Ein BMW wie aus dem Bilderbuch: Gepfeilte Schnauze mit Doppelscheinwerfern, dezenter Chromschmuck und feine Reihensechszylinder standen jahrzehntelang für BMW-typische Dynamik. Die verströmt der erste BMW 6er auch heute noch überzeugend, vor allem als 635 CSi.
Schlanke Figur: Der 6er basiert auf dem 5er BMW, ist daher recht schmal. Zierstreifen, am besten im Alpina-Look, wurden Ende der 70er gern an bayerische Modelle geklebt.
Für Barock und Plüsch waren andere zuständig, damals, als die Bayern ihre legendären
CS-Coupés (1968-76) ablösten. Chefdesigner Paul Bracq skizzierte ein Sportcoupé der betont unaufgeregten und zeitlosen Art, aber mit fragilem Dachpavillon.
Schmale A-, B- und C-Säulen, große Fenster und eine niedrige Gürtellinie beherrschen die Silhouette des 635 CSi. Im 6er sitzt man wie im Wintergarten. Hell und luftig, mit freiem Blick auf die Umgebung. Die hinteren Seitenscheiben lassen sich aber nur eine Handbreit öffnen.
Der 635 CSi ist Typ nervöse Rennziege, überzeugt er vor allem, wenn die Straßen nicht mehr geradeaus führen. Spielerisch leicht lässt er sich durch Serpentinen lenken, sein Sechszylinder schnurrt turbinengleich, muss für sportliche Fahrleistungen aber ackern. Erst jenseits der 4000 Touren geht er richtig ab, darunter fehlt es dem BMW an Biss.
Ein Hütchenzauberer: der Bayer im Slalom-Kurs. Für solch ein großes Coupé fährt sich der BMW 635 CSi überraschend flink. Alles geht dem Fahrer locker von der Hand, die fünf Gänge flutschen nur so durch die Sport-Kulisse. Wenn hier nicht der Funke überspringt, fehlt Benzin im Blut. Der BMW ist ein Dynamiker, der auch Querbeschleunigung liebt.
Alpina-Alus stehen einem 635 CSi hervorragend. Die Reifen krallen sich förmlich in den Asphalt, der 6er scheint Kurven zu suchen, je enger, desto besser. Handzahm folgt der BMW jedem Lenkbefehl, dreht sich von selbst in jede Kurve. Doch Achtung: Im Grenzbereich wackelt der BMW plötzlich mit dem Hintern, wer nicht flink gegenlenkt, fliegt von der Straße.
Typisch für BMW ist die ergonomische, zum Fahrer geneigte Mittelkonsole. Leider sind die schönen Rundinstrumente nicht spiegelfrei verglast. Die Lenkung arbeitet leicht und exakt, die Schaltwege sind knackig.
In die Zange genommen: Sportsitze mit dicken Backen halten den Fahrer auch bei schneller Kurvenfahrt fest umklammert.
Gut sortiert: der BMW-Werkzeugsatz in einer Klappe unter dem Kofferraumdeckel. Das Kofferraumvolumen von 415 Liter bietet genug Platz.
Der Reihensechszylinder muss sich in Sachen Laufkultur hinter den V8- und V12-Maschinen der Konkurrenten nicht verstecken. Turbinengleich dreht er hoch, ist dabei lediglich unterhalb von 4000 Touren ein wenig durchzugsschwächer. Trotzdem: Der BMW fährt auch für heutige Maßstäbe agil und dynamisch.
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