Der VW-Porsche 914 wird 40 Jahre! Der erste serienmäßige Mittelmotorsportwagen Deutschlands wurde auf der IAA 1969 erstmals gezeigt.
Als Ergebnis aus der Verbindung von Porsche und Volkswagen entstand 1969 der VW-Porsche 914 mit vielen Teilen aus VW-Produktion. VW war Mitte der 60er Jahre auf der Suche nach einem Nachfolger für den ergrauten Karmann Ghia, Porsche wollte höhere Stückzahlen.
Porsche erhielt von Volkswagen den Entwicklungsauftrag für einen preiswerten Mittelmotorsportwagen, der mit Vierzylindermotor als Volkswagen und mit Sechszylinder-Boxer als Porsche angeboten werden sollte. Doch es kam anders. Der damalige VW-Chef Nordhoff verstarb überraschend 1968, der neue VW-Chef Kurt Lotz wollte die alleinigen Vertriebsrechte für VW.
VW und Porsche einigten sich nach langen Verhandlungen darauf, den Sportwagen "VW-Porsche" zu nennen und mit einem gemeinsamen Vertriebsnetz auf den Markt zu bringen.
Die Bezeichnung "VW-Porsche" war nicht die glücklichste Wahl, denn die Edelschmiede aus Zuffenhausen wurde von nun an in Verbindung mit dem Massenhersteller VW gebracht. Bezeichnungen wie "Volks-Porsche" oder "Vo-Po" verunglimpften den Sportwagen.
Besonders das Top-Modell, der VW-Porsche 914/6 mit dem zwei Liter großen Sechszylinder-Boxer aus dem 911 T 2.0, fand kaum Akzeptenz bei der anspruchsvollen Kundschaft. Von dem 110 PS starken Mittelmotor-Renner wurden nur 3338 Stück hergestellt.
Heute ist der 1972 eingestellte 914/6 sehr gefragt, die Nachfrage ist größer als das Angebot. Top-914/6 in Zustand 1 wechseln für über 35.000 Euro den Besitzer. Doch es geht auch volksnäher: Die Vierzylinder im brauchbaren Dreier-Zustand sind schon für rund 10.000 Euro zu haben.
Den VW-Porsche mit VW-Vierzylinder fertigte Karmann in Osnabrück, der 914/6 wurde komplett bei Porsche gefertigt. Nur die Rohkarosserie kam von Karmann.
Dank tiefen Schwerpunktes, Mittelmotoranordnung, weniger als 1000 Kilo Wagengewicht bei mindestens 80 PS ist der 914 ein agiler Kurvenkünstler.
Niedriggeometrieauto: Flach, breit und kantig sollte der 914 das Image von Volkswagen heben und Porsche als preiswertes Einstiegsmodell dienen.
Der vierzylindrige VW-Porsche 914 wurde zu einem echten Erfolgstyp. Bis zur Einstellung der Baureihe im Frühjahr 1976 wurden 115.631 Vierzylindermodelle des 914 produziert, der damit zum bestverkauften Sportwagen seiner Zeit avancierte.
Die Boxer-Motoren des 914 waren unmittelbar hinter den Sitzen, aber noch vor der Hinterachse angeordnet.
Fingernagelfalle: Die Türgriffe des VW-Porsche mögen vielleicht ästhetisch sein, doch Frauen mit langen Fingernägeln werden sie nicht mögen.
Volksnah: Die Verwandtschaft zum Hause Volkswagen hat der 914 nie geleugnet, auch die Radkappen deuten auf das Mutterhaus VW hin. Der Basis-914 mit 80 PS kam serienmäßig übrigens mit 155er Bereifung daher. Trotz der schmalen Bereifung erreicht der 914 hohe Kurvengeschwindigkeiten.
Die Ersatzteilsituation ist nicht die beste, es braucht Geduld und Geld, originale Karosserieteile sind wertvoll und gesucht. Clubs helfen häufig weiter.
Zwei Klappen, zwei Kofferräume: Da der Motor in der Mitte sitzt, ist dahinter noch Platz für einen kleinen Kofferraum. Durch die Nähe zu Motor und Abgasanlage wird er allerdings etwas warm.
Für den Wochenendtrip zu zweit reicht der Kofferraum vorn aus. Wird er beladen, verbessert sich die Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse.
