprit-Preise muss man aktuell 1,20 bis 1,40 Dollar pro Entfernungsmeile rechnen. Steht der Wagen weiter als 150 Meilen vom nächsten Hafen entfernt, lohnt es sich durchaus, den Wagen selbst zum Hafen zu fahren.

13. Gibt es einen Schutz vor Transportschäden?
Viele Speditionen bieten eine "total loss"-Police (das Schiff geht unter) für ca. ein Prozent des Fahrzeugwertes an. Dann gibt es noch "limited warranty"-Verträge für grobe Fahrlässigkeit (Rampenkonstruktion im Container bricht zusammen; Ausladung mit dem Gabelstapler) für ca. zwei Prozent des Fahrzeugwertes an. Also ganz genau die Versicherungsbedingungen lesen, sonst bleibt man trotz Versicherung auf Schäden sitzen, den die Vertragspartner sitzen meist im Ausland und langwierige Rechtsstreite lohnen nicht. Kratzer und kleinere Beulen sind allerdings nicht versichert. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann eine "all risks"-Versicherung abschließen, quasi eine Vollkaskoversicherung, die aber je nach Alter des Fahrzeuges ein kleines Vermögen kostet.

14. Wie lange dauert es, bis das Auto in Europa ankommt?
Von der Ostküste ca. 14 Tage, aus Texas etwa drei Wochen, von der Westküste gut einen Monat.

15. Warum ist Rotterdam der beliebteste Umschlagplatz für US-Car-Importeure?
Neben der reinen Masse an Fahrzeugen, die dort ankommen, gibt es aktuell noch zwei Ausnahmeregelungen bei der Verzollung. Ist ein Fahrzeug nachweislich älter als 30 Jahre, entfällt der Zoll und man zahlt wie in Deutschland 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer. Dies gilt aber nur für Privatpersonen. Außerdem werden Lkw, die dem persönlichen Gebrauch dienen, also z.B. Pickups und SUV, als Pkw versteuert.

16. Was kosten Zoll, Steuer und so weiter?
Der Zollwert wird aus Fahrzeugpreis zuzüglich Transportkosten gebildet. Für Pkw beträgt der Zollsatz zehn Prozent, für Lkw 22 Prozent (dazu gehören unter Umständen auch Pickups und SUV; also vorher unbedingt beim Zoll nachfragen!). Die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent wird auf die Gesamtsumme aus Zollwert und Zollbetrag berechnet. In den weiterführenden Links in der rechten Spalte dieses Artikels, finden Sie einen Importkalkulator.

17. Was passiert, wenn ein Betrugsversuch beim Zoll auffliegt?
Viele Käufer versuchen den Kaufpreis bei der Verzollung niedriger anzugeben, indem sie sich zwei Kaufverträge ausstellen lassen. Die Zöllner wissen aber ganz genau, was die Fahrzeuge wert sind und unterstellen gegebenenfalls Zollbetrug. Dann wird der Wert des Fahrzeugs durch den Zoll neu festgesetzt. Und eventuell Strafanzeige gestellt gegen Sie. Also: gar nicht erst drüber nachdenken.

18. Welche Umrüstungen fordert der deutsche TÜV?
Grundsätzlich sind Umbauten an der Beleuchtung notwendig (US-"sealed-beam"-Scheinwerfer sind nicht zulässig; keine roten Blinker; Trennung von Blink- und Bremslicht) und der Tempo-Anzeige (Anbringung einer km/h-Skala) sowie entsprechende Abgasgutachten vorzulegen. Am besten vorab mit dem TÜV (im Osten die DEKRA) sprechen und die notwendigen Umbauten abstimmen. Speziell die Abgasgutachten können zum Problem werden, wenn nicht schonmal ein baugleiches Fahrzeug zugelassen wurde und ein Einzelabgasgutachten kann schnell bis zu 1500 Euro kosten.

19. Woher kommen die Daten für deutsche Autopapiere?
Bisher war es insbesondere bei Oldtimern möglich, aus alten Produktionsunterlagen, Verkausprospekten und Auto-Büchern die notwendigen Informationen für den Fahrzeugbrief zusammenzustellen. Dies ist nun nicht mehr zulässig, und die Sachverständigen-Organisation sucht sich die notwendigen Infos selbst zusammen und stellt die Recherchekosten in Rechnung. Im Zweifel vorab beim TÜV Augsburg (Abteilung Internationale Gutachten) anfragen, ob ein Datenblatt erstellt werden kann (Kostenpunkt bislang ca. 80 bis 100 Euro). Bei jeder Zulassung prüft das KBA, ob der Wagen als gestohlen gemeldet wurde. Früher musste man explizit eine Auskunft einholen (was bis zu vier Wochen gedauert hat), um den Wagen zuzulassen. Dies passiert nun automatisch in der Zulassungsstelle.

20. Wie viel kostet die Vollabnahme?
Das kommt auf die Anzahl der Ausnahmegenehmigungen, das notwendige Abgasgutachten, die Beschaffung der Fahrzeugdaten und ein gegebenenfalls notwendiges Oldtimer-Gutachten an. 500 Euro bei Oldtimern und 2000 Euro bei neueren Fahrzeugen sind häufig nicht die Obergrenze. Nehmen Sie früh Kontakt zur lokalen Prüfstelle auf, damit es später keine bösen Überraschungen gibt und der günstige Import zum Euro-Grab wird.

Fazit von US-Import-Experte Jens Wilde

Es gibt viele Fallstricke beim Autokauf in den USA, aber das Risiko ist kalkulierbar, wenn man sich vorher möglichst umfassend informiert. Dann wird man in der Regel mit einem preiswerten Fahrzeug belohnt – und nicht für Gutgläubigkeit oder Nachlässigkeiten vor dem Kauf bestraft. Wie es mir so ergangen ist im Laufe der Jahre, können Sie auf der Webseite carsfromusa.de nachlesen. Dort finden Sie auch einen Import-Kalkulator.

Autor: Jens Wilde

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