11.07.2009
100 Jahre Audi
Wanderer, Horch, DKW, NSU – längst vergessen und doch nicht wegzudenken aus der 100-jährigen Audi-Vergangenheit. autobild.de erzählt die bewegte Geschichte der vier Ringe.
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Audi Historie auf einen Blick: Horch 830 BL, 1938; DKW3=6 (F91), 1953; NSU Prinz 30, 1959; Wanderer W25K, 1937; Audi Front 225, 1936 (von links nach rechts).
Maschinenbauingenieur August Horch (1868-1951) war seit 1896 bei Benz in Mannheim beschäftigt. 1899 gründete er in Köln seine eigene Automobilfabrik Horch & Cie. Dort fertigte er seine ersten Motorwagen – bereits mit Kardanantrieb.
August Horch (mit Schirmmütze sitzend) und die erste Belegschaft seiner Motorwagenfabrik in Köln-Ehrenfeld. 1903 siedelte Horch seinen Betrieb um nach Zwickau in Sachsen. Horch war ein leidenschaftlicher Autokonstrukteur, Qualität war ihm stets wichtiger als Rendite.
Das erste Horch Automobil, ein Horch Phaeton mit 5-PS-Motor: Anfang 1901 unternahm August Horch (vorne links) mit seiner Frau Anneliese (vorne rechts) und seinem Kompagnon Salli Herz (hinten rechts) und einem weiteren Freund eine Ausfahrt in den Gassen von Köln-Ehrenfeld.
Audi 10/22 PS (Typ A) und Audi 10/28 PS (Typ B) bei der österreichischen Alpenfahrt im Mai 1911.
Firmengründer August Horch am Steuer eines Horch Torpedo 11/22 PS bei der Prinz-Heinrich-Fahrt.
August Horch (am Fahrzeug lehnend) nach dem Sieg der Herkomer-Fahrt von 1906 mit einem Horch 11/22 PS.
Deutschlands erster serienmäßiger Achtzylinder: Horch 8 12/60 PS Typ 303 (1926-1927) mit Reihenachtzylinder und 60 PS. Sowohl Verarbeitung und Ausstattung waren von bester Qualität.
Oberklasse in den 30er Jahren: Den Horch 8 gab es in zahlreichen Hubraumgrößen und Karosserievarianten, immer war ein Reihen-Achtzylinder unter der Haube. Das abgebildete Horch 8 Typ 780 Cabriolet (1932-1934) hatte fünf Liter Hubraum, 100 PS und erreichte 125 km/h.
Autobahn-Tankstelle in Deutschland Ende der 30er-Jahre: Ein Horch 853 Sport-Cabriolet (1935-1940) tankt gerade das damals übliche Benzin-Benzol-Gemisch. Der Horch 853 wurde insgesamt 1.024-mal produziert.
Gewann in den 30er Jahren reihenweise Schönheitswettbewerbe: Der Horch 12 Typ 670 mit Zwölfzylindermotor von 1932. Ein wirtschaftlicher Erfolg war der Horch 12 hingegen nicht: Von 1931 bis 1934 wurden nur 81 Stück gefertigt.
Boulevard-Racer der späten 30er Jahre: Das Horch 853 Sport-Cabriolet (1937) mit 120-PS-Achtzylinder war sehr beliebt bei wohlhabenden Kunden, die diskrete Noblesse schätzten. Wohlhabend sollte man auch heute noch sein, möchte man einen der edlen Horch erwerben. In perfektem Zustand werden rund 400.000 Euro aufgerufen!
Höchst exklusiv: Vom Horch 855 Sport-Roadster (1938-1939) wurden nur zehn Exemplare gebaut.
Schlussstrich und Neuanfang: 1909 verlässt August Horch die Horch & Cie AG in Zwickau. Horch hatte sich mit dem Aufsichtsrat zerstritten. Ganz in der Nähe der alten Fabrik gründet Horch ein neues Werk. Auf der Suche nach einem neuen Firmennamen verwendete man die lateinische Übersetzung von Horch: Audi! Schon 1910 erscheint der erste Audi, der Typ A (Bild).
