VW Bus T2

VW Typ 2 T2 VW Typ 2 T2

VW Bus T2

— 15.04.2010

Vom Kuli zum Kult

Der klassische Bulli von Volkswagen – was für ein Typ! Genauer: Typ 2. Nach dem Käfer (Typ 1) Deutschlands größter Exportschlager. Und Kult. Dies ist die Geschichte vom Aschenputtel, das zur Prinzessin ward.

Der Bulli T2 war schließlich ein reines Kind der Arbeit, ein Nutzvieh fürs Kleingewerbe. Mit etwas Glück durfte er Schüler zur Schule transportieren oder Skatbrüder beim Vereinsausflug. Das Allergrößte war für ihn jedoch, wenn er bei Westfalia unters Messer kam und kunststofffurnierte Möbel in ihm aufgestellt wurden. Nun kriegte er Reisefieber. Die große Mehrheit der T2 musste aber wie ein Kuli Lasten schleppen, über Baustellen rumpeln oder Brötchen ausfahren. Und rund alle 50.000 Kilometer wurde ihm beim Doktor ein neues Herz gespendet, der dritte Zylinder, wir verstehen, sein Geburtsfehler. Die Lohnfahrer gingen meist nicht lieb mit ihm und seinem schwachen Herzen im Heck um.

Um die Ecke gedacht: VW T3

Der Fenster-Bulli hat Platz für neun Personen und reichlich Aussicht für alle Passagiere.

Dazu kam noch Luftsauerstoff in Verbindung mit H2O, der ihm an die Unterwäsche ging. Holme und Schweller zerkrümelten still zu Rost. Geschunden starben die Bullis bald einen traurigen Tod, nachdem sie zuvor vielleicht noch bei einem Studenten mit zwei linken Händen gelandet waren, der in ihnen Haschisch rauchte und Liebe machte, bis das Gebälk knirschte. So geschah es, dass das 2,93 Millionen Mal in Hannover gebaute Kastending heute ziemlich rar geworden ist. Doch weil es damals in den USA Karriere als quietschbuntes, innig verehrtes Protestsymbol machte, ergibt sich nach der Arithmetik von Zuneigung und Angebot, dass dieses schmucklose, maximal simple, absolut marketingfreie, prestigelose und temperamentneutrale Nutzvehikel mit asthmatischem Motor und einer Schaltung wie beim Puddingrühren zu abenteuerlichen Preisen gehandelt wird.

Bullige Preise

Obwohl die schlichte Innenausstattung pflegeleicht war, vergammelte sie meist vorzeitig.

Insbesondere die schmuckeren Varianten wie der Westfalia Camper. Aber auch – da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich – schaffen es schale Doppelkabinen, Prinzessin zu werden. Verglichen mit den Preisen der Konkurrenten, sagen wir dem Ford Transit, schüttelt der Experte vollends den Kopf. Eigentlich müssten doch zumindest unsere türkischen Mitbürger den Transit verehren, der von ihren tapferen Vätern und Großvätern in endlosen Karawanen über den gruseligen Autoput pilotiert wurde. Und Anatolien mit den Annehmlichkeiten Deutschlands versorgte, eine Ikone Kleinasiens – aber nichts von alledem.

Nach Brasilien ausgewandert

Es gab zweieinhalb Generationen des Bullis. Die T2a-Variante wurde von 1967 bis 1971 gebaut, das Zwittermodell T2a/b bis 1972 und der T2b bis 1979. Letzterer besaß die Blinker oben im Lüftungsgitter, große Rückleuchten, größere Lufteinlässe hinten (Ohren), Scheibenbremsen vorn, eine Sicherheitslenksäule und auf Wunsch die Flachmotoren aus dem 411er. Übrigens: Fabrikneue sind auch noch zu haben. In Brasilien wird der Bulli als T2c noch immer gebaut. Aber unter uns: Das Wahre ist der nicht mehr.

Technische Daten

VW Bus T2: Luftgekühlter Vierzylinder-Boxer im Heck • Hubraum 1985 ccm • Leistung 51 kW (70 PS) bei 4200/min • max. Drehmoment 141 Nm bei 2800/min • Vierganggetriebe • Hinterradantrieb • Länge/Breite/Höhe 4505/1720/1960 mm • Leergewicht 1325 kg • Reifen 185 SR 14 • Scheibenbremsen vorn • Einzelradaufhängung mit Kurbellenkern und Drehstäben vorn, mit Querlenkern und Drehstäben hinten • Spitze 133 km/h • Beschleunigung 0–100 km/h in 20,0 s • Neupreis 1979: 10.075 Mark

Historie

1950: Produktionsbeginn des VW Transporters T1. 1956: Eröffnung des neuen Transporterwerks in Hannover. 1968: Vorstellung der neuen Transporter-Generation (T2), lieferbar als Bus, Kastenwagen, Pritsche und Doppelkabine. 1979: Ablösung durch T3, erstmals Dieselmotoren und Benziner mit Wasserkühlung, Allradmodell syncro. 1992: Debüt des neuen T4 mit Frontmotor und Frontantrieb und TDI-Motoren. 2003: Neuer T5 erscheint. 2009: Facelift T5.

Plus/Minus

Der dritte Zylinder des luftgekühlten Heckmotors verstarb meist vorzeitig am Hitze-Tod.

Der VW Bus dürfte der praktischste aller Oldtimer sein. Platz ohne Ende, Sitze für bis zu neun Personen, leicht zu reparieren, problemlose Ersatzteilversorgung, ein gewaltiges Netzwerk an Enthusiasten. Allerdings: der Anschaffungspreis! Für erstklassige Modelle müssen schon mal 20.000 Euro hingeblättert werden, dabei reden wir noch nicht vom Westfalia-Campingmobil mit Ausklappdach. Das Wichtigste beim Kauf ist der Blick auf die Karosserie. Rostdebakel kommen vor, insbesondere der Unterboden ist anfällig, auch Fensterumrandungen und Türen. Dagegen ist die Technik problemlos aufzufrischen; defekte Motoren müssen nicht schrecken, denn es gibt preiswert Ersatz.

Marktlage

Das Angebot an Bullis schrumpft allmählich bei gleichzeitig hoher Nachfrage. Zwar lassen sich noch bei Unternehmen und in privaten Garagen T2 finden, viele sind aber in einem erschütternden Zustand. Auch USA-Heimkehrer sind inzwischen selten zu empfehlen. Gesucht sind die letzten Modelle der "Silberfisch"-Edition (1978), Busse mit großem Schiebedach, Westfalia-Wohnmobile, aber auch Doppelkabinen für den Kultjäger.

Ersatzteile

Fast alle Ersatzteile wie Motoren, Bremsen, Fahrwerkteile, Karosseriebleche sind noch problemlos lieferbar, die Preise sind günstig. Innenausstattungen sind dagegen eher knapp, lassen sich aber von guten Sattlern nachmachen. Es gibt eine ganze Reihe von Spezialbetrieben, die Ersatzteile herstellen, zum Beispiel Schmidt + Lorenz oder VW selbst.

Empfehlung

Hauptsache, das Blech ist in Ordnung, alles andere lässt sich mit überschaubaren Kosten restaurieren. Da die frühen T2a-Varianten nur modifizierte T1 waren, empfiehlt sich der modernere T2b ab Baujahr 1972 mit Gurten, Scheibenbremsen und stärkeren Motoren. Die Karosserievariante bleibt dem Geschmack überlassen. Am teuersten: der Luxus- Fensterbus oder das Wohnmobil.

Autor: Bernhard Schmidt

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