Was für eine Kulisse! Das 300 Jahre alte Barockschloss Bensberg ist ein echtes Schmuckstück – genau wie die zahlreichen Oldtimer, die sich anlässlich der 1. Schloss Bensberg Classics auf dem Gelände des eleganten Grandhotels tümmelten.
Das luxuriöse Domizil war für zwei Tage der Magnet automobiler Prachtwerke vergangener Zeiten.
Was für Kurven! Gleich am Eingang des Schlosshofs posiert der atemberaubende Bugatti Royale – automobile Extravaganz in Einklang mit der barocken Pracht ihrer Umgebung.
Der nur sechs Mal gebaute Wagen sollte ursprünglich an Könige und Staatsmänner verkauft werden. Doch nicht einmal die hatten in den 30er Jahren das nötige Kleingeld, sich den exorbitant teuren Wagen leisten zu können. Drei Exemplare wurden an Privatleute verkauft, drei behielt Ettore Bugatti für sich.
Das hier gezeigte Fahrzeug ist ein Coupé de Ville von Karossier Binder aus dem Jahr 1932. Es gehörte einst dem Pariser Industriellen Armand Esders und ist heute im VW-Besitz. Unter der endlos langen Haube ...
... steckt ein Reihen-Achtzylinder mit 12,7 Liter Hubraum. Das riesige Aggregat leistet 300 PS und schiebt den 3,2-Tonnen-Koloss auf bis zu 200 km/h. Zu so viel automobilem Größenwahn passt der tanzende Elefant auf dem Zirkusball ganz gut.
Während der exklusive Royale nur vornehm in der Sonne glänzen durfte, wurden andere Teilnehmer hart gefordert: Die "Rallye Historique" führte auf 160 Kilometern kurviger Landstraßen durchs Bergische Land. Auf Platz eins landete das Team Dirk und Martina Petersmann im Aston Martin DB6.
Knapp dahinter: Matthias Kahle und Peter Göbel im Skoda Octavia TS aus dem Jahr 1961.
Rallye-Profi Kahle hatte seinen Spaß. Die anspruchsvolle Strecke forderte selbst "alten Hasen" Einges ab. Da passte es ganz gut, ...
... dass man für den "Fall der Fälle" vorher die nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte.
Mauserten sich zum Publikumsliebling der Klassiker-Rallye: Ehepaar Ulrich und Marlis Ehlert mit ihrem wunderschön restaurierten Ford Pick-Up Typ A, Baujahr 1928. Dazu trug auch ...
... das authentische Farmer-Outfit der Besitzer bei, das mit dem historischen Lastesel eine perfekte Symbiose einging.
Grüß' mir die Sonne: Bei Kaiserwetter hatten besonders die Cabrio-Fahrer unter den Rallyeteilnehmern Grund zur Freude. Zum Beispiel im Sunbeam Tiger, Baujahr 1966.
Ebenfalls auf der Sonnenseite: Das Bentley-Team im Blower aus dem Jahr 1930 - unterwegs mit Kompressor-Power ...
... und lackiert im stilechten British Racing Green.
Besonders die giftgrünen Speichenräder machten diesen Vorkriegs-Ford A (Werner und Siegried Zöllner) aus dem Jahr 1930 zum Blickfänger.
Schöne Aussicht: Der elegante Lagonda LG 45 Rapide (1937) von Ivo Nijs und Liliane Lemmens macht sich auf ins Bergische Land.
Ältestes Teilnehmerfahrzeug im Startfeld: Rolls-Royce Silver Ghost aus dem Jahr 1914, gefahren von Jan de Boer und Marion Hamann. Der betagte Brite ...
... biss sich auf den 160 Kilometern ohne zu mucken tapfer durch.
Rennfahrer-Legende Jacky Ickx war im offenen VW Denzel von 1958 unterwegs.
Der Ex-Formel-1-Pilot war begeistert: "Noch mehr als das Fahren an sich hat mich die herrliche Landschaft hier beeindruckt. Es war eine fantastische Strecke mit tollen Kurven. Beim nächsten Mal bin ich definitiv wieder dabei."
Groß in Fahrt: Oude Weernink im "Herbie"-Käfer von 1966.
Noch ein Käfer, allerdings weniger zügig unterwegs: Der gelbe Engel aus dem Jahr 1973 hatte dank rutschender Kupplung und streikendem Vergaser seine liebe Not mit den steilen Bergstraßen.
Ebenfalls ein Fall für den ADAC war der BMW 315 von Rudolf und Ulrike Mayr. Eine defekte Wasserpumpe legte den Vorkriegs-BMW bereits wenige Kilometer nach dem Start still.
Keine Probleme hatte das exklusive VW Rometsch Coupé, Jahrgang 1959, gefahren von VW-Entwicklungschef Dr. Ulrich Hackenberg und Gattin Thresia.
Schafften es trotz Kühlwasser-Lecks ins Ziel: Julius Kruta und Eckhard Schimpf im Bugatti Type 35 T, Baujahr 1926.
