VW Hebmüller Cabriolet

VW Hebmüller Cabriolet

— 13.06.2014

Die Anmut des Einfachen

Ein Volkswagen, ein Traumwagen. Kein Käfer-Cabriolet ist schöner als der zierliche Entwurf aus dem Hause Hebmüller. Doch tief im Innern seines aufregenden Luxuskörpers ist er ein VW.

Wer 1949 von Borgward auf Volkswagen wechselt, steigt unten ein. Im VW sitzt es sich einfacher, auf Stoff statt Leder, und ein gutes Stück tiefer, mehr im als auf dem Wagen. Und günstiger ist das Hebmüller-Cabriolet auch: Unerreichbare 10.500 Mark kostet das Hansa 1500 Cabriolet, immer noch sündteure 7500 DM der offene VW Typ 14A, der im selben Werk seine schmucke Form erhält.

Schlanke Figur, schmale Leistung. Dass der 24,5-PS-VW die Kurven durchaus flink durcheilt, liegt am geringen Gewicht und an der schön direkten Lenkung.

©Roman Rätzke

Wie ein fernes Versprechen von Glück, Wohlstand und Anmut muss der Luxus-VW inmitten staubgrauer deutscher Trümmerwüsten gewirkt haben. Am 23. Juli 1949 lag dann auch Hebmüller am Boden: Ein Großbrand vernichtete das Werk in Wülfrath, statt der geplanten 2000 Cabrios wurden nur 696 Stück gebaut. 1952 gingen ganz die Lichter aus, das Geld war alle, und Hebmüller starb in Schönheit. Mit seinem glamourösen Charakter betört der Hebmüller-VW noch heute. Im lang gezogenen Heck, dessen Motorhaube kunstvoll die Form der Front zitiert und wo die Kühlluft hinter der Fondbank angesaugt wird, steckt mehr Dynamik, als sie ein späterer Karmann-Ghia jemals besaß.
Klassik Video: VW Hebmüller Cabrio

Form und Ausstattung machen den Hebmüller reizvoll

Uhr und Handschuhfächer als Luxusausstattung. Der kleine Hebel bedient die Winker, der lange Schaltstock das Vierganggetriebe.

©Roman Rätzke

Wie beim entfernten Verwandten Hansa 1500, der dem mit Winkern operierenden VW die neuzeitliche Blinkanlage voraushat, liegen die Schlüsselreize des VW Hebmüller in Form und Ausstattung. Die serienmäßige Zweifarb-Lackierung wirkt schlicht und elegant, Türtafeln und Handschuhfächer tragen den gleichen Stoff und erfreuen damit den Liebhaber kostbarer Details. Das straffe Fahrwerk, die direkte Lenkung und die dürren Reifen, das alles ist hingegen unveränderte Brezel-Käfer-Basis. Dass der Hebmüller mit seinem schnellen Rücken und seiner radikalen Offenheit die Hurtigkeit nur heuchelt, ist leicht zu verzeihen. Auch damals dürfte es die solventen Gewinner der jungen Republik, die Glücksritter und Töchter der oberen Gesellschaft nicht gestört haben, dass die Wagenbauer dem voll versenkten Verdeck und der flüssigen Linienführung ein wenig Praxisnutzen in Form der hinteren Sitzbank opferten. Weil der 24,5-PS-Boxer bei zurückgeworfenem Dach gefühlt ein Stück näher am Körper prasselt, werden sie sich vielleicht sogar der Illusion hingegeben haben, in einem echten Sportwagen zu sitzen. Was allerdings nur glauben wird, wer vom molligen Borgward auf den drahtigen VW umsteigt.
Fahrzeugdaten VW Hebmüller
Motor Vierzylinder-Boxer
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Stirnräder
Hubraum 1131 ccm
Gemischaufbereitung 1 Solex-Vergaser
kW (PS) bei U/min 19 (24,5)/3300
Nm bei U/min 67/2000
Höchstgeschwindigkeit 105 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Trommel/Trommel
Testwagenbereifung 5.00- 16
Verbrauch (Werksangabe) 7,5 l/100 km
Abgas CO2 (nach Werksverbrauch) 178 g/km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 40 l/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 1110 kg
Messwerte
Beschleunigung 0-100 km/h 52,3 s
Leergewicht 802 kg
Gewichtsverteilung 44/56 %
Wendekreis links/rechts 12,3/11,5 m
Innengeräusch bei 50 km/h 77 dB (A)
Vorbeifahrgeräusch 79 dB (A)
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100%) 135 Euro
Werkstattintervalle 5000 km
Kosten Ölwechsel/ Inspektion 100/350 Euro
Zeitwert (Zustand 2) 110.000 Euro
Autor:

Jan-Henrik Muche

Fazit

Form, Fahrtwind, das Rauschen des Boxers im Ohr: Der Hebmüller liefert die perfekte Illusion eines sportlichen Auftritts, ohne schnell zu sein. Er ist handlicher als der Hansa 1500, hübscher als der 356 und behält selbst als rare und begehrte Sonderanfertigung seinen sympathischen, neidfreien Charakter. Wenn er nur ein paar PS mehr hätte!

Fotos: Roman Rätzke

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