Anders als Autobauer wie Volkswagen, Hanomag, Borgward oder DKW war Mercedes in der Nachkriegszeit mit der Produktion von Kleintransportern und -bussen spät dran. Das änderte sich erst 1956 mit dem L 319 und seinem Bruder für die Personenbeförderung, dem O 319. Bis 1968 wurden die 319er-Geschwister rund 140.000-mal gebaut, der O 319 hat darunter allerdings nur einen Anteil von 15.589 Exemplaren.
Dieser melancholische Blick! Sein Gesicht lässt sich irgendwo zwischen Teddybär und gutmütigem Bernhardiner einordnen. Die Gestaltung der 319er-Front entfachte einst heiße Diskussionen. Dieser O 319 trägt nachgerüstete Nebelscheinwerfer.
Verkauft wurde der O 319 mit 10 bis 18 Sitzplätzen in einfachen und gehobenen Ausstattungen. Wer das Besondere liebte, konnte sich zum Beispiel getönte Dachrandverglasung (ähnlich dem Samba-Bus), ...
... zusätzliche Chromzierleisten und ...
... andere Extras wie diese schicken Radkappen hinzu bestellen.
Aber Sonderwünsche kosteten damals wie heute natürlich Aufpreis: Ein Extra wie diese Gepäckgalerie mit Leiter schlug etwa mit 475 Mark zu Buche.
Kaum zu glauben, dass dieser O 319er nur 4,82 Meter lang ist! Seine zwölf Sitze sind sorgfältig in aparter, zeitgemäßer Farbgebung restauriert worden.
So viel Komfort lädt zu einer spontanen Spritztour ein! Dank Dachrand-Verglasung und Panorama-Frontscheibe streift die Landschaft in voller Schönheit vorbei.
Das ist doch mal ein netter Komfort über dem Fahrersitz: Sind die Klappen geöffnet, strömt frische Luft ins Innere und erquickt den müden Fahrzeuglenker.
Lenkrad und -schaltung des O 319 stimmen mit dem Ponton-Mercedes überein.
Die Schalter und Kontrollleuchten im O 319 sind angeordnet wie verstreute Murmeln im Kinderzimmer.
Ein teures Extra war das Radio Becker Mexico TR.
Die ersten Exemplare des O 319 gab es mit einem 43-PS-Diesel oder einem 65-PS-Benziner. Unser hier vorgestelltes Modell, Baujahr 1966, hat dagegen schon 80 PS unter der Haube. Die Version mit Benzinmotor wurde allerdings nur selten bestellt. Fast 90 Prozent der O 319er rollten mit den äußerst phlegmatischen Diesel-Aggregaten vom Band.
Bitte nicht verlieren! Ein kleines, aber wichtiges Detail ist der Vierkantschlüssel für die Verschlüsse der Motorhaube.
1967 war ein neuwertiger O 319 für 20.000 bis 22.000 Mark zu haben. Bis heute ist sein Wert um ein Vielfaches gestiegen: 2012 muss man für einen Top-Luxusbus mit Preisen von 50.000 bis 100.000 Euro rechnen. Sehr restaurierungsbedürftige Exemplare kosten ab 3000 bis 5000 Euro sowie viel Liebe, Arbeit und Teilekosten. Aber kKommen wir nun zu den Vorgängern und Nachfolgern des O 319!
1932 bis 1940: Mercedes Lo 2000, hier als "Allwetter-Aussichtswagen" mit Riesenfaltdach.
1967 bis 1996: Mercedes T2, im Bild ein O 309 D Klein-Omnibus der ersten Serie mit Hochdach.
1970 bis 1977: L 206 D/L 207 und L 306 D/L 307, auch "Harburger Transporter" genannt.
1977 bis 1995: Mercedes T1, mit 970.000 produzierten Fahrzeugen ein echter Kleintransporter-Bestseller.
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