Grüner Hüpfer von der Insel: Günther und Alexander Pilz im 1936er MG VA ...
... hatten ihr Motto selbstwusst auf der langen Haube verewigt. That's racing!
Publikumsmagnet: Keine Frage, so ein seltenes Stück wie das rare BMW 503 Cabriolet (1957) von Hans-Hartmut Krombach und Peter Rüther bekommt man nicht alle Tage vor die Linse.
Prof. Dr. Manfred Niewarra und Ehefrau Ingrid genossen das herrliche Wetter im offenen Aston Martin DB2/4 ...
... ihr Passagier auf dem schmalen Rücksitz fand die Tour allerdings zum Gähnen.
Deswegen schnell weiter mit dem Concours d'Elegance,dem Wettbewerb der schönsten Klassiker. 44 erlesene Prachtexemplare traten an. Darunter waren auch ...
... rare Einzelstücke wie der Bugatti 57 SC Atalante, in dieser Karosserieausfertigung nur ein einziges Mal gebaut. Der ausgestellte Wagen schlummerte jahrzehntelang in einer Scheune vor sich hin und wurde von Paul Grist in England aufwendig restauriert. Lohn der Mühe: Ein Sonderpokal in der Kategorie "Innovativste Technik Vorkriegsmodelle".
Seinerzeit das schnellste viersitzige Coupé der Welt: Bentley R-Type Continental von 1952. Ein 4,5 Liter großer Reihensechszylinder beschleunigte den Wagen auf knapp 190 km/h.
"Bentley Boy" Philipp Gebhardt (24) posiert vor einem S1 Continental Flying Spur mit einer Karosserie der Firma H. J. Mulliner.
Sieger in der Kategorie geschlossener Vorkriegsfahrzeuge: der mächtige Bentley 8 Litre von 1931 - mit amtlichen 200 PS aus acht Litern. Das hier gezeigte Sportsman Coupé gewann bereits 1932 seinen ersten Concours, mittlerweile kamen weitere Trophäen in Pebble Beach (2001) und Villa d'Este (2009) hinzu.
Majestätisch: Der bildschöne Horch 853A Spezial-Roadster (1938) von Karossier Erdmann und Rossi. Nur zehn Exemplare wurden gefertigt, ...
... zwei davon haben überlebt. Dieses gehört der Gesellschaft der Freunde Historischer Automobile. Das mit einem 120 PS starken Achtzylinder motorisierte Fahrzeug ...
... zählt damals wie heute zu den großen Design-Klassikern. Der Wagen gewann den Sonderpokal "Bester restaurierter Zustand".
Welcher ist der Schönste? Keine leichte Entscheidung für die Jury um VW-Designchef Walter de'Silva (rechts).
Nicht der Fahrzeugbesitzer, dafür zeitgemäß gekleidet: Dieser Oldie-Fan beweist Geschmack und postiert sich vor einem 1931er Alfa Romeo 6C 1750 GS (steht für "Gran Sport") von Karossier Brichet.
Einfach göttlich: Citroën DS 19 Chapron Palm Beach von 1963, von dem lediglich fünf Stück gebaut wurden. Sieger in der Kategorie der Nachkriegs-Cabrios.
Fachgespräche: Jacky Ickx, Walter de'Silva (rechts).
Alfa Romeo 6C 2500 SS "Villa d'Este" (1951): Eine der erfolgreichsten italienischen Karosseriefirmen war die Mailänder Carrozzeria Touring, ...
... die auch dieses Meisterwerk entwarf. Der 105 PS starke Alfa gewann bei seiner erstmaligen Präsentation im Jahr 1949 auf Anhieb den Concorso d'Eleganza in der Villa d'Este.
Kantiges Einzelstück: Karmann Pik As von 1973. Niemand Geringeres als Giorgetto Giugiaro zeichnete diese Studie auf technischer Basis des damaligen Audi 80. Dass aus dem Pik As keine Serienproduktion wurde, kann man nur bedauern – allerdings gelangte so maches Detail später in den Lotus Esprit.
Lancia Stratos HF: Als Carrozzeria Bertone 1970 auf dem Autosalon diesen knallig-orangenen Prototypen präsentierte, ahnte noch niemand, dass dieses Mittelmotor-Coupé über Jahre den Rallyesport beherrschen würde. Sieger in der Kategorie "Show Cars".
Strahlendes Wetter, strahlende Gesichter: Lamborghini Deutschland-Chef Stephan Winkelmann (rechts) und Testfahrer-Legende Valentino Balboni.
Noch mehr Prominenz: Schauspielerin Andrea Sawatzki mit Ehemann Christian Berkel.
Fazit: Die Premiere der Schloss Bensberg Classics 2009 war gelungen. Das Event ist zwar deutlich kleiner als die etablierten Wettbewerbe in Pebble Beach und Villa d'Este, kann aber in puncto Exklusivität der Fahrzeuge locker mithalten.
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.