VW-Camper T1 Westfalia

VW-Camper T1 Westfalia VW-Camper T1 Westfalia VW-Camper T1 Westfalia

WV T1 Westfalia 1965

— 28.04.2012

Geteilte Freude

Der T1 eignet sich heute nur noch für Zeit-, nicht mehr für Weltreisen. Allerdings mit einer für heutige Verhältnisse kaum mehr genießbaren Langsamkeit und zu sehr hohen Preisen, zählt er doch inzwischen zu den hoch geschätzten Klassikern.

Die Straßen der Erinnerung sind mit Legenden, Heldentaten und Sehnsüchten gepflastert. Auf ihnen reist der VW T1 Camper am besten. Ansonsten fällt ihm das im Heute etwas schwer, weil es so schnelllebig und hektisch geworden ist. Wenn einer wie er in Zeitlupe durch die Landschaft schlendern will, eckt er an. Doch alles beginnt mit einem kleinen Aufstieg in die kurze Fahrerkabine. Sie bietet Platz für drei Erwachsene, die schüchtern nicht sein sollten. Die Schuhe füßeln auf den stehenden Pedalen, das Kupplungspedal klappt nach unten. Schlüsseldreh, und hinten im kleinen Motorkabäuschen rappelt sich der 1500er auf. Über den spillerigen Schalthebel lässt sich der erste Gang hineinstochern. Ein fester Tapser Gas, das Kupplungspedal federt zurück, und der T1 zuckt voran. Ein paar Meter, dann mit Zwischenkuppeln in den zweiten Gang stochern. Und weiter so, bis in den vierten.
VW-Camper aus drei Generationen
VW T2 Helsinki VW T3 Joker Vergleichstest

Den Charme der Aufbau-Epoche, den Stolz der ersten Touren in fremde Länder und die Legenden der Hippie-Jahre, all das transportiert der T1 heute noch.

©S. Krieger

Wir müssen ein kleines Stück über die Autobahn. Dort eröffnet der T1 eine neue Dimension der Seitenwindsensibilität. Er tändelt in seiner Spur, die träge, indirekte Lenkung spricht spät und beeindruckend unpräzise an. Mehr als 80 km/h müssen es weder für den kleinen Bus noch für den Fahrer sein. Auch weil die Bremsen mit großer Sanftheit verzögern. Doch der VW federt ordentlich und wippt schon in seiner ersten Generation fröhlich von Unebenheiten angestachelt. Auf der Landstraße dann, so bei Tempo 65, prasselt der Motor gemütlich, die Welt zieht derweil träge an den vielen kleinen Fensterscheiben vorbei. Das könnte jetzt alles so weitergehen, bis in die Ferne, die so noch ein wenig weiter weg erscheint. Doch die Freude des Autowanderns ist keine, die Hinterherfahrende heute verstehen.

Damals schon die Nummer Eins: VW T1 Transporter

Die Stehhöhe bleibt auf den kleinen Fleck unterhalb des Ausklappdachs beschränkt.

©S. Krieger

Rasten wäre jetzt gut, also halten wir an einem See und packen den Hausstand aus, der zu so einem Camper gehört. Wir stellen die Dachluke auf, spannen die Markise auf, kochen ein Tässchen Tee. Die rustikale Möblierung des Innenraums spiegelt das karge Glück der Nachkriegsjahre wider – alles handwerklich bedacht und clever, doch ein Zeugnis der Kunst, schwierige Umstände mit Erfindergeist und Improvisationstalent zu meistern: ein einhängbares Kinderbett in der Frontkajüte, ein Tischlein in der einen, ein Schränkchen in der anderen Flügeltür maximieren den nutzbaren Raum und schaffen auf 7,5 Quadratmeter Grundfläche eine Ferienwohnung für die Familie. Eigentlich war er dafür gedacht, die Woche über zu Hause im Betrieb zu ackern, zum Wochenende wurde die Stube dann gut eingerichtet, und dann ab in die Sommerfrische. Dass er für den Hippie-Trail nicht entwickelt wurde, zeigt sich dagegen schon in einem Detail: dem Aschenbecher. Für das, was die damals so weggeraucht haben, war der sicherlich viel zu klein.
Fahrzeugdaten VW T1 Westfalia 1965
Motor Vierzylinder-Boxer
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Zahnräder
Hubraum 1493 ccm
Bohrung x Hub 83,0 x 69,0
kW (PS) bei U/min 33 (44)/4000
Nm bei U/min 102/2000
Höchstgeschwindigkeit 105 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Trommel/Trommel
Testwagenbereifung 7.00-14 6 PR
Verbrauch (Werksangabe) 11,0 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 40 Liter/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 2070 kg
Länge/Breite/Höhe 4280/1750/1925 mm
Spurweite vorn/hinten 1375/1360 mm
Messwerte
Leergewicht/Zuladung 1140/930 kg
Wendekreis 12,0 m
Testverbrauch - CO2(links/rechts) 11,5 l - 273 g/km
Reichweite 350 km
Ausstattung: drei Sitzplätze vorn, zwei hinten • zwei Schlafplätze unten, ein Kinderbett vorn unten, auf Wunsch Aufstelldach mit zwei Schlafplätzen oben • Kocher mit zwei, auf Wunsch drei Flammen, Gas/Spiritus/Benzin • auf Wunsch Absorberkühlschrank, circa 60 Liter • eine Leseleuchte, optional eine Hängeleuchte
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 68 Euro
Werkstattintervalle 4000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 120/340 Euro
Zeitwert (Zustand 3, Stand 4/2012) 35.300 Euro

Autor: Sebastian Renz

Fotos: S. Krieger

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