Siegertyp: Mit dem Audi Typ C, genannt "Alpensieger", gewann August Horch zweimal die Österreichische Alpenfahrt. Über 1424 km lief der Typ C mit höchster Zuverlässigkeit. Der 3,5-Liter-Vierzylinder leistete 35 PS und galt als einer der leistungsfähigsten Motoren in seiner Klasse.
Der Audi Typ M glänzte mit zahlreichen Highlights: Obenliegende Nockenwelle, achtfach gelagerte Kurbelwelle, Ölkühler, Wasserthermostat, hydraulisch geregelte Bremsanlage und Zentralschmierung waren 1924 innovative Merkmale. Leider war der Typ M viel zu teuer, der Wagen wurde ein Flop.
Erster Audi-Sechszylinder als Schnittmodell: Audi 18/70 PS Typ M aus dem Jahr 1925. Es ist eines von weltweit noch vier existierenden Exemplaren. Insgesamt wurden nur rund 300 Fahrzeuge gebaut.
Der auch in der Produktion viel zu teure Typ M hätte Audi beinahe in den Ruin gestürzt. Nachfolger ist der Typ R "Imperator" mit seitengesteuertem Achtzylinder, Dreiganggetriebe und einfacherer Ausstattung. Er ist in der Fertigung erheblich preiswerter als der Typ M.
Der Audi Imperator, auch Audi Typ R genannt, ist der erste Achtzylinder von Audi. Er verkauft sich leider noch schlechter als sein Vorgänger: Von 1928 bis 1932 werden nur rund 150 Fahrzeuge gebaut.
1931 erscheint der Audi Typ T "Dresden" mit 3,8-Liter-Sechszylinder und 75 PS. Auch der Typ T geriet zu teuer, mitten in der Weltwirtschaftskrise fanden sich kaum Käufer, 1932 wurde die Produktion schon wieder eingestellt – nach nur circa 100 Fahrzeugen.
Zwischenlösung: Um die nur 140 Audi-Arbeiter 1931 zu beschäftigen, ließ der damalige Audi-Chef Rasmussen den fast unveränderten DKW 4=8 mit Peugeot-Vierzylinder fertigen. Doch der Typ P wird ein Flop, wie seine Vorgänger. Er wurde nur 327-mal gebaut.
Synergieeffekt: Im Juni 1932 fusionierten DKW, Audi, Horch und die Auto-Abteilung von Wanderer. Zusammen bildeten sie die Auto Union. Der neue Audi Front Typ UW erhielt die Antriebseinheit von Wanderer mit Frontantrieb und wurde bei Horch in Zwickau gefertigt. Im Bild der nur zweimal gebaute Audi UW 225 Roadster von 1935.
Der Audi Typ 920 löste im November 1938 den Audi Front ab. Der 3,2-Liter-Sechszylinder ist vom Reihenachtzylinder des Horch abgeleitet. Ursprünglich sollte der Typ 920 auch als Horch auf den Markt kommen, als Audi schloss er jedoch die Modell-Lücke zwischen Wanderer und Horch. Kriegsbedingt endete die Produktion 1940 nach rund 1200 Fahrzeugen.
Die Grand-Prix-Rennwagen von Auto Union dominierten zusammen mit den Mercedes-Silberpfeilen die europäische Rennszene in den 30er Jahren. Im Bild: Formel-1-Legende Jacky Ickx am Steuer eines Auto Union Typ D Doppelkompressor von 1939 auf dem Goodwood Festival of Speed 2009.
Hans Stuck - Rennfahrer-Star der 30er Jahre – am Nürburgring 1937 neben einem Silberpfeil der Auto Union.
Bernd Rosemeyer beim Grand Prix in Donington 1937.
Der Auto Union Typ C Stromlinie Weltrekordwagen von 1937 verließ anlässlich des 100. Geburtstags der Marke Audi erstmals das museum mobile und wurde beim Goodwood Festival of Speed präsentiert.
Im Fahrerlager des Goodwood Festival of Speed 2009 von Zuschauermassen eingerahmt: Der Auto Union Type D Doppelkompressor.
