VW Golf GTI

VW Golf GTI: Vergleichstest

— 01.01.2010

Vier Familiensportler im Vergleich

AUTO BILD-Archiv-Artikel 38/1986: Der Golf GTI ist zehn Jahre alt, sein Konzept – Kompaktformat, Frontantrieb und viel Leistung – war wegweisend. Im Vergleich: VW Golf GTI, Ford Escort XR3i, Opel Kadett GSi und Peugeot 205 GTI.

Es war einmal ein Golf. 1974 erblickte er die Straßen dieser Welt. Und weil er so ganz anders war als seine Konkurrenten, ging er als Vorbild einer neuen Klasse, als technische Revolution, in die Auto­mobilgeschichte ein. Sogar den Käfer, über Jahrzehnte der Deutschen liebstes Stück, machte er vergessen. Es war einmal ein GTI. 1976 kurvte er erstmals auf den deutschen Markt. Er war kein Wunschkind. Der VW-Vertriebs­chef sträubte sich gegen die Geburt des Muskel-Golf. Ein Kompaktauto mit 110 PS? Das gab es noch nie, das durfte nicht sein. Doch der Markt schien auf diese Art sportlicher Fortbewegung nur gewar­tet zu haben. Der Golf GTI lief nicht, er rannte. 

Das Original: Der Artikel von 1986 als kostenloser Download

Der Erfolg hatte Konsequenzen: Der Golf GTI wurde zum Erfinder, Vorreiter und Vorbild einer neuen Klasse der sportlichen Kompaktautos. So wie Franz Beckenbauer den Libero erfand, begrün­dete der GTI die Kategorie der Flitzer, in die auch mal die ganze Familie einstei­gen darf – und kann. Das Konzept mach­te Schule. Erst baute die Konkurrenz den Golf nach, dann den Golf GTI. Doch für den "Wolf im Schafspelz" gilt das gleiche wie für Beckenbauer: Die Kopien haben es schwer, die Klasse des Originals zu erreichen. Dafür gibt es Gründe. Der GTI ist nie stehengeblieben. Immer dann, wenn die Konkurrenz aufschloss, legte der Golf ei­nen Zwischenspurt ein. 

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Das war erstmals 1981 nötig, als VW den GTI-Hubraum von 1,6 auf 1,8 Liter erweiterte, die Leistung von 110 auf 112 PS steigerte und eine Drehmomentkurve zeichnete, die dem Fahrer den Atem raubt und die Gegner stehenlässt. Im Herbst 1983, mit der Ein­führung der zweiten Golf-Generation, wurden auch beim GTI Fahrwerk, Raumökonomie, Styling und Windschlüpfig­keit den neuen Markterfordernissen an­gepasst. Und wieder war der Wolfsburger Musterknabe das Auto, das in seiner Klasse die Richtung bestimmte. Heute, 1986, scheint wie­der ein Punkt gekommen, an dem die Frage erlaubt ist: Welche Konkurrenten hat der GTI zu fürchten? Denn noch nie gab es so viele und so ernst zu nehmende Gegner. Hier der Vergleich mit den drei gefährlichsten Widersachern. Drei ge­gen einen: Peugeot 205 GTI, Ford Escort XR3i, Opel Kadett GSi gegen den Golf GTI

Peugeot 205 GTI. Das ist für viele der alte Golf GTI. Weil er so klein und kompakt, so wendig und pfiffig, weil er ein Auto fürs Herz ist. Und für die Arme. Denn seine 105 PS offenbaren die Gren­zen des Frontantriebs. Beim Beschleuni­gen in engen Kurven zerrt die Lenkung, zuviel Gas führt zu Traktionsproblemen (sprich: die Räder drehen durch), und wer den Kraftzwerg mit sportlichem Ehr­geiz um die Ecke zwingt, muss auch schon mal gegenlenken. Auch der kleine Franzose wurde in seinem noch jungen Autoleben schon verbessert: Erst stimm­ten die Peugeot-Techniker das Fahrwerk etwas weicher ab, dann installierten sie das Pulsair-System (das Schadstoffar­mut und Steuerbefreiung zur Folge hat), und künftig gibt es sogar eine Katalysa­tor-Version.

Der neue Kadett GSi schafft 214 km/h

Opel Kadett GSi. Sein Urahn war 1936 eine technische Revolution – der selbst­tragenden Karosserie wegen. Heute glänzt das Windkanal-Ei mit einem cW­-Wert von 0,30 (Golf: 0,35) und rennt des­halb allen Gegnern in der Höchstge­schwindigkeit auf und davon. Erst recht in der 130-PS-Version, die seit den Werksferien das 115-PS-Aggregat abge­löst hat. 214 Stundenkilometer haben wir gemessen – das ist wahrlich flott, aber keineswegs unverantwortlich. Denn das Kadett-Fahrwerk steckt die 130 PS ausgewogen und sicher weg. Ford Escort XR3i. Er ist auch so ein Relikt der Vergangenheit. Mit dem heck­angetriebenen "Hundeknochen" der sechziger Jahre hat er nur noch (und das ist vielleicht schon zu viel) den Namen ge­mein.

Immerhin: Escort steht für Erfolge im Rallyesport. Und weil Tradition ver­pflichtet, ging es über Jahre auch im sportlichen XR-Escort rustikal zu. Das behände Überfahren von Bahnübergän­gen beispielsweise hob jeden Ford-Fah­rer – Recaro-Sitz hin, Sicherheitsgurt her – aus dem Sattel wie Alwin Schockemöh­le überm Oxer. Weil aber Anfang dieses Jahres der Escort nicht nur optisch aufgefrischt, sondern auch technisch modifiziert wurde, ist alles etwas besser geworden. Die Hinterachse ist jetzt sanf­ter, das Wohlbehagen der Passagiere wird nur noch bei Autobahnquerfugen beeinträchtigt: der Neue stuckert dann mit der Vorderhand. In Sachen Leistung sind die 105 PS des Escort dem Power-Kadett natürlich unterlegen.

Ford will nachlegen

132 PS wird der Escort RS turbo (ab Herbst 1986) aufbieten. Die Leistungsexplosion in der GTI-Klasse, auch Peugeot plant einen 130 PS starken 205er, geht also munter weiter. Doch die Frage sei gestattet: Muss es nicht Grenzen dieser Aufrüstung geben? 1980 kostete ein Golf GTI 15.075 D-Mark, der Über-GTI mit 16 Ventilen und 139 PS kostet heute 26.045 D-Mark. Indes: Die Preistreiberei hat einen Nebeneffekt. Der Golf GTI ist ein Auto, das sich nicht jeder leisten kann, und trotzdem ein Statussymbol, das keinen Neid produziert. Ein Understatement-Auto, das auch in Szene-Lokalen und Schickeria-Discos ankommt. Und eine Alternative zum Mercedes 190 E. Das können die GTI-Kopien aus Köln oder Rüsselsheim nicht von sich behaupten. Der Golf GTI, das Auto, das eine neue Klasse erfand, ist ein klassenloses Auto geworden. Eben ein Volkswagen.  

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