VW Käfer

VW Käfer in Mexico

— 03.09.2010

Er läuft und läuft und läuft und ...

AUTO BILD-Archiv 43/1986: In Deutschland ausgemustert, erlebt der Käfer seinen zweiten Frühling in Mexiko. Über 600.000 "El Volkswagen" krabbeln dort durch die Straßen. Auch ein längst Totgeglaubter.

Der kleine Gelbe steht schon seit zwei Tagen da. Deckel hinten offen. Deckel vorne offen. Gelb, das ist eigentlich übertrieben. Gelb schimmert nur durch. Wo einst Gelb war, ist jetzt hauptsächlich Rost. Aber jene Art von Rost, die schon wieder eine Farbe ist. An drei Tagen habe ich nur den unteren Teil des Menschen gesehen, der unter den Deckeln steckte. Entweder hinten oder vorne. Am vierten tauchte er auf. Glattes, schwarzes Haar. Dreißig Jahre alt oder fünfunddreißig – Ignacio Garibaldo Guiterrez. "Noch eine Woche oder zwei", sagt er. Was ist in einer Woche oder zwei? "Dann ist der Wagen fertig", sagt Ignacio. Was heißt hier fertig, und was heißt Wagen?

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"Dieser Wagen", sagt Ignacio, "Dieser Volkswagen ist dann fertig. Und falls du daran zweifelst: Nur der Motor funktioniert nicht und die Lenkung. Und die Federung hinten muss gemacht werden." Wenn du meinst, Ignacio. "Weißt du nicht", sagt er, und es scheint, als sei er ärgerlich, "weißt du nicht, dass dieser Wagen der beste Wagen der Welt ist?" Natürlich, Ignacio, natürlich. Vor 25 Jahren habe ich das auch gesagt. Der Käfer, er lief und lief. Und wie er lief. Mein erster war ein grauer. Mausgrau. Anthrazit hieß das damals. Das erste Modell mit dem großen Heckfenster und dem Tankstutzen außen. Einzige Extras: verchromte Stoßfänger vor den großen Heckleuchten.

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Und Metallic-Lackierung. Mein zweiter war orange. Mein dritter wieder anthrazit. Mit einem Gepäckträger auf der Heckhaube. Für das Fahrgestell des Kinderwagens. Mein vierter war grün. Er lief und lief und lief. Wirklich. "Das wird ein Taxi", sagt Ignacio. Alle seine Hoffnungen stecken in diesem Wrack. Ignacio hat in einer Autowerkstatt gearbeitet. Er hat anderer Leute Wagen repariert. Bis der Boss ihn entlassen hat. Ignacio Garibaldo Guiterrez, einer von 120.000 arbeitslosen Familienvätern. Der Boss hat gesagt, er solle das Wrack mitnehmen. Vielleicht könne er was draus machen. Klar, er hatte dem Boss manchen Gefallen getan. "Verstehst du?" fragt Ignacio und grinst.

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