Die Wanderer-Werke, die seit 1932 zur Auto Union gehörten, galten als führender Produzent von Mittelklassewagen. Im Bild: Stand der Wanderer-Werke auf der IAA 1931 in Berlin. Vorn steht ein Wanderer W11 Cabriolet mit 2,5-Liter-Sechszylinder und 50 PS.
Gehobene Mittelklasse: 1928 stellte Wanderer den W11 mit 2,5-Liter-Sechszylinder und 50 PS vor. Der 90 km/h schnelle W11 war zwar etwas behäbig, aber sehr solide. Lieferbar war er als offener Tourenwagen (Bild), Limousine, Roadster, Pullmann-Limousine und als Cabriolet.
Das erste erfolgreiche Auto von Wanderer war das sogenannte "Püppchen", offiziell Wanderer 5/12 PS genannt. Besonderheit: Die Sitze von Fahrer und Beifahrer waren hintereinander angeordnet, da das Auto ungewöhnlich schmal war. Das von 1912 bis 1926 hergestellte "Püppchen" war in Deuschland sehr populär und erreichte immerhin 70 km/h.
Der Wanderer W24 teilte Karosserie- und Fahrwerkskomponenten mit der DKW Sonderklasse. Der Wanderer W24 (1,8-Liter Vierzylinder, 42 PS, 1937-1940) war ein preiswertes und solides Mittelklasseauto.
Futuristisch mutete der "Wanderer Stromlinie Spezial" der Auto Union beim Start zur Fernfahrt Lüttich-Rom-Lüttich 1939 an.
Aufgeladen: Der Wanderer W25K Roadster (1936-1938) hatte einen Sechszylindermotor mit zwei Litern Hubraum und Kompressor unter der Haube. Der Roadster leistete 85 PS und wurde nur 258-mal gebaut. Leider war der ständig mitlaufende Kompressor nicht sehr haltbar, die letzen Roadster wurden ohne Aufladung ausgeliefert.
Ende bei NSU: 1937 lief die Automobilproduktion bei NSU in Neckarsulm und Heilbronn aus. Das Werk hatte sich mit der Entwicklung des NSU 7/34 PS mit Sechszylinder übernommen. Im Bild: Die Hochzeit (Fahrwerk und Antrieb werden zusammengefügt) eines 7/34 PS im Werk Heilbronn. NSU fusionierte 1969 mit der Auto Union GmbH mit Sitz in Ingolstadt zur Audi NSU Auto Union AG mit Sitz in Neckarsulm.
Kernkompetenz von NSU: Der Bau von Fahr- und Motorrädern. Die 1953 vorgestellte NSU Quickly ist mit 1,5 Millionen gefertigten Exemlparen bis heute eines der erfolgreichsten Mopeds aller Zeiten. Im Bild: NSU Quickly auf dem Neckarsulmer Werksgelände fertig zum Versand.
Auch DKW gehört seit 1932 zur Auto Union. Ab 1922 stellte DKW Motorräder her. Großen Erfolg als Autohersteller konnte DKW ab 1931 mit DKW Front-, Meister- und Sonderklasse feiern. Im Bild: Fertigung der DKW mit Frontantrieb 1937 (Typ F7). Die DKW "Frontwagen" wurden im Audi-Werk Zwickau gebaut.
Als Ende der Zwanziger Jahre die Wirtschaftskrise wütete, gerieten viele Autofirmen in Schwierigkeiten. 1932 fusionierten DKW, Horch, Audi und Wanderer zur Auto Union AG. Die vier Ringe symbolisieren den Zusammenschluss der vier Marken. 1958 kaufte Daimler-Benz die Auto Union, 1964 ging sie an Volkswagen.
Die DKW Sonderklasse (intern F 91) erschien 1953 auf der IAA: DKW warb damit, dass der Dreizylinder-Zweitakter eine ähnlich Laufruhe wie ein Sechszylinder-Viertakter erreiche. Aus dem Grund wurde der Nachfolger 3=6 genannt. Im Bild: Ein DKW F 91 in voller Fahrt bei der Mille Miglia.
