Langstrecke mit Stil und Komfort plus Exzentrik hieß in den 70er- und 80er-Jahren
Citroën CX – daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Der CX war der letzte hundertprozentig echte Citroën. Eigenwillige technische Lösungen und ein unverwechselbares Design machen ihn zum begehrenswerten Klassiker.
Die filigrane Grundkomposition des CX-Entwurfs von Jean Giret zitiert teilweise die legendäre DS. Mit dem CX stellte Jean Giret ein ästhetisches Meisterwerk auf die Räder. Neben einem CX sieht ein /8er aus wie eine Ju 52 neben einer Concorde.
Die Servolenkung bedient sich wie beim Vorgänger DS der Hochdruck-Hydraulik und zentriert sich selbsttätig, auch im Stand. Die Praxis lässt CX-Novizen im Zickzackkurs die Straße entlangkurven. Schnell fahren im CX ist eine Kunst. Schiebt er erst mal über die Vorderräder, schwitzt man flüssigen Knoblauch.
Ein Schiff wird kommen: Schnelles Kurvenfahren erfordert seefeste Passagiere. Man schwebt wie auf einem gut dressierten Kamel, fläzend in Sitzen, die sich wie Hängematten anfühlen – herrlich. Eine Reiselimousine par excellence.
Die konkave Heckscheibe hatte funktionale Gründe: In der Rinne sollte das Regenwasser abfließen. Der Effekt: Heckscheibenwischer gespart. Doch wie öfter bei Citroën klafften Theorie und Praxis auseinander.
So schön wie am ersten Tag: der Ur-CX (1974-1985), noch im vollen Chrom-Ornat. Hier schwebt die begehrenswerte Pallas-Version mit Ledersesseln und Vollautomatik. Ein top erhaltener CX in Jahreswagenzustand kann schon mal 10.000 Euro kosten.
CX-Flaggschiff: Der 1977 vorgestellte Citroën CX 2400 GTI mit 128 PS. Als Einspritzer explodierte der OHV-Vierzylinder, eine archaische Konstruktion aus den 30ern, leistungs- wie verbrauchsmäßig: 17 Liter waren keine Seltenheit. Trost: Die Konkurrenz war damals nicht sparsamer.
Den wiegenden Federungskomfort des Citroën CX wusste auch DDR-Generalsekretär Erich Honecker zu schätzen. Selbst der einflussreichste Mann in der DDR musste fünf Jahre auf seinen verlängerten CX warten – wegen Zollproblemen.
Blick voraus: Drehzahl und Tempo präsentiert Citroën dem Fahrer mittels Rolleninstrument und Lupe. Die Schalter auf den Satelliten neben dem Einspeichenlenkrad lassen sich mit den Fingerspitzen bedienen. Fahren wie im Raumschiff Enterprise.
Nein, dies ist nicht das Cockpit von Captain Futures Shuttle. Sondern das Kombiinstrument mit Lupeninstrumenten im CX.
Höhen und Tiefen: Die Regler für die Höhenverstellung des Fahrwerks sind in der Mittelkonsole platziert.
Innen spiegelte Michel Harmand die äußere Modernität des CX wider, aufgehellt mit einem bunten Strahl Extravaganz. Der CX erhielt ein so futuristisches Interieur, wie es dem
NSU Ro 80 verwehrt blieb, obwohl dessen Designer Claus Luthe es schon entworfen hatte.
Fortschrittlich: Die elektronisch gesteuerte Einspritzung Bosch L-Jetronic. Leider gab es den CX nie mit sechs Zylindern, die gut zum Verwöhnaroma des CX gepasst hätten. Erst der Nachfolger XM kam 1989 mit V6.
Tatort-Kommissar Horst Schimanski (Götz George) bekommt einen CX GTI als Dienstwagen. Und zur Markteinführung des überarbeiteten CX 1985 wirbt Grance Jones eindrucksvoll für den französischen Raumgleiter.
Platz für acht: der 1976 vorgestellte CX Break. 25 cm mehr Radstand als die Limousine und das hydropneumatische Fahrwerk ermöglichen eine rekordverdächtige Zuladung von 700 Kilogramm!
Begehrt: Der CX Break ist wegen seines konkurrenzlosen Raumangebotes und seines formidablen Federungskomforts bei frankophilen Fans heute sehr gefragt. Die seinerzeit beliebten Diesel passen wunderbar zum lässigen Charakter des CX, sind jedoch finanzieller Steuer-Selbstmord. Noch.
Unendliche Weiten: Hinsichtlich Ladevolumen machte kein anderer Kombi aus Europa dem Citroën CX etwas vor. Die hydropneumatische Federung sorgt dafür, dass die Fahrzeughöhe auch bei voller Ausnutzung der Zuladungskapazität stets konstant bleibt.
Das ewige Nörgeln der Autotester veranlasste Citroën, die Armaturenanlage im Zuge der Modellpflege 1985 aufzuräumen. Mit der schrägen Schrulligkeit des alten Cockpits ging auch der unverwechselbare Charme.
1955 bis 1976: "La Déesse", die Göttin des automobilen Olymps mit dem Doppelwinkel. Der CX schien die logische Evolution der DS zu sein: eine Hydropneumatik, deren Schwebe-Effekt die Citroën-Ingenieure durch einen Hilfsrahmen nochmals verfeinerten. Neben dem
NSU Ro 80 das revolutionärste Auto des 20. Jahrhunderts.
1989 bis 2000: Der XM übernahm das Zepter vom CX – unter deutlicher Peugeot-Regie.
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