Volvo 264 GLE

Volvo 264 GLE im Klassik-Test

— 01.03.2012

Das Nordlicht

Der Volvo 264 steuert einen eigenen Kurs. Behäbig, komfortabel, defensiv. Keiner wird ihm das Letzte abverlangen, weil er sich rechtzeitig dagegen sträubt. Er ist zwar kein Leisetreter, aber für die gemütliche Langstrecke taugt er allemal.

Volvo und Luxus, das war in den 70ern so ungewohnt wie Vorstandsbosse mit SPD-Parteibüchern. Und doch gab es beides – selten. So kommt es, dass die Schweden erst zu Beginn der 80er eine eigene Oberklasse-Familie gründeten. Der Vorgänger stemmte sich ab 1974 noch auf simplere Tour gegen die deutsche Elite: Mittelklasse plus großer Motor gleich Oberklasse. Heißt: Der 244 verwandelte sich mit V6-Triebwerk, Rechteckscheinwerfern, größeren Rückleuchten und luxuriöser Innenausstattung in den Ober-Volvo 264. Und bietet trotz der Außenlänge von 4,90 Metern kein Oberklasse-Format. Das Raumangebot orientiert sich eher an der Mittelklasse. Kein Wunder, sind doch die Fahrgastzelle eher kompakt, der Achsabstand vergleichsweise gering und die Stoßstangen überdimensional groß geraten.

Design? Eher nein. Doch genau diesen uneitlen Auftritt schätzten die Freunde des früheren Volvo-Topmodells.

Aber diese fetten Rempel-Schützer waren damals untrennbar mit dem Volvo-Sicherheitscredo verknüpft. Keine Überraschung also, dass sich der Volvo ganz anders fährt als seine vier deutschen Konkurrenten. Er signalisiert vom ersten Augenblick an: Ich bin ich. Und ich bin wie kein anderer. Status? Egal. Sportlich? Von wegen. "Charakter" nennen das die Nonkonformisten. "Schrullig", winken die Stylisten ab. Ein Volvo 264 lässt sich halt in keine Schublade packen. Dass er sich beim harten Testen bisweilen selbst ins Abseits manövriert (speziell das Handling bei schnellen Richtungswechseln ist abenteuerlich), war nie sein Problem. Wer einen Volvo pilotiert, ballert nicht über kurvige Landstraßen – er genießt die ruhige Geradeausfahrt. Aber auch ein flotter Schwede muss mal ausweichen. Und hat dann alle Mühe, mit der schwammigen Lenkung das schlingernde Schiff auf Kurs zu halten.

Mit Ruhe und Gemütlichkeit: Volvo 144

Geradeaus ist die Lieblingsrichtung des Volvo 264. Spurwechsel mag er nicht so gern.

Doch keine Sorge: Die Volvo-Entwickler waren konsequent, haben dem 264 einen gemütlichen Motor verpasst. Es ist der V6 aus der Kooperation mit Peugeot/Renault. 2,7 Liter Hubraum liefern 148 PS, das reicht für gerade mal 180 Spitze. Auch hier steht er sich selbst im Weg, die Aerodynamik einer Schrankwand lässt nicht mehr zu. Dafür gibt er sich beim Spurten alle Mühe und kann sogar die S-Klasse abfangen. Kein Hexenwerk, aber doch erstaunlich: Der Schwedenstahl-Kreuzer bringt nur 1351 Kilogramm auf die Waage. Vielleicht liegt es daran, dass Volvo "auf äußere Statussymbole verzichtet und das Understatement bevorzugt"? Die Werbung war damals stolz darauf. Der schlichte Innenraum bestätigt es: Hartplastik dominiert, Kopfstützen gibt es nur vorn, und die Sitze sind weich mit wenig Seitenhalt. Nur der Feinvelours-Bezug macht sie ein bisschen griffig. Wenn der 264 etwas besonders gut kann, dann ist es das Glattbügeln schlechter Straßen. Die Federung mit langen Wegen gibt sich nämlich besonders schluckfreudig. Mit der Dämpfung hat's der Volvo dagegen nicht so – weshalb sich der harte Nordmann bisweilen wie ein Wackelpudding anfühlt.
Fahrzeugdaten Volvo 264 GLE
Motor V6
Ventile/Nockenwellen 12/2
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 2664 ccm
Bohrung x Hub 88,0 x 73,0 mm
kW (PS) bei U/min 109 (148)/5700
Nm bei U/min 218/3000
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Getriebe Dreistufenautomatik
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 185/70 R 14 T
Verbrauch (Werksangabe) 16,0 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 60 Liter/Super
zulässiges Gesamtgewicht 1900 kg
Vorbeifahrgeräusch 75 dB (A)
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 380 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 4,0/7,9 s
0–100/-130 km/h 11,8/20,7 s
Zwischenspurt 60–100/80–120 km/h 6,6/8,5 s
Bremsweg aus 100 km/h 61,3 m
Leergewicht/Zuladung 1351/549 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 53/47 Prozent
Wendekreis (links/rechts) 10,5/11,2 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 62/70dB (A)
Testverbrauch - CO2 16,0 Liter – 379 g/km
Reichweite 380 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 99 Euro
Werkstattintervalle 7500 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 250/500 Euro
Zeitwert (Zustand 2, Stand 2/2012) 5300 Euro

Autor: Jürgen von Gosen

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