Auftanken in den 50ern: Die beiden DKW 3=6 Cabriolets (Typ F93) tanken Zweitakt-Gemisch. Die Cabriolets wurden bei Karmann in Osnabrück gebaut. Von insgesamt 137.800 gebauten DKW 3=6 waren nur 1267 Cabriolets.
Handwerker-Traum der frühen 50er Jahre: DKW Meisterklasse Universal, Typ F 89 U, aus dem Jahr 1951. Der Universal hatte zunächst einen Holz-Stahl-Aufbau, ab März 1953 lief er mit Ganzstahlkarosserie von Band. Bis 1954 entstanden 6415 Stück der heute sehr raren Kombiversionen der DKW Meisterklasse.
Das Schicksal meinte es nicht gut mit dem DKW 3=6 Monza. Das zweisitzige Sport-Coupé mit Kunststoff-Karosserie gehörte nie zum offiziellen Verkaufsprogramm von DKW, sondern entstand in Eigenregie einiger DKW-Vertretungen. Als das Werk den 1000 Sp herausbrachte, lieferte es keine Fahrgestelle mehr für den Monza. Nach 240 Monza kam 1958 das Aus.
Nur kurz nach der ersten Vorstellung der DKW Meisterklasse-Limousine 1950 übernimmt Karmann die Herstellung der Karosserien für das viersitzige DKW Meisterklasse-Cabriolet, dessen Endmontage aber im DKW-Werk in Düsseldorf durchgeführt wird. 1952 fertigt Karmann die letzte Karosserie für das mit 23 PS ausgestattete Cabriolet.
Neben dem Viersitzer-Cabriolet produziert Karmann für die Auto-Union ab 1953 auch eine zweisitzige Version des DKW F 91. Im Unterschied zum Vorgänger-Modell wird die DKW Sonderklasse durch einen Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben, der 34 PS leistet.
Vorbild Ford Thunderbird: Der Auto Union 1000 erinnert stark an das US-Vorbild Ford Thunderbird. Technisch basiert er auf dem DKW 3=6, der Dreizylinder-Zweitakt ist jedoch auf ein Liter vergrößert. Die Top-Version 1000 Sp leistet 55 PS und erreicht 140 km/h. Dreizylinder-Zweitaktmotor; 1000 ccm, 55 PS.
Spätzünder: Ganze zwei Jahre nach der Vorstellung auf der IAA 1957 geht der DKW Junior in Serie. Von 1959 bis 1963 entstehen insgesamt 118.968 Fahrzeuge. Der wassergekühlte Dreizylinder (Zweitakter) leistete 34 PS und beschleunigte den rund 5000 D-Mark teuren Wagen auf 114 km/h.
Nachfolger des DKW Junior sind die DKW-Modelle F11 und F12. Den F12 gab es auch als Roadster, der fünf PS mehr als die Limousine leistete. Der F12 Roadster wurde nur ein Jahr (1964) lang gebaut, insgesamt entstanden 2794 Stück. Kaufpreis 1964: 7250 D-Mark. Wert in Topzustand heute: weit über 20.000 Euro.
Transporter des Wirtschaftswunders: Die DKW-Schnell-Laster (1949-1962) waren überaus beliebte Transporter in den 50er und 60er Jahren. Der anfangs mit einem 20 PS starken Zweizylinder ausgerüstete Transporter war in zahlreichen Varianten lieferbar und durfte 750 kg zuladen.
Erstes Auto nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ingolstadt: Die DKW-Schnell-Laster wurden ab 1949 in Ingolstadt gebaut, das sich nach dem Krieg zum neuen Sitz der Auto Union entwickelte. Die bisherigen Werke von Audi, DKW, Horch und Wanderer lagen in der Sowjetischen Besatzungszone und wurden entschädigungslos enteignet.
Erster NSU-PKW nach 20 Jahren Pause: Auf der IAA 1957 erblickt der kleine NSU Prinz das Licht der Welt. Der Zweizylinder im Heck, dessen Kolben gleichzeitig auf- und abwärts laufen (Vertikal-Twin), leistet anfangs 20 PS. Die NSU Prinz I bis III (Bild) waren erfolgreich, von 1958 bis 1962 wurden sie 94.549-mal verkauft.
