VW Golf II GTI 16V: Test

VW Golf II GTI 16V: Test

— 01.01.2010

Ist der Golf 16V besser als der GTI?

AUTO BILD-Archiv 09/1986: Der VW Golf GTI ist zu einem Welterfolg geworden. Trotz starker Konkurrenz blieb er ungekrönter König in seiner Klasse. Jetzt bringt VW den GTI mit 16 Ventilen. Was kann er besser als der normale GTI?

An der Ampel geht der Golf 16V ab, als hätte er eine Turbine unter der Haube. Der Motor tritt schon bei niedriger Drehzahl mächtig an. Ein Blick in den Rückspiegel bestätigte es mir. Auch dicke Dreiliter-Autos und Sportwagen blieben zurück. Der Golf II mit den unauffälligen Ziffern 16V im kleinen roten Rechteck am Kühlergrill und an der Hecklampe erledigt das ganz unauffällig leise, und ohne Krawall. Der Unterschied zum normalen Golf GTI wird schon auf den ersten Metern spürbar. Die Auto-Hochtechnologie – ein raffinierter Zyinderkopf mit zwei Nockenwellen und vier Ventilen pro Zlinder – zahlt sich für den Fahrer in fast jeder Situation aus: durch noch größere Sicherheit beim Überholen und sehr hohe Reisedurchschnitte. Im Test schluckte der 16V nur rund einen halben Liter mehr als der GTI. Dennoch blieb der stärkste Golf auch damit noch in der Nähe der Zehn-Liter-Marke, selbst wenn ich ihm längere Zeit Vollgas abverlangte. Ein Beweis, dass Hochleistungsmotoren durch optimale Verbrennung doch sparsam und sauber sein können.

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Als ich hinter dem Lenkrad Platz nahm, fühlte ich mich sofort zu Hause. Auch mit langen Beinen — ich bin 1,93 Meter — sitzt man gut. Die vorderen Schalensitze sind eine Klasse für sich, genau die richtige Mischung zwischen Komfort und Sportlichkeit. In schnellen Kurven geben sie prima Halt. Die sportliche Fünfgang-Knüppelschaltung mit dem typischen schwarzen Golf-Ball als Knauf arbeitet leichtgängig und genügend präzise (wenn es auch heute schon bessere Getriebe gibt). Das Erstaunlichste bleibt aber im 16V immer wieder der Motor. Er ist kaum weniger kultiviert als das "normale" 1,8-Liter-Triebwerk mit Benzineinspritzung, das schon eine Perle im VW-Audi-Programm ist. Klaglos lässt sich der Motor des Golf auf Drehzahlen von bis zu 7000 U/min bringen. Erst jenseits der Schallgrenze der 200 km/h-Marke braucht der Hochleistungs-Golf doch einen gehörigen Anlauf, um bis zur absoluten Höchstgeschwindigkeit von 208 km/h vorzustoßen.

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Mehr als zweieinhalb Jahre dauerte die Reifezeit des 16Ventilers, den VW schon bei der Frankfurter IAA 1983 vorgestellt hatte, aber nicht in den Handel brachte. Trotz der Begeisterung für den Motor war ich zunächst von dem Auto enttäuscht: Seltsamerweise geht er gar nicht soviel schneller als der GTI, dachte ich. Erst die Stoppuhr und die noch präziseren elektronischen Messgeräte überzeugten mich, dass der Schub des 139-PS-Motors schon sehr erstaunlich ist. Die VW-Ingenieure haben der Versuchung widerstanden, den Super-Golf in einen Gran Tourismo klassischer Art mit spartanischer Härte zu verwandeln. Das angenehm komfortable Fahrwerk verwischt anfangs den Eindruck, in einem sehr schnellen Auto zu fahren. Die üblichen Straßenunebenheiten und Bodenwellen bügelt der 16V  elegant und gleichmütig aus. Nur ganz kurze Stöße auf extrem schlechten Straßen verhärten die Stoßdämpfer deutlich.

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Sehr gut gefallen hat mir die Servolenkung. Sie kostet zwar 1186 Mark extra. In ihrer Leichtgängigkeit und Präzision ist sie für mich eine der besten; denn sie lässt mich niemals den Kontakt zur Straße verlieren. Tadellos arbeiten auch die Bremsen, die gegenüber dem 112-PS-GTI der gesteigerten Leistung angepasst worden sind. Scheiben natürlich an allen vier Rädern. Die Bremsen waren der Schwachpunkt des alten GTI. Die ungewohnt lange Reifezeit für den 16V hat sich technisch voll ausgezahlt. Dafür wurde die Warteschlange immer länger. Rund 10.000 erwartungsfrohe Käufer haben Verträge unterschrieben. Sie wurden schon mehrfach vertröstet. "Ab Februar geht es richtig los mit der Produktion", versichert ein VW-Sprecher. Wer jetzt einen 16V stellt, bekommt ihn Ende '86.

Überzeugungstäter: die Generation Golf II

Bleibt weiter die Frage für viele GTI-Fans: welchen kaufen? Hier meine Antwort: Der normale GTI ist ein überaus rundes Auto, seine 112 PS sind ein erstaunliches Leistungspotential. Der neue 16-Ventiler bietet deutlich mehr Sicherheit bei riskanten Überholsituationen. Am Ende einer langen Geraden, die   in eine Kurve mündete, tauchte plötzlich vor mir ein schneller Mercedes auf. Mit dem Schub des 16V konnte ich mein Überholmanöver noch problemlos beenden; der einfache GTI hätte es nicht mehr geschafft. Gut ist: VW hat beim Top-Modell auf optische Effekthascherei verzichtet. Trotz des starken Motors ist keine der positiven Fahreigenschaften des normalen GTI verlorengegangen. In der Innenausstattung unterscheiden sich GTI und 16V nur beim Tacho — der reicht beim 16-Ventiler großsprecherisch bis 260 km/h. Das bietet Spielraum für Tuner und Individualisten, die den 16V eindrucksvoller machen wollen.
Technische Daten
VW Golf GTI VW Golf GTI 16V
4 Zyl. Ottomotor 4 Zyl. Ottomotor
1781 ccm Hubraum 1781 ccm Hubraum
81 x 86,4 mm Bohr.xHub. 81 x 86,4 mm Bohr.xHub.
112 PS bei 5500 U/min 139 PS bei 6300 U/min
15,8 mkp bei 3100 U/min 16,3 mkp bei 4500 U/min
Frontantrieb Frontantrieb
10,1:1 Verdichtungsverh. 10,1:1 Verdichtungsverh.
0-100 km/h in 9,4 Sek. 0-100 km/h in 8,6 Sek.
60-120km/h 1.22,3 Sek. (5.G) 60-120km/h in 18,3 Sek. (5.G)
0-1000 m in 33,2 Sek. 0-1000 m in 29,0 Sek.
175/70 HR 13-Reifen 185/60 VR 14-Reifen
55-Liter-Tank 55-Liter-Tank
9,31/100 km Testverbr. (S) 9,81/100 km Testverbr. (S)
948 kg Leergewicht 968 kg Leergewicht
187 km/h Höchstgeschw. 208 km/h Höchstgeschw.

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