Verschollener Prototyp Porsche 989

Verschollener Prototyp Porsche 989

— 15.07.2016

Das ist Panameras Papa

1991 stoppte Porsche in letzter Minute den 989 – einen viertürigen Elfer. AUTO BILD trifft den Prototypen und Urahn des neuen Panamera.

Video: Prototyp Porsche 989

Panamera trifft seinen Papa

Mit der Historie ist es so eine Sache. Klar, ein gutes Elternhaus hilft ungemein beim Start ins Leben. Porsche hingegen hat die eigene Herkunft fast in den Ruin getrieben. Ende der 80er stand der mittelständische Familienbetrieb kurz vor dem Aus: Der 911 in den USA wegen Abgas- und Geräuschvorschriften geächtet, für 944 und 928 läuft es sogar richtig mies – von den Kunden werden sie einfach ignoriert. Sportwagen sind schlicht out. Ein Dilemma, aus dem ausgerechnet der Firmengründer Ferry Porsche einen Ausweg findet. Einen "Learjet für die Straße" hat er vom Vorstand gefordert. Und mit dem Geheimprojekt 989 bekommen. Zumindest fast – aber der Reihe nach.

Porsche Panamera II (2016): Vorstellung

Porsche Panamera II Porsche Panamera II Porsche Panamera II

Die abfallende Dachlinie kostet Platz im Fond – dort ist es wirklich eng.

Zunächst sieht alles gut aus für die Limousine, die die Modellpalette nach oben erweitern und gleichzeitig den 928 in Rente schicken soll. Das Design des frisch von der Uni zu Porsche gewechselten Stylisten Matthias Kulla orientiert sich am ewigen Elfer, nimmt die 1996 auf den Markt gekommene Generation 996 vorweg. Händler, Kunden und die Eigentümer-Familie sind aus dem Häuschen. Ein viertüriger Porsche? Ja, das geht. Sogar die Technik ist fertig entwickelt. Ein 3,6-Liter-Achtzylinder, wassergekühlt und 300 PS stark, läuft problemlos auf den Prüfständen, wird sogar in Testmulis – umgebauten Mercedes 300 CE – auf die Straßen geschickt. Und dann kommt der 24. Januar 1991. Ein Tag, den sie bei Porsche am liebsten aus dem Kalender streichen würden. Der Vorstand kippt das Projekt 989. Über eine Milliarde Mark investiert – und am Ende rechnet sich die Limousine doch nicht. Jeden Tag in der Entwicklung wurde sie schwerer und teurer. Statt der geplanten 90.000 standen wegen der aufwendigen Technik rund 150.000 Mark im Raum. Porsche hätte jedes Jahr mindestens 5000 Viertürer verkaufen müssen, um nicht rote Zahlen zu schreiben. Zu viel.

Vergessene Prototypen von Porsche

Porsche-Prototypen der 60er bis 80er Porsche-Prototypen der 60er bis 80er Porsche-Prototypen der 60er bis 80er

Wiedeking schafft die Wende

Die überschaubaren 90er: Ein Bildschirm im 989 muss für Multimedia reichen.

Zahlen, über die sie bei Porsche heute nur milde lächeln können. Denn gleichzeitig mit dem 989 endet auch die Ära des damaligen Chefs Arno Bohn. Und der Aufstieg des Wendelin Wiedeking beginnt. Nach dem Einstiegs-Roadster Boxster und dem SUV Cayenne lässt er Mitte der 2000er den Panamera entwickeln, einen riesigen Erfolg. Porsche plant zunächst mit 20.000 Autos pro Jahr, 2014 werden es sogar knapp 25.000. Und das, obwohl der Panamera von den Fans der Marke nie wirklich akzeptiert wurde. Wegen des schrägen Hecks verspotten sie ihn als "Buckelwal". Doch die Vorgabe war eben unmissverständlich: Der Chef – stattliche 1,92 Meter groß – musste hinten kommod sitzen können. Das war im 989 noch anders, wo weder Kopf noch die Knie ernsthaft Platz finden – man passt halt gerade so und irgendwie rein. Die Zukunft bei Porsche sieht anders aus, die Zuffenhäuser planen neben dem Panamera sogar einen Kombi! Richtig gelesen: ein Kombi von Porsche, ein Newcomer ohne jegliche Historie.

Verschollener Prototyp Porsche 989

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Porsche und Limousine, das war für mich bisher nie eine glückliche Kombination. Bis ich mit 989 und dem neuen Panamera im Fotostudio ein Rendezvous hatte. Beide bringen einen Hauch 911 in die Welt der Luxuslimousinen – mag ich!

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