Ganz heißer Typ: Der ab 1967 angebotene NSU TTS mit 70 PS im Heck war eine Waffe im Straßenverkehr und kann als Ur-GTI angesehen werden! Die Rennsemmel erreicht bis zu 160 km/h und bot ein Kart-gleiches Handling. Original-TTS sind heute schwer zu finden und kosten im perfekten Zustand 30.000 Euro!
Riesen-Prinz: Aus dem Prinz 1000 wurde der NSU Typ 110 und NSU 1200 (Bild) entwickelt. Der Vierzylinder wuchs auf 1,2 Liter, die Front wurde verlängert. Dadurch gewann der NSU zwar an Platz, doch die stimmigen Proportionen wurden verwässert. Schlimmer: Das agile Handling des kleinen Prinz war verschwunden.
Produktion des Prinz 4 im Jahr 1972 in Neckarsulm. 1969 fusionierten die NSU Motorenwerke mit der Auto Union GmbH zur Audi NSU Auto Union AG. Heute werden im Werk Neckarsulm Audi A4, Audi A5 Cabrio, Audi A6, Audi S/RS 6, Audi allroad quattro, der Audi A8 und der Audi R8 gefertigt.
Nach der IAA 1967 war nichts mehr normal: NSU präsentierte den Ro 80 und alles andere war einfach nur noch alt. Sehr alt. Kennzeichen: Top-Aerodynamik, eine Keilform, die erst 20 Jahre später zum Standard wurde und ein innovativer Wankelmotor. Den für den Ro 80 geschaffenen Slogan "Vorsprung durch Technik" nutzt Audi noch heute!
DKW ist tot, es lebe Audi: Der 1963 vorgestellte DKW F 102 ist nicht nur der letzte Zweitakter aus dem Hause DKW, sondern auch der letzte DKW-Pkw überhaupt. Nachdem 1964 rund 25.000 F 102 auf Halde standen, wurde die Fabrikation 1966 eingestellt. Doch im ersten Audi (ohne Typbezeichnung!) lebte der DKW F 102 weiter, allerdings mit von einem von Daimler-Benz entwickelten Viertaktmotor.
Der erste Audi nach dem Zweiten Weltkrieg kam 1965 ohne weitere Typbezeichnung auf den Markt. 1968 ergänzte der Audi 60 (Bild) das Modellprogramm. Die fortschrittliche Konstruktion der Audi-Fahrzeuge mit Frontantrieb und wassergekühltem Frontmotor sicherte VW Anfang der 70er Jahre das Überleben.
Als Kombis bei Audi noch Variant hießen: Im Mai 1966 kam der Audi Variant mit zwei Türen. Es gelang auf Anhieb, den Markennamen Audi nach 25 Jahren Abwesenheit als Qualitätsmarke zu etablieren.
Heimlich entwicklet: Audi Chefentwickler Ludwig Kraus, der vormals bei Daimler-Benz beschäftigt war, entwickelte den Audi 100 ohne Wissen von VW-Chef Nordhoff. Als Nordhoff den fertig entwickelten Wagen zum ersten Mal sieht, gibt er prompt die Order, ihn sofort zu bauen. Viele Details des ersten Audi 100 gehen auf Vorarbeiten von Daimler-Benz zurück.
In den 60er und 70er Jahren galt der Audi 100 als typisches "Hosenträgerauto", seinen Fahrern wurde eine gewisse Behäbigkeit nachgesagt. Grundlos: Der Audi 100 fährt sich dank des niedrigen Gewichts recht agil, vor allem in Verbindung mit den Topmotorisierungen (100 bzw. 112 PS).
Sportlicher Ableger der konservativen Limousine: 1969 ergänzte Audi die Modellpalette um das familientaugliche 100 Coupé. Das Coupé war nur mit dem 1,9-Liter-Topmotor (112 bzw. 115 PS) lieferbar, 30.687 Coupés wurden gebaut. Gesamtstückzahl der Baureihe: 827.474.
