VW Jetta Citystromer

VW Jetta Citystromer: Fahrbericht

— 05.04.2011

E-Jetta: Kraft in kleinen Dosen

AUTO BILD Archiv-Artikel 30/1987: Eine neue BBC-Batterie gibt dem VW Jetta die Kraft, die weder stinkt noch lärmt. Ist das die Autotechnik der Zukunft? AUTO BILD hat den E-Jetta gefahren, bis er an die Steckdose musste.

Die ältere Dame aus dem zweiten Stock, die immer ganz genau weiß, wer wann und mit wem, hatte eine schlaflose Nacht. Wie konnte der weiße Jetta unbemerkt vor dem Haus parken und ihr jede Chance rauben, rechtzeitig ans Fenster zu stürzen? Was sie nicht wusste: Der Jetta fährt elektrisch. "Citystromer" hat VW das alternative Auto im Biedermann-Kleid getauft. Und so gewöhnlich, wie es aussieht, wird es auch gestartet: mit einer Umdrehung des Zündschlüssels. Eine Kontrolllampe leuchtet auf, das ist alles. Kein Anlassergeräusch, kein Motornageln. Einkuppeln, erster Gang, schon ist das E-Mobil startklar.

Das Original: Der Artikel von 1987 als kostenloser Download

Der übliche Pedaltanz mit "Kupplung kommen lassen" entfällt. Da heißt es nur noch Gas geben, losfahren – so einfach und unspektakulär wie Auto-Skootern auf der Kirmes. Auch beim Stromen durch die City fällt das Spektakel aus. Die Leute nehmen keine Notiz. Wovon auch? Sie sehen nichts außer einem stinknormalen Jetta, der noch nicht einmal stinkt. Sie hören nichts außer einem Sirren und Summen, wie man es von den Elektrokarren auf dem Bahnsteig im Hauptbahnhof kennt. Im allgemeinen Verkehrslärm geht der Elektro-Jetta unter. Zumal er locker in der Stadt mitrollt. Der Citystromer ist kein skurriles Vehikel für Fans und Phantasten.

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Der leise Saubermann ist alltagstauglich. Beim Ampelstart zieht er ähnlich los wie ein kleiner Diesel. AUTO BILD hat ihn 80 Kilometer durch die Stadt, über Landstraßen und auf der Autobahn bewegt. Dann war der Batteriespeicher leer, das Auto wurde an eine gewöhnliche Steckdose angeschlossen, und am nächsten Morgen war es wieder fit. Kosten der achtstündigen "Betankung": knapp vier Mark. Die Reichweite, bislang das entscheidende Manko aller Elektroautos, hat sich beim VW Jetta Citystromer erheblich gesteigert. Bei dosierter Fahrweise (zeitiges Hochschalten des Vierganggetriebes, kein Autobahntempo) sind zurzeit mehr als 100 Kilometer mit einer Stromfüllung möglich.

Mehr Saft aus neuem Akku

Das ist das Verdienst der neuen BBC-Hochenergie-Batterie, die nicht mehr aus Blei-Säure-Zellen besteht, sondern deren chemische Komponenten Natrium und Schwefel sind. Sie leistet viermal mehr und ist rund 120 Kilogramm leichter als vergleichbare Blei-Säure-Batterien. Wenn die "NaS-Batterie" 1989 in Serie geht, will BBC eine Reichweite bis 250 Kilometer und ein Dauertempo von 120 km/h garantieren. Zugegeben, für einen Vertreter, der am Tag 200 Kilometer zurücklegt, oder einen Landarzt, der jederzeit jede Strecke fahren muss, ist der E-Jetta keine Alternative.

Doch für jene 80 Prozent aller Verkehrsteilnehmer, die das Auto in der Regel nur zweimal täglich zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bewegen, kann er eine Überlegung wert sein. Das Problem liegt auf der Kostenseite. "Elektroantrieb", so ein VW-Sprecher, "muss immer teurer sein als ein Ottomotor." Die Hochenergie-Batterie wird selbst bei Serienfertigung mit 3000 Mark zu Buche schlagen. Und welcher Verkehrsteilnehmer ist bereit, für so viel Geld objektive Nachteile einzukaufen – kleineren Aktionsradius und schwächere Fahrleistungen? Von den Vorteilen (Lärm und Abgase gemindert) profitiert vordergründig nicht der E-Fahrer, sondern nur die Allgemeinheit. Nein, vorerst sieht es so aus, dass die ältere Dame aus dem zweiten Stock ihre Beobachtungen, wer wann und mit wem, ungehindert fortsetzen kann.

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