VW Käfer Prototyp 1938

— 05.05.2013

Der Urkäfer

Der VW Käfer Prototyp Nummer 6 läuft und läuft – und fährt sich wie Millionen Käfer nach ihm. Gut gefedert, schlecht schallgedämpft, unübersichtlich und doch einmalig.



Über die eigentliche Geburtsstunde des Käfers haben sich die Tester vor 75 Jahren sicher keine Gedanken gemacht, als sie ihre Versuchsfahrten absolvierten. Das Auto mit der Fahrgestellnummer 3806 (der sechste Wagen 1938) konnte schon auf allerlei Vorgänger zurückblicken, jetzt aber kommt die Baureihe in endgültiger Gestalt daher. 1953 erst folgt eine Zäsur im wahrsten Sinne des Wortes: Das geteilte Heckfenster verliert seinen Steg, wird oval. Der Kühllufteinlass darunter hat statt 46 dann nur noch 42 Schlitze. Eine Kleinigkeit, die aber typisch für die gesamte Käfer-Ära wird. Jede, auch die allerkleinste, Veränderung bringt kräftiges Rauschen in den Autoblätterwald. Der Käfer wird zum Seismografen des technischen Fortschritts – und unseres Wohlstands.
VW Käfer im Einzeltest
VW Käfer Brezel (1951) VW Käfer Ovali (1956) VW Käfer Dickholmer (1962)
VW Käfer 1303 S (1974) VW Käfer Última Edición (2003) Vergleichstest

2003 in Litauen entdeckt – es grenzt an ein Wunder, dass der Käfer Prototyp Nr. 6 von 1938 wieder fährt.

© C. Bittmann

1938 also ist der Käfer nahezu fertig entwickelt, Ende Mai desselben Jahres wird bei Fallersleben der Grundstein zum VW Werk gelegt. Unsere Nummer 3806 läuft noch bei Porsche in Zuffenhausen vom Nullserien-Band, bekommt dort für die Erprobungsfahrten einen Fahrtenschreiber in den vorderen Kofferraum geschraubt. Mit dem Reinsetzen drehen unsere beiden Käfer-Kenner, autobild.de-Volontär Lukas und AUTO BILD-Urgestein Diether, ihre inneren Kilometerzähler um 75 Jahre zurück. Bei Diether kommen Ehrfurcht und enorme Neugier auf. Wer mag schon alles hinter dem dürren Lenkrad gesessen und auf den originalen Tacho geschaut haben? Wer durfte mit dem Starterknopf unter der Armaturentafel die exakt 23,5 PS des 985-Kubik-Motors auf die hintere Pendelachse loslassen? Wie viele Menschen mögen sich nach seinem Anblick für die berühmte Sparkarte "Dein KdF-Wagen" (KdF = "Kraft durch Freude", die Freizeitorganisation der Nazis, die den Volkswagen damals vertreiben sollte) entschieden haben? Lukas mit seinen 23 Jahren hingegen wirkt bedrückt. Er erinnert sich spontan an seinen Schulunterricht, in dem offener als noch bei Diether über das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte berichtet wurde. Wofür der kleine Käfer zum Glück absolut nichts kann.

Der Dornröschen-Käfer: VW Käfer 1200 L

Prima Einstieg: Die Türen öffnen sich fast rechtwinklig. Seitenhalt bieten die schmalen Sitze nicht.

© C. Bittmann

Beide freuen sich aber, dass ihnen die Sammlerfamilie Grundmann aus Hessisch-Oldendorf diesen Wagen überlassen hat. Seine Inneneinrichtung besteht aus nitrolackiertem, schwarzem Blech. Aus dieser Kühle blitzen die zwei chromumfassten Instrumente fast wie Swarovski-Steine hervor. In einem steckt der Veigel-Tacho mit optimistischer 120-km/h-Skala, im anderen das Schaltschema des unsynchronisierten Vierganggetriebes, an das sich Lukas erst gewöhnen muss. Seine kratzenden Schaltversuche lassen Diether lästern, doch auch er schafft das Anfahren erst nach etwas Übung: Gang rein, die gerade verzahnten, also laut aufjaulenden Zahnräder ordentlich auf Touren bringen, Gas weg, kuppeln, laaange warten, dann mit viel Gefühl den Zweiten einlegen. Und erst die Bremse! Wer am Handhebel zieht, bremst alle vier Räder ab und sieht erstaunt das Fußpedal gen Boden sinken. Hängt ja alles an einem Seilsystem. Hydraulik kam später, ebenso eine Heizung. Bis zu seinem rühmlichen Ende in Mexiko blieb keine Käferschraube mehr an ihrem Platz, alles wurde verändert, meist auch verbessert. Ebenso sein guter Ruf, das krabbelte immer seiner Zeit voraus.
Fahrzeugdaten VW Käfer Prototyp Nr. 6 (1938)
Motor Vierzylinder-Boxer
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Zahnräder
Hubraum 985 ccm
Bohrung x Hub 70,0 x 64,0 mm
kW (PS) bei U/min 17 (23,5)/3000
Nm bei U/min 56/2000
Höchstgeschwindigkeit 105 km/h
Getriebe Vierganggetriebe
Antrieb Heckantrieb
Bremsen vorn/hinten Trommel/Trommel
Verbrauch (Werksangabe) 7,5 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 25 l/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 1045 kg

Autoren: Diether Rodatz,

Fotos: C. Bittmann

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