Das große Glück für VW: Der 1972 vorgestellte Audi 80 (1972-1978) war eine komplette Neuentwicklung und wurde auf Anhieb ein Bomben-Erfolg. Der Audi 80 ist ein bedeutendes Auto im VW-Konzern, weil sowohl Plattform als auch Motoren die Basis für zahlreiche VW-Modelle bildeten. Der erste VW Passat (1973-1980) war technisch identisch mit dem Audi 80.
Der erste deutsche Mini mit Quermotor, Frontantrieb, Kompaktwagenform und umlegbarar Rückenlehne: der Audi 50 (1974-1978). Auch hier griff VW dankbar zu: Aus dem Audi 50 wurde im März 1975 der VW Polo. Mit gezielten Marketing-Maßnahmen ließ VW den Audi 50 zugunsten des Polo sterben.
Modellpflege: Der Audi 80 bekam 1976 eine neue Front im Stil des neuen Audi 100 mit Breitbandscheinwerfern verpasst. Bis zum Modellwechsel im Juli 1978 wurden insgesamt 1.103.766 Audi 80 ausgeliefert.
1976 kam die zweite Generation des Audi 100 (Typ 43). Die kantig gestaltete Karosserie erinnerte in Details an den legendären NSU Ro 80, zum Beispiel das hohe Heck und das hintere Dreiecksfenster. Der Audi 100 war das erste Auto mit Fünfzylinder-Ottomotor.
Als Avant noch selten waren: Für den 100 Avant musste 1977 ein Aufpreis von 595 D-Mark im Vergleich zur Limousine bezahlt werden. 49.688 gebauten Avant stehen 795.312 Limousinen des Audi 100 Typ 43 gegenüber. 433 bis 1113 Liter passen in das Heck des Avant.
Griff nach den Sternen: 1979 bließ Audi mittels Turbo-Technik zum Angriff auf Stuttgart und München. Im luxuriösen Audi 200 5T waren plüschige Veloursausstattung, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung serienmäßig an Bord. Insgesamt wurden 51.282 Stück vom Audi 200 des Typs 43 gebaut.
Revolutionär war es, das Sportprogramm von Audi mit dem Namen Quattro. Vier angetriebene Räder wühlten das Audi-Image mächtig auf. Aerodynamische Karosserien und perfekter Rostschutz (Vollverzinkung) taten ein Übriges, um Audis Aufmarsch in den 80er Jahren voranzutreiben.
Dicke Backen, heißer Turbo und Allradantrieb: Ein kantiges Coupé mischte 1980 die Szene auf. Der Quattro wurde nicht nur zum Urvater der Audi-Technik, sondern auch zum Aushängeschild eines neuen Image.
Und dann der Fünfzylinder: Konstruktiv ein Ausrutscher, ein ungehobelter Klotz mit kernigem Klang. Aber er geht bis heute wie die Hölle. Zumindest, wenn das Turboloch überwunden ist und der Lader loszwitschert. Der 2,2-Liter-Fünfzylinder leistete 200 PS und katapultierte das Coupé in nur wenig mehr als sieben Sekunden auf 100 km/h.
1987 sorgte der mehrfache Weltmeister Walter Roehrl mit seinem Sieg im Audi Sport Quattro S1 fuer einen neuen Streckenrekord (10:47,85 Minuten!) beim Hill Climb Race auf den 4300 Meter hohen Pikes Peak in Colorado/USA.
Sieht nicht aus wie ein Quattro, ist aber keiner: 1980 stellt Audi dem Allradler das Coupé mit Vorderradantrieb zur Seite. Ab 1984 war das Coupé auch mit Allradantrieb lieferbar, allerdings nur mit dem 136-PS-Fünfzylinder.
Star in der Mittelklasse: 1978 erschien die zweite Generation des Audi 80 und avancierte prompt zum Gipfelstürmer in der deutschen Zulassungsstatistik. Er bot erheblich mehr Platz als sein Vorgänger und war ab 1982 als Quattro lieferbar.
