"Erster Porsche" P1 von 1898

Wieviel Porsche steckt im Egger-Lohner?

— 13.03.2014

Erkenntnisse im "Fall" Egger-Porsche

Der Wirbel um den historischen, von Porsche mitkonstruierten Egger-Lohner geht weiter. Gutachter bescheinigen jetzt: Der Egger-Lohner-Wagen von 1898 ist grundsätzlich original – einige Details sind jedoch gefälscht.

Langsam kommt Licht ins Dunkel um den "Egger-Lohner C.2", der im Haus Porsche schon für einigen Wirbel gesorgt hat. Der Ärger begann kurz nachdem Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und Vorstandschef Matthias Müller den "P1" aus dem Jahre 1898 oder 1899 als neues Glanzstück des Porsche-Museums vorgestellt hatten. Der Wagen, ein Egger-Lohner-Elektromobil Modell C.2 Phaeton, wurde als "erste Porsche-Konstruktion der Welt" präsentiert, denn dessen Elektroantrieb hatte der junge Ferdinand Porsche, damals Mitarbeiter bei Egger, maßgeblich mitentwickelt. Porsche hat jedoch den Wagen zu keinem Zeitpunkt als "ersten Porsche" bezeichnet, wie es verschiedene Medien später falsch wiedergaben, eine Formulierung, die auch wir leider teilweise aufgegriffen haben. Allerdings stellte sich schon bald heraus, dass mit dem  Wagen etwas nicht stimmt.

Wer änderte das Schild und ergänzte den Stempel?

Deutscher Überflieger

Porsche 356 A Convertible Porsche 356 A Convertible Porsche 356 A Convertible
Der Automobil-Sachverständige Karl Eder wurde aufmerksam, als er von einem "116 Jahre lang verschollenen Scheunenfund" las. Er hat das Fahrzeug 2009 im Auftrag des Technischen Museums Wien als damaligem Eigentümer begutachtet. Das Museum wollte sich von dem Vehikel trennen, nachdem es seit 1918 (!) dort und zuvor seit 1902 in einem anderen Museums-Magazin eingelagert gewesen war. Im Rahmen des Gutachtens wurde das Auto in vielen Details fotografiert. Den Wert taxierten Eder und ein Kollege damals auf 32 000 bis 35 000 Euro.

Achsnabe ohne P1-Kennzeichen und mit später angebrachter Kennzeichnung.

Angeblich habe Ferdinand Porsche in jener Zeit in alle seine Konstruktionen ein "P" eingeschlagen. Eine solche Prägung war bei der Begutachtung 2009 offenbar nur auf einer von vier Radnaben vorhanden – jetzt tragen zwei Naben die Prägung "P1". Auch das „Egger-Lohner“-Schild aus Messing ist inzwischen einer emaillierten „Lohner System Porsche"-Plakette gewichen, eine solche wurde aber erst ab 1900 montiert. Ferner besaß der Wagen bei der Bestandaufnahme 2009 laut Gutachter Eder keine Instrumente – jetzt hat er sie. Sie sollen laut Porsche zum Zeitpunkt des Gutachtens 2009 in einer Kiste neben dem Fahrzeug gelagert gewesen sein – Karl Eder kann sich an keine Kiste erinnern. Wie auch immer: Wer den Wagen zwischen 2009 und heute verändert hat, ist unbekannt. Das Wiener Museum veräußerte den Egger durch Tausch an einen Sammler, der es AUTO BILD-Informationen zufolge an eine Firma weitergab, von der Wolfgang Porsche es privat erwarb.

Der Egger ist ein Original

Porsche hat inzwischen Gutachter mit der Untersuchung des Wagens beauftragt. Diese bestätigen jetzt die Originalität des Egger-Lohner C.2 (wobei das genaue Baujahr – 1898 oder 1899 – unklar bleibt) und die Einschätzung, dass Ferdinand Porsche maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war. Wie das falsche Markenlogo aufs Auto kam, bleibt ungeklärt. Kurios ist auch die Tatsache, dass eine der beiden strittigen Radnabendeckel mit P1-Prägung zumindest historisch ist, die andere aber definitiv erst sehr viel später "ergänzt" wurde – und dass zwei Radnaben nie bestempelt wurden. Welcher Fälscher das tat, ist offen. Käufer Wolfgang Porsche stand für ein Interview nicht zur Verfügung.
Autor:

Stefan Roßbach

Fazit

Unterm Strich besitzt das Porsche-Museum mit dem Egger-Lohner ein nicht nur für die Porsche-Geschichte wertvolles Exponat, das die konstruktive Handschrift Ferdinand Porsche trägt. Die vermutlich erst nach 2009 erfolgten Manipulationen beeinträchtigen die Originalität des Fahrzeugs, nicht aber dessen historischen Stellenwert. Der "erste Porsche" ist es nicht – das hat das Unternehmen allerdings auch niemals behauptet. Eine technische "Weltsensation" (O-Ton Porsche-Pressemeldung) sehe ich in dem Egger-Lohner allerdings auch nicht.

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