Klassik-Test

VW Typ 147 Fridolin VW Typ 147 Fridolin VW Typ 147 Fridolin

VW Fridolin

— 25.02.2014

Ein Van zum Versenden

Heck und Schiebetüren fast wie beim Bulli, Unterboden vom Karmann-Ghia, Scheinwerfer vom Typ 3: Als Fridolin motorisierte der VW Typ 147 einst die Deutsche Bundespost.

Der Goggo-Transporter ist zu klein, der Käfer zu unpraktisch, der VW Bulli zu groß. Die Deutsche Bundespost steckt Anfang der sechziger Jahre in der Klemme. Sie sucht einen Helfer zum schnellen Briefkasten-Entleeren, für die Paketzustellung und den Fernsprechdienst. Einstellungsvoraussetzungen sind geringe Grundfläche, rund zwei Kubikmeter Laderaum, Schiebetüren und Heckklappe.

1964 geht der Van als VW Typ 147 in Serie, aber alle nennen ihn nur Fridolin.

©U. Sonntag

Mithilfe der Feinblechner von Westfalia erfüllt das Volkswagen-Werk diesen Wunsch. Das VW-Regal gibt die Technik her, 1964 geht der Typ 147 in Serie. Aber so ruft ihn keiner: Die Westfalia-Arbeiter nennen den Gelbling "Fridolin". Der Volksmund bleibt dabei. Bald darauf bestellt auch die Schweizer Post ihre Klein-Kombis in Wolfsburg. Dass Rostschutz nicht zur Serienausstattung gehört, ist damals egal. Einfach lackierte Bleche und der harte Dienst bei Wind und Wetter lassen die gelben Karosserien schnell bräunlich werden. Deshalb ist der Fridolin fast ausgestorben, unserer bekommt sein Gnadenbrot beim Automuseum Volkswagen. Der 74er stammt aus der allerletzten Serie, sein Tacho zeigt erst 14.441 km. Die Ratsch-klack-Schiebetür gibt den Weg zum klassischen Käfer-Sitz frei, durch das dürre Käfer-Lenkrad fällt der Blick auf den schlichten Käfer-Tacho mit den drei Kontrollleuchten für Blinker, Zündung und Öldruck. 
Helden des Witschaftswunders: Nachkriegs-Transporter

Besser schlecht gefahren als gut gelaufen

Innen dominieren Postgelb und Sperrholz, ein Netz schützt den Fahrer beim Bremsen vor gefährlicher Luftpost.

©U. Sonntag

Ortstempo 50 markiert ein roter Strich. Millionen Autofahrern haben diese Informationen genügt. Ein Cockpit gab’s nur im Flugzeug. Im Heck erwacht der vertraute Boxer. Seine Arbeits-Akustik besteht aus Rasseln, Schlürfen, Ächzen und Schreddern. Heute würden die Leute von der Post wahrscheinlich Ohrenschützer fordern. Doch damals waren weder Käfer-Käufer noch Beamte verwöhnt. Besser schlecht gefahren als gut gelaufen — die bauernschlaue Devise machte jede Kritik platt. Und zu mosern gäbe es noch mehr: die labberige Schaltung, die indirekte Lenkung, die quietschende Vorderachse, die haltlosen Sitze. Wer beim Schalten vom zweiten in den dritten Gang keinen Schwung verlieren will, der muss den zweiten voll ausdrehen. Achtung: Tinnitus-Gefahr! Doch auch Gutes gibt es zu bemerken: Eine beheizbare Heckscheibe hat der Typ 147 schon, auf Wunsch sogar eine Standheizung. Und die pneumatische Waschanlage, die ihren Luftdruck aus dem Reserverad holt, war schon eine geniale Idee. Manches Detail war auch hier schon seiner Zeit voraus.
Fahrzeugdaten VW Fridolin
Motor Vierzylinder-Boxer
Hubraum 1192 ccm
Bohrung x Hub 77,0 x 64,0 mm
kW (PS) bei U/min 25 (34)/3600
Nm bei U/min 82/2500
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Trommel/Trommel
Testwagenbereifung 5.60-15
Verbrauch (Werksangabe) 7,8 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 40 l/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 1345 kg
Achslast vorn/hinten 500/850 kg
Neupreis 8270 Mark (1974)
Messwerte
Leergewicht/Zuladung 935/410 kg
Wendekreis (links/rechts) 11,2/11,5 m
Testverbrauch - Co2 8,1 l - 192 g/km
Reichweite 490 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 Prozent) 69 Euro
Werkstattintervalle 5.000 km
Zeitwert (Zustand 2, Stand 2013) 9.500 Euro

Autor: Diether Rodatz

Fotos: U. Sonntag

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