Fein gemacht: 1984 ergänzte der Audi 90 das Modellprogramm. Der modellgepflegte Audi 80 war ab 1984 nur noch mit Vierzylindermotoren lieferbar, während der Audi 90 die noblere Variante mit lackierten Stoßfängern und Fünfzylinder-Motoren bis 136 PS darstellte.
Der Audi 100 von 1983, Baureihe C3, hatte erstmals eine bündig eingepasste Verglasung und erreichte einen Cw-Wert von 0,31. Ein niedriger Verbrauch und hohe Endgeschwindigkeiten waren die Folgen, leider auch eine geringe Kopffreiheit hinten und starke Innenraumaufheizung durch die flachen Scheiben.
Erster Audi mit vollverzinkter Karosserie: Ab 1985 hatten alle Audi 100 den effektiven Rostschutz. Damit begann die Qualitäts-Offensive von Audi.
Platz ohne Ende: Schon die Limousine bot so viel Platz wie eine S-Klasse. Wer noch mehr Freiheiten wollte, entschied sich für den seit 1983 angebotenen Audi 100 Avant. 1989 begann bei Audi das Zeitalter der TDI: Im Audi 100 wurde ab 1989 ein Fünfzylinder-TDI mit 2,5 Liter Hubraum und 120 PS angeboten. Verbrauch: rund acht Liter.
Audi 100 de luxe: Die Nobelversion des Audi 100 wurde, wie schon beim Vorgänger, als Audi 200 (1983-1991) vermarktet. Neben einer eigenständigen Front war das durchgehende Leuchtenband am Heck ein Kennzeichen der Topversion. Es wurde gern beim Audi 100 nachgerüstet.
Sport-Limousine: Der Audi 200 Quattro 20V war ab 1989 das Spitzenmodell der 200er Serie. Der 220 PS starke und gierig klingende Fünfzylinder-Turbo machte aus der Reiselimousine einen Sportwagen. 242 km/h Spitze waren drin, in rund sieben Sekunden 100 km/h erreicht.
Im Motorsport machte der Audi V8 die Konkurrenten nass: 1990 und 1991 gewann der Audi V8 die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft. Vor allem bei Regen fuhr der Allrad-V8 Mercedes 190 E 2.5-16 und BMW M3 auf und davon.
Konsequent aerodynamisch: Mit dem 1986 vorgestellten Audi 80 folgte Audi der Designlinie des Audi 100. Top-Aerodynamik, sehr gute Qualität, jedoch extrem kleiner Kofferraum. Ab September 1989 erhielten alle Audi serienmäßig einen geregelten Katalysator.
Noble Mittelklasse: 1987 erschien de neue Audi 90, wieder ausschließlich mit Fünfzylindermotoren (Ausnahme: Turbo-Diesel). Top-Version: Audi 90 Quattro 20V mit 170 PS.
Quattro statt Leistung: Der Audi 90 quattro IMSA GTO sollte 1989 den Quattro-Antrieb in den USA populär machen. Er hatte weniger Leistung als die US-Konkurrenz, beschleunigte jedoch dank Quattro-Antrieb schneller in den Kurven und fuhr daher mit an der Spitze. Mit dem Audi 90 quattro feierte Hans-Joachim Stuck in den USA insgesamt sieben IMSA-GTO-Siege.
Dezente Verpackung von 315 PS und Porsche-Technik: Der Audi RS2 (1994-1996) bot hochkarätige Sportwagen-Technik im Kleid eines Familien-Kombis. Nur rund 2900 Exemplare des 262 km/h schnellen Kombis wurden gebaut.
Das Audi Coupé S2 (1990-1995) mit permanentem Allradantrieb und ladeluftgekühltem Turbo trat ab November 1990 in die Fußstapfen des Ur-Quattro, war jedoch deutlich komfortabler. Das neue Audi Coupé mit Frontantrieb erschien bereits 1988.
Vier Plätze an der Sonne: Das Audi Cabrio bot Frischluft-Fahrspaß für vier Personen und überzeugte mit eleganter Optik. Das Cabrio wurde 72.000-mal von 1991 bis 2001 gebaut.
