Dezent, gediegen, komfortabel – so musste vor gut 30 Jahren eine Mercedes-Limousine sein, da waren sich Kunden und Fans aus aller Welt einig. Vielleicht auch temperamentvoll, ja, aber niemals sportlich. Und dann kam dieses Ding, der
190 E 2.3-16. Ein Renner, mit Hochdrehzahl-Sportmotor, verspoilert gar und richtig frech. Für viele war das der Untergang des Abendlandes.
1983, schon ein Jahr nach dem Debüt des 190er-Mercedes W 201, schob Mercedes-Benz den 190 E 2.3-16 nach. Die Schwaben hatten ihn zusammen mit der britischen Sportmotor-Manufaktur Cosworth entwickelt. Geschmiedete Leichtmetallkolben, ausgeklügelte Gaswege, zwei obenliegende Nockenwellen und natürlich topmoderne Vierventiltechnik brachten am Ende fast 50 Mehr-PS.
Aus den 136 PS des 190 E 2.3 wurden beim 16-Ventiler stramme 185 PS, die bei 6200 Umdrehungen anliegen. Einen Vierzylinder an den roten Bereich zu drehen wäre der Daimler-Kundschaft vor 1983 wohl nie in den Sinn gekommen.
Mercedes wollte den Bogen nicht überspannen und brachte die Sportlimousine nur in den beruhigenden Farben Rauchsilber (Code 702) und Blauschwarzmetallic (199) in den Verkauf – vermutlich um der Stammklientel nicht noch mehr Exaltiertheit abzuverlangen.
Rauchsilber und Gullydeckel-Alufelgen trugen in den 80ern viele Mercedes, aber ...
... Spoiler und Schweller traute sich nur der 16-Ventiler.
Mit einer schicken Ledergarnitur, ...
... Klimaanlage, Fahrer-Airbag und anderen Nettigkeiten wurde dieser 2.3-16 üppig ausgestattet. Die Basisversion war, wie bei Mercedes damals üblich, ziemlich nackt.
Der 16-Ventiler hält klassischen Mercedes-Tugenden wie Qualität, Alltagstauglichkeit und Komfort die Treue. Als Familien-Limousine bietet er deutlich zu wenig Platz auf den Rücksitzen, aber ehrgeizige Fahrer und Sammler werden glücklich mit ihm.
Fächerkrümmer und Ventilzahl verraten: Im sonst auch schon recht munteren 190 E 2.3 steckt jetzt in der 16-V-Version ordentlich Power.
Wer 1985 einen Baby-Benz als Sportmodell kaufte, hatte meist schon einen großen Stern im Stall. Als Modeartikel verlor der 2.3-16 schnell an Status, Mercedes-Fans erinnern sich nur allmählich wieder an ihn. 1988 wurde der 190 E 2.3-16 durch die erste Ausbaustufe 190 E 2.5-16 ersetzt. Der bis 1993 hergestellte 2.5-16 ist schneller, stärker, aber auch zahmer.
Seltener und deutlich teurer als der 2.5-16 war der nur 502-mal gebaute DTM-Homologationstyp
2.5-16 EVO I von 1989.
Noch radikaler und wilder als all die anderen kam die finale 16V-DTM-Variante daher: der
2.5-16 EVO II von 1990.
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