In den 80er Jahren war der 914 das Opfer zahlreicher Tuning-Attacken. Heute überwiegt das Angebot von originalen Vierzylinder-Typen.
Zunächst lief der 914 mit dem 1,7-Liter-Boxer (D-Jetronic) des VW 411 E von Band, ab August 1973 den 1,8-Liter-Motor des VW 411 S mit Vergaser und 85 PS. Dank des niedrigen Wagengewichts von nur 970 kg ging der 914 1.8 180 km/h Spitze.
Im Laufe der Jahre kann es zu unterschiedlichen Widerständen in den Mechanik der Klappscheinwerfer kommen. Dann kann es dazu kommen, dass nicht beide Schweinwerfer gleichzeitig die Abschaltkontakte erreichen und so lange auf- und zuklappen, bis beide gleichzeitig die obere Position erreicht haben.
Der Motorraum ist über eine separate Klappe zugänglich. Die Zugänglichkeit ist nicht optimal, der Motorraum ist sehr eng. Doch die Aggregate sind in der Regel problemlos.
Der VW-Porsche hatte serienmäßig ein herausnehmbares Targa-Dach, doch echtes Cabrio-Feeling stellt sich wegen des festen Überrollbügels mit integrierter Heckscheibe nicht ein.
Im übersichtlichen Kommandostand dominiert der zentrale Drehzahlmesser. Das Zündschloß sitzt jedoch untypisch für einen Porsche auf der rechten Seite.
Die Handbremse sitzt links neben dem Fahrersitz, dadurch wird der 914 zu einem Dreisitzer!
Zwei Porsche, zwei Welten: Der 914 1.7 (80 PS) kostete im August 1972 14.000 D-Mark, der Porsche 911 E (165 PS) war mit 27.775 D-Mark fast doppelt so teuer. Das ist bis heute so geblieben. In Zustand 1 ist der 914 1.7 heute mit 23.700 Euro notiert, ein perfekter 911 E 2.4 bringt über 50.000 Euro.
Zahlreiche 914 wurden auf die Technik des 914/6 umgebaut. Originale 914/6 sind an der Porsche-Fahrgestellnummer zu erkennen, die mit der Ziffernfolge 914 beginnt.
Das Image der legendären Rennwagen Porsche 917 (links im Bild) färbte auf den volksnahen Mittelmotor-Sportwagen ab. Die Motorsportkarriere des 917 startete 1969, der 4,5-Liter-Zwölfzylinder entwickelte anfangs 520 PS, die letzten Turbo-Versionen 1973 kamen auf 1100 PS!
Der Ur-914 kommt noch mit verchromten Stoßstangen daher, ab August 1974 erhält der VW-Porsche aufpralldämpfende Stoßfänger aus Kunststoff.
Drei Porsche 914/6 GT vor dem Renneinsatz beim "Marathon de la Route" 1970. Porsche fertigte 32 GT-914er, die vor allem bei Rundstreckenrennen erfolgreich waren.
Der exklusivste und stärkste Porsche 914: der nur zweimal gebaute 914-8 mit 300-PS-Rennmotor. Der 914 mit luftgekühltem Achtzylinder-Boxer unterschied sich optisch vor allem durch die Doppelscheinwerfer von den Serien-914ern. Dieses Fahrzeug steht vom 9.4.09 bis 10.5.09 als Sonderexponat anlässlich des 40. Geburtstages der Baureihe im Porsche-Museum.
Das zweite Exemplar des 914-8 bekam Ferry Porsche 1969 als Geschenk zu seinem 60. Geburtstag. Der silberne 914-8 hatte eine Straßenzulassung, war mit 260 PS etwas schwächer als der 914-8 mit Rennmotor und ähnelte sehr dem Serienmodell.
Potentes Sondermodell: Der insgesamt nur elf Mal gebaute Porsche 916 war eine weiter optimierte Variante des 914/6 GT. Die ersten drei 916 hatten den 190 PS starken Boxer des 911 S im Heck und waren damit 233 km/h schnell.
Die übrigen acht 916 bekamen den 210-PS-Boxer des 911 Carerra eingeplanzt und erreichten 245 km/h! Alle 916 hatten aus Gründen der Verwindungssteifigkeit ein festes Dach. Äußerlich waren die 916 an Kotflügelverbreiterungen und individuellen Verkleidungen zu erkennen.
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