Erster Audi mit V6: Der 1990 vorgestellte Audi 100 konnte weiter zu BMW und Mercedes aufschließen. Neben dem neuen V6 waren weiterhin Fünfzylindermotoren zu haben. Mit der Modellpflege 1994 wurde der Audi 100 in Audi A6 umbenannt.
Schöne Kombis heißen Avant: Der neue Audi 100 Avant hatte ein steileres Heck als der Vorgänger, der eher einem Fließheck als einem Kombi glich.
Blieb leider nur eine Studie: Auf der IAA 1991 zeigte Audi den Quattro Spyder mit Aluminium-Karosserie und V6-Mittelmotor. Obwohl genügend Kaufinteressenten ihre Zusage gaben, beendete Audi vorzeitig die Serienentwicklung aufgrund zu hoher Kosten. Nur zwei Prototypen wurden gebaut.
Oberklasse light: 1994 löste der Audi A8 den V8 ab. Natürlich mit Quattro-Antrieb, kam noch ein zusätzliches Highlight hinzu: die Aluminium-Karosserie. Weltweit einzigartig bei Luxuslimousinen. Der A8 verkaufte sich erheblich besser als der glücklose Vorgänger und ebnete endgültig Audis Weg ins automobile Oberhaus.
Auf 80 folgt A4: Der Audi A4 (intern A4 B5) löste 1994 den Audi 80 ab. Der A4 (1994-2001) entwickelte sich zum Bestseller im Audi-Programm. Rund ein Drittel aller A4 liefen als Avant aus den Neckarsulmer Fertigungshallen.
Vom Eckigen ins Runde: 1997 erschien der neue Audi A6 (1997-2004). Dem Designtrend in den 90ern entsprechend, wurde er wesentlich runder als der Vorgänger. Front- und Heckscheibe wurden noch stärker geneigt.
Als Neuwagen Flop, als Gebrauchter top: Der Audi A2 (1999-2005) mit Alu-Karosserie und flexiblen Innenraum verkaufte sich als Neuwagen nur schleppend. Doch als Gebrauchtwagen ist er bis heute sehr gefragt: Vor allem der sparsame 1,2-Liter-TDI mit Minimal-Verbrauch erfreut sich reger Nachfrage.
Kompakt und offen: Seit Januar 2008 wird der kompakte Audi A3 auch als Cabrio angeboten.
Große Mittelklasse: Im Dezember 2007 startete die vierte Generation des Audi A4. Mit einer Außenlänge von 4,70 Meter ist er einen halben Meter länger als der erste Audi 80 von 1972! Top-Version: der S4 mit 333 PS.
Nach zwölf Jahren brachte Audi 2007 endlich wieder ein Coupé auf den Markt. Der Audi A5 basiert auf der Plattform des A4 und wird auch als Cabrio angeboten. Im September 2009 erscheint der A5 Sportback, nach Audi-Angaben ein fünftüriges Coupé mit großer Heckklappe im Fließheck-Stil.
Business-Limousine: Der Audi A6 hat sich längst als feste Größe neben Mercedes E-Klasse und BMW 5er etabliert. Mittlerweile ist die dritte A6-Generation auf dem Markt. Markantes Merkmal aller neuer Audi: der Single-Frame-Grill.
Das Top-Modell: Der aktuelle Audi A8 ist seit 2003 auf Kundenfang und wird 2010 abgelöst. Zwei Top-Versionen: Der W12 mit V12 und sechs Liter Hubraum und 450 PS für Gentleman-Driver, der dynamische S8 mit 5,2-Liter-V8 für den Sportfahrer.
Über Stock und Stein: Mit dem Quattro-Antrieb hat Audi Zeichen gesetzt, der Kompakt-SUV Q5 und A4 Allroad Quattro folgen dem Trend zum Softroader.
Traum-Audi: Der Audi R8 ist der erste Mittelmotor-Sportwagen, den Audi in Serie fertigt. Mit Alu-Karosserie, mindestens 420 PS und perfekter Abstimmung ist er kein Boulevard-Racer, sondern ein Sportwagen, der es mit den Besten der Welt aufnehmen kann.
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