Youngtimer-Sammlung

Deutschlands erstes Toyota-Museum Deutschlands erstes Toyota-Museum

Youngtimer-Sammlung

— 19.05.2003

Deutschlands erstes Toyota-Museum

Toyota – immer zuverlässig, aber nie geliebt. Von wegen! Peter Pichert hat sie (fast) alle, die Japaner der ersten Stunden. Schon 80 Youngtimer warten in Hartkirchen auf Fans der Marke.

Sieht eigentlich aus wie eine der üblichen Großstadtszenen. Ein grauer Spätachtziger, Typ Toyota Carina XL, Modell Hut- und Hosenträger, lungert abgemeldet in einer zugigen Ecke seinem Ende entgegen. Das harte Los einer nie geliebten Nutzwert-Limousine: gekauft, gefahren, abgemeldet. Typisch, oder? Könnte sein, doch hier sind wir in Hartkirchen bei Pocking, und dieser Toyota hat Glück. Einmaliges Glück sogar, denn dies sind die Autos, um die sich Peter Pichert (59) aus Passau sorgt.

Eine Carina wartet auf Einlass

Picherts großer Liebling ist der Feuerwehr-Landcruiser von 1979, garantiert erst mit 28.000 Kilometern auf dem Tacho.

Ob unscheinbar oder nicht, unglaublich, aber wahr: Diese Carina, so charmant wie eine Behörden-Schrankwand, wartet auf Einlass in das Allerheiligste. Auf die Aufnahme in das erste Toyota-Museum Deutschlands. Gegründet von Pichert. Ganz privat, nur so. "I mag halt alte Sachen." Da warten schon etliche andere aus ihrer vergessenen Verwandtschaft. Corolla, Cressida, Celica, Corona und wie sie alle heißen. Doch Namen sind Schall und Rauch, erst wenn man davor steht, weiß man, dass es sie nicht mehr gibt. Hier werden sie gehütet.

Kunde Eins kam immer wieder

Die erste Corolla, früher gerade mal so groß wie ein Polo. Die Celica, anspruchsloser Sportler mit keckem Hüftschwung im Zeitgeist-Fummel. Die seltene Corona, Mittelklasse-Pontiac für Arme, und die krude Cressida, so eine Art Granada auf Japanisch, nur mit viel mieserer Straßenlage. Das gab’s alles wirklich einmal, damit wurde Toyota bei uns groß, auch wenn der Importeur davon kaum noch was wissen will.

Ganz im Gegensatz zum Pichert-Peter. Für den ist nichts unmöglich. Im August 1971 hatte Pichert, gelernter Kfz-Meister auf Mercedes-Benz, den ersten Toyota in Passau verkauft. Von der Tankstelle aus, genau wie beim ersten Toyota hierzulande, dasselbe nur in Grün. Ein Corolla Coupé KE 25, 58 PS aus 1166 cm3, 148 km/h Spitze, klein und verquollen, echt japanischer Spät-Barock.

Der Kunde der ersten Stunde, Helmut Ebner, kam wieder, siebenmal in 31 Jahren. "Bis auf eine Carina immer Corollas gekauft", sagt Pichert, einer von 28 Händlern im Premierenjahr. Sogar Corolla die Erste kam wieder. "Mitte der 80er haben mein Sohn und ich das Auto in einem Acker entdeckt. Der Besitzer hat es uns geschenkt. Zufällig hatten wir passende Kerzen dabei – reingedreht, überbrückt, der Wagen lief!"

Seltene Ersatzteile im Pappkarton

Jetzt, bis zur historisch korrekten Toyota-Schlauchschelle eigenhändig restauriert, hat er im Museum einen Ehrenplatz, zu erkennen an der Goldfolie als Unterlage. Nicht der erste Toyota in der Sammlung, aber Picherts kleiner Liebling neben dem ganz großen. Zwei Tonnen hochbeinigrechtwinkliger Stahl, ein Landcruiser Station FJ 55, wie er noch nicht einmal mehr in Afrika unterwegs ist. Baujahr 1979, aus erster Feuerwehr-Hand, 28 .00 Kilometer jung und original bis zum Aufkleber auf dem Luftfilter.

"Zersägte Hütten kommen hier nicht rein." 80 – in Worten: achtzig! – alte Toyota haben Peter sen. und Peter jun. (35) in der ehemaligen Schneiderei in Hartkirchen in Niederbayern zurzeit ausgestellt. 20 weitere sind über den Landstrich verteilt, Platz ist für 150, und die sollen es auch werden. Fernost in Deutschlands tiefstem Süden, gesammelt seit 1978, ausgestellt seit 1994.

"Nach einem Brand haben wir das hier umgebaut. Das war die Chance, meinen Museums-Traum wahr zu machen", sagt der Passauer und lächelt selig. Pichert schmeißt nichts weg. Seine steinalte Kundenkartei im Hängeregisterständer nicht, den allerersten Werkstattkittel nicht. Schon gar keins der seltenen Ersatzteile im knittrigen Pappkarton mit den japanischen Schriftzeichen. Pichert hebt auf, kauft auf, stellt aus.

Gesucht: Celica TA 22 GT Coupé

Alles, was Toyota und Pichert in über 30 Jahren verkauft haben, Ausnahmen inklusive. Wie einen von 337 gebauten 2000 GT von 1967, mit dem James Bond in "Man lebt nur zweimal" unterwegs war. Oder einen Hybrid-Prius, den nur in Japan verkauften Sera, der aussieht wie ein Opel Tigra mit Flügeltüren. Oder den WRC-Corolla von Carlos Sainz, die einzige Leihgabe von Toyota. "Sonst krieg i nix." Tercel, Starlet, Supra Turbo, allein sieben schwülstige Crown ("mein Lieblings-Auto im Alltag"). Bis zum Lieferwagen Hiace reicht die Hingabe.

Peter Pichert liebt und lebt seine Marke, hat für seine Gäste ein Museum-Restaurant gebaut und einen Aussichtsturm obendrauf. "Auch wenn mich viele für spinnert gehalten haben", sagt Pichert, angetan mit öligem Kittel und bewaffnet mit einem Schlüsselbund, als wäre er Hausmeister statt Museums-Direktor. Ist er momentan auch. Und in beiden Funktionen fehlen Herrn Pichert noch drei Dinge zum Glück: "Ein Celica TA 22 GT Coupé, ein Corolla KE 26 Kombi und ein Gastwirt mit einem Herz für alte Autos." Na ja, und vielleicht noch ein paar andere Toyota, die anderswo einfach nicht mehr geliebt werden (Kontakt übe Telefon 08 51-94 93 30).

Toyota an einer Total-Tankstelle

Der erste Toyota in Deutschland wurde am 18. Februar 1971 an der Total-Tankstelle von Karl Walterscheidt in Bergisch Gladbach verkauft. Der Kunde holte, kein Wunder, sein Auto selbst ab: ein gelbes Corolla 1200 Coupé mit schwarzer Kunstleder-Polsterung. Ein Feiertag für die gerade neu gegründete "Deutsche Toyota Vertriebs- GmbH" in Köln-Braunsfeld. Dort organisieren sieben Mitarbeiter den Verkauf von 883 Fahrzeugen der Modelle Corolla und Carina im ersten Jahr auf dem bundesrepublikanischen Markt.

1973 sind bereits 10.439 Toyota in Flensburg registriert, ein Jahr darauf übernimmt Toyota (1937 von Kiichiro Toyoda als Autosparte der väterlichen Webstuhlfabrik gegründet) die unabhängige Vertriebsgesellschaft, 1976 wird sie in Toyota Deutschland umbenannt. Die Zahl der Händler ist inzwischen von 28 auf 536 gestiegen.

1983 erwirtschaftet die Händlerschaft erstmals einen Umsatz von über einer Milliarde Mark, und drei Jahre später fährt der 500.000ste Toyota auf Deutschlands Straßen – Toyota ist erfolgreichster japanischer Importeur. Bis 2002 haben die Autobauer aus Toyota City über zwei Millionen Autos in Deutschland an Mann und Frau gebracht, im vergangenen Jahr verkauften 700 Händler rund 104.000 Fahrzeuge der 16 Toyota- und fünf Lexus-